- 25. Juli 2013
  1 Kommentar

Wann ist Web Dynpro Java denn jetzt endlich tot?

Einer von vielen Blog-Artikel hat es in der SAP Community zu einiger Berühmtheit gebracht und stand am Anfang einer Diskussion, die bis zum heutigen Tag anhält: Kiss of Death for Web Dynpro Java. Auf der TechEd 2010 hatte SAP bekannt gegeben Web Dynpro Java werde nicht mehr weiterentwickelt und befände sich bis 2018 im „Maintenance Mode“.

Der Ausdruck „Panik“ ist wahrscheinlich etwas übertrieben – aber die Unsicherheit über die Zukunft der eigenen Investitionen in der SAP Gemeinde war groß. Auch drei Jahre nach der offiziellen Bekanntgabe treibt das Thema immer noch die Kunden um. Erst kürzlich hörte ich in einem DSAG-Arbeitskreistreffen einen Vortrag zur neuen SAP User Experience Strategie und die erste Frage aus dem Auditorium lautete: „Wie sieht es denn mit der Zukunft von Web Dynpro Java aus?“

Die Zukunft von Web Dynpro Java

Die Zukunft von Web Dynpro Java

Über die Vorteile von Web Dynpro Java wird mit langen und detaillierten Featurelisten und Pro / Contra Vergleichen diskutiert. Viele versuchen zu zeigen, warum Web Dynpro Java immer noch eine wichtige Technologie ist und unbedingt erhalten bleiben muss. Diese Diskussion geht so aber am eigentlichen Kern vorbei und ist wahrscheinlich emotional begründet.

Ich bin überzeugt, es ist schon lange an der Zeit diese Frage einfach zu den Akten zu legen. Es gibt keinen erkennbaren Grund, jetzt bestehende Anwendungen auf der Web Dynpro Java Plattform nicht weiter zu betreiben, laufende Projekte gar zu stoppen oder bei Weiterentwicklungen aufwändige Migrationspfade einzuschlagen. Der Application Server Java ist weit davon entfernt abgekündigt zu werden, zentrale Lösungen wie das NetWeaver Portal, Process Integration und Business Process Management werden auf dieser Plattform voran getrieben. Für alles was „in der Welt ist“ gibt es kein Problem.

In fünf Jahren WOLLEN wir nicht mehr in Web Dynpro Java investieren.

Bei Entscheidungen über die langfristige Strategie, die über die nächsten fünf Jahre hinausgeht, sind das aber nicht die wichtigen Kriterien. Bei architektonischen Richtungsentscheidungen, die aktuell und auch in den nächsten Jahren getroffen werden, lässt man sich nicht vom Status Quo einer bestimmten Technik leiten, sondern von der zukünftigen Entwicklung der Anforderungen.

Mein These: In fünf Jahren WOLLEN wir gar nicht mehr im großen Stil in Web Dynpro Java investieren. Dieser Zeitpunkt wird früher kommen, als das Ende des technischen Supports und hat nichts mit Funktionsumfang oder Perspektive von Web Dynpro Java selbst zu tun. Vielmehr sind es die Alternativen, die zukünftig attraktiver und sinnvoller sind.

Schon jetzt zeigt sich der Trend: Web Dynpro ABAP für systemnahe transaktionale Applikationen, HTML5-basierte Lösungen für die client-unabhängige Zielgruppe, die iPad-Jünger, die Consumer und Manager dieser Welt.

HTML5 oder Flash/Silverlight?

Ob sich HTML5 im Businessbereich durchsetzen wird, ob wir jemals wieder etwas von Flash oder Silverlight hören werden, wird sich zeigen. Eins ist aber sicher: Die Innovationsgeschwindigkeit am Frontend ist unheimlich hoch und wird noch schneller. Bis zum endgültigen Ende von Web Dynpro Java werden wir noch einige heiße Trends im Bereich SAP User Experience kommen und wieder gehen sehen. Die Web Dynpro Java Anwendungen laufen dann immer noch – vermutlich macht sich aber niemand Gedanken mehr darüber. Und wenn in ferner Zukunft die letzte abgeschaltet wird, werden wir es nicht mal merken. Irgendwann geht jede selbstentwickelte Applikation diesen Weg – das Ende des Lebenszyklus kommt bestimmt und ist bei jedem Projekt auch mit eingeplant. Zu einem „Verlust von Investitionen“ in Web Dynpro Java wird es aber nicht kommen, denn das würde bedeuten Entwicklungen früher als ursprünglich geplant abschalten zu müssen.

In der UI-Strategie geht es heute um andere Fragen: Was sind heute die Anforderungen der Kunden und Anwender? Welche Endgeräte und welche Ansprüche müssen bedient werden? Wann muss man in die Entwicklung einsteigen, sich Erfahrungen in neuen Technologien verschaffen und wann sind sie reif für die ganz großen Projekte?

Am Schluss interessiert mich Ihre Meining: Wie handhaben Sie die Weiterentwicklung Ihrer Web Dynpro Java Anwendungen? Wo sehen Sie heute die Stärken und wo fällt die Technologie nach Ihrer Meinung hinter die aktuellen Alternativen zurück?


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Ein Kommentar zu "Wann ist Web Dynpro Java denn jetzt endlich tot?"

Rolf Paulsen - 14. März 2015 | 00:29

Hallo Herr Biermann,

eine späte Antwort auf Ihren Blog:
Die Aufregung über den Blog „Kiss of Death for Web for Dynpro Java“ konnte ich als Java Architekt erst verstehen, als ich mich etwas näher mit den SAP Werkzeugen, insbesondere mit dem Business Data Toolset, auseinandergesetzt habe.

Die Wahl der UI-Technologie, die für eine Java Enterprise-Applikation genutzt wird, hat aufgrund der klaren Schichtentrennung recht wenig Auswirkungen auf die Gesamtarchitektur. Die Java EE Architektur ist robust gegen den Wechsel der UI-Technologie. Das liegt neben der Schichtentrennung auch an dem im Java EE Umfeld etablierten Ansatz von Stateless Session Beans und
optimistischem Locking. Damit ist die Java EE Plattform prädestiniert z.B. für moderne UI Technologien wie UI5, die auf zustandslosen Aufrufen basieren.

Ganz anders auf der SAP Business Suite. Eine Schichtentrennung zwischen Oberfläche und Applikationskern ist in dieser Form nicht vorhanden und nicht geläufig bzw. bei der Entwicklung präsent. Das BDT ist für Anwendungen mit einer SAP GUI Oberfläche konzipiert. Auch das pessimistische Sperrkonzept sperrt zustandslose UI-Technologien wie SAP UI5 aus.

Inzwischen ist auch die SAP GUI Technologie genau wie Webdynpro Java keine Schlüsseltechnologie der SAP mehr. Die Aussagen zu Webdynpro Java und der SAP GUI sind heute äquivalent:
http://www.sdn.sap.com/irj/scn/go/portal/prtroot/docs/library/uuid/c0e5d250-3e9a-3010-97a0-a0c7f48b5bd8?QuickLink=index&overridelayout=true&59824599468512

Es ist ein massiver Eingriff in die bestehende Entwicklung, in weiten Teilen ein Rewrite erforderlich, um die SAP GUI durch eine modernere UI-Technologie zu ersetzen. Da das meist nicht wirtschaftlich machbar ist, entsteht ein Leidensdruck, der durch „Side Panels“ und „SAP Screen Personas“ in den nächsten Jahren gelindert werden kann.

Die Auswirkungen eines „Kiss of Death“ einer Java UI Technologie ist vergleichsweise gering. Gering ist auch der Verbreitungsgrad von Webdynpro Java bei Java EE generell und zahlreich die Alternativen, die sich auch auf dem SAP NetWeaver Java nutzen lassen.
Es ist aber nachvollziehbar, dass ABAP-affine Personen wie der Autor des KoD Blogs den Übergang von Webdynpro Java in den Wartungsmodus für ein einschneidendes Ereignis halten.

Überraschend und unverständlich ist jedoch, dass es noch kein Blog über den Wartungsmodus der SAP GUI oder sogar das absehbare oder schon eingetretene Innovationsende der SAP R/3 Plattform zu Bekanntheit gebracht hat.

Genau das sind die entscheidenden und einschneidenden Themen, daher stimme ich Ihnen völlig zu: Der „Kiss of Death for Webdynpro Java“ hat keine weitreichenden Konsequenzen – tatsächlich kräht heute schon kein Hahn mehr danach, Stattdessen können wir auf der Java EE Plattform dank der Vorarbeit der SAP im Olingo Projekt schon heute transaktionale UI5 und Fiori Anwendungen entwickeln, die die SAP auf der ABAP Plattform
erst unter „Future Direction“ sieht (s. obiger Link).

Um auf Ihre Frage einzugehen: Wir entwickeln derzeit gelassen mit Webdynpro Java weiter, weil wir wissen, dass unsere Java EE Architektur zukunftssicher und robust ist und die Anforderungen unserer Kunden damit jetzt erfüllt werden können. Wir schauen uns die neuen Trends wie UI5 und Fiori an in dem Wissen, dass wir sie deutlich früher gleichwertig in unsere Anwendungen werden integrieren können, als das unter der ABAP Plattform der Fall wäre.

Freundliche Grüße
Rolf Paulsen

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