- 6. Oktober 2015

DSAG Blog: Usability-Fail bei der DSAG-Konferenz

Rund um das Fiori UX definiert die SAP Designprinzipien für gute Anwendungen: „entzückend“, „einfach“, „rollenbasiert“ und „responsiv“. Hinzu kommt „kohärent“ als das Prinzip, dass eine Wiedererkennbarkeit zwischen Anwendungen sicherstellt, die den gleichen Prinzipien folgen. Eine intuitive Bedienbarkeit und die oft zitierte Schulungsfreiheit sind Ergebnisse dieses Designprinzips.

Fiori Design Principles

Fiori Design Principles

Ein schönes Gegenbeispiel zu Kohärenz oder Erwartungskonformität konnte man auf der diesjährigen DSAG-Jahreskonferenz in freier Wildbahn beobachten. Es ging hier nicht um einen Vortrag zu den neuesten Fiori-Apps oder um einen der zahlreichen Lösungsanbieter in der Ausstellung. Natürlich war auch am mindsquare-Stand in Halle 5 kein Usability-Fail zu finden.

Tatsächlich fiel direkt am ersten Tag etwas im Sanitärbereich der Messe Bremen ins Auge: Zahlreiche Besucher versuchten zuerst vergeblich, die Wasserhähne an den Handwaschbecken zu öffnen – was oft erst im zweiten oder dritten Versuch gelang. Das Problem: Optisch sieht die Armatur gewohnt aus. Ein Wasserhahn mit einem Hebel zur gleichzeitigen Regelung von Temperatur und Wassermenge (auch als „Einhandmischer“ bekannt). In Wirklichkeit funktioniert dieser Hahn aber anders: Durch Drehung von links nach rechts wird das Wasser geöffnet. Warmes Wasser gibt es hier nicht und der Hebel kann gar nicht angehoben werden.

Ein vermeintlich kleines Problem:

Usability-Fail im Real Life

Usability-Fail im Real Life

  • Für sich genommen ist das Design eine gute und funktionale Idee
  • Bei näherem Hinsehen ist die Funktionsweise auch eindeutig zu erkennen
  • In Kombination mit der Erfahrung und Erwartung der „Anwender“ funktioniert sie aber nicht, denn viele Besucher – mich eingeschlossen – versuchen zuerst den Hebel nach oben zu ziehen, statt ihn zu drehen. Einige Sekunden Verwirrung waren oft die Folge.
  • Ergebnis: Gut gemeint, aber das Ziel verfehlt.
Usability-Fail im Real Life

„Gepatchtes“ Modell als Reaktion auf missverständliches Design des Vorgängers

Auch der Hersteller scheint das Problem erkannt zu haben, denn ein paar Räume weiter fanden sich die „gepatchten“ Armaturen in Version 1.1. Dort weist ein Pfeil die Drehrichtung und versucht so, die falsche Erwartungshaltung zu korrigieren.

Die ganze Sache erinnert mich schon an Softwareprojekte, bei denen zuerst nicht richtig über Zielgruppe und Erwartungshaltung nachgedacht wurde. Im Nachhinein wird dann eine Korrektur erforderlich, die dann aber nur kostengünstig und halbherzig umgesetzt werden kann.

Waren Sie auch auf der DSAG-Jahreskonferenz 2015 in Bremen? Sind Sie auch über diese Wasserhähne gestolpert?


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