- 6. Juli 2014

Ist der Visual Composer mit UI5 wieder zurück im Spiel?

Der SAP Visual Composer ist in gewisser Weise so etwas wie das Arminia Bielefeld der SAP UI-Technologie. Ok, ok – vielleicht ein wenig weit her geholt, aber ich meine es in etwa so:

  • Es gibt den Visual Composer schon eine ganze Weile und früher spielte er mal in der ersten Liga mit.
  • Zum ganz großen Wurf hat es nie gereicht und von den etablierten Technologie wurde der Visual Composer stets belächelt.
  • Er hatte aber immer seine Fans und die hatten auch eine Menge Spaß mit ihm – im Rahmen der Möglichkeiten eben. Genau wie die Arminen, die immerhin siebenmal mit Euphorie und Rathausbalkon in die erste Liga aufgestiegen sind.
  • In letzter Zeit ist es um beide stiller geworden. Aber zumindest der Visual Composer will jetzt wieder angreifen.
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Ingo Biermann, Fachbereichsleiter

 Das erste Release des Visual Composers liegt zehn Jahre zurück

Das Versprechen: Ein grafisches Modellierungstool für Applikationen, das ganz ohne Coding auskommt. SAP Datenquellen lassen sich schnell zu ansprechenden Anwendungen zusammenschalten, die gut aussehen und angenehm zu bedienen sind. Der Visual Composer läuft dabei auf dem SAP NetWeaver Application Server Java.

Über die Jahre hat der VC einige Veränderungen durchgemacht. Die erste Version nutze für Entwicklungs- und Laufzeitumgebung das Adobe SVG Plug-In. Mit der Version 7.3 war dann Rendering mit Adobe Flex möglich und vor allem als Web Dynpro. Damit waren die proprietären Adobe Plug-Ins nicht mehr erforderlich, was der Akzeptanz gut getan hat. Verbreitet sind Anwendungen auf Basis des Visual Composers vor allem im Bereich Business Intelligence, denn für Visualisierung und Navigation in BW-Daten ist der VC besonders gut geeignet.

Die Entwicklung ohne Coding per grafischer Modellierung ist Segen und Fluch gleichermaßen: Schnell und einfach lassen sich ein RFC-Baustein oder ein BW-Query ins Modell ziehen, dann einfach eine Suchmaske und eine Ausgabetabelle mit den Input- und Outputschnittstellen verbinden und innerhalb weniger Minuten läuft der erste Prototyp. Die berühmte 80%-Lösung ist mit dem Visual Composer oft erstaunlich schnell erstellt.

Visual Composer Modellierungsumgebung

Visual Composer Modellierungsumgebung

Dann wird es in der Regel schwieriger: Für die letzten 20% der Anforderungen reichen wie so oft die Freiheitsgrade einer grafischen Modellierung nicht aus. Als Reaktion bekam der Visual Composer vor einiger Zeit dann die Fähigkeit, Freestyle Web Dynpro zu integrieren und mit den eingebetteten Komponenten zu kommunizieren. Das wiederum erhöht die Komplexität und mit der reinen Modellierung ist es dahin.

Im Zoo der SAP Technologien ist der Visual Composer oft genug ein Streichkandidat, wenn es um die Reduzierung und Konsolidierung geht. Spezial Knowhow neben Dynpro und Web Dynpro bringt oft kein außreichendes Kosten / Nutzen Verhältnis und wird deshalb nicht als strategisch kategorisiert.

In der aktuellen User Experience Strategie der SAP spielt der VC keine zentrale Rolle mehr. Im offiziellen UX Explorer wird er sogar als „legacy“ bezeichnet. Trotzdem gibt es aktuell wieder frischen Wind in der VC-Szene, denn die neue Version (bzw. die Erweiterung des bestehenden Release) unter der Abkürzung VC5 bietet eine neue Laufzeittechnologie: SAP UI5 und damit HTML5 Ausgabe.

Bekommt der Visual Composer damit wieder Oberwasser? Ist es auf einen Schlag wieder eine zukunftsfähige Technologie?

Auf den ersten Blick erscheint es so. HTML5 ist in aller Munde. Es ist DIE Technologie, auf die die gesamte Industrie setzt und der die vielversprechendste Zukunft vorausgesagt wird. Mit dem Rendering in HTML5 scheint der Visual Composer für diese Zukunft gerüstet und wieder im Spiel zu sein.

Auf den zweiten Blick ist VC5 Augenwischerei. Er ändert nichts am beschriebenen Kernproblem einer grafischen Modellierung. 80% Lösungen, Nischentechnologie, Spezial Knowhow – die Ausgabe als HTML5 ist da nur eine weitere alternative Clientplattform, aber die war ja in letzter Zeit gar kein Problem mehr.

Auf den dritten Blick wird klar: Der Visual Composer hat die Chance seine Berechtigung zu behalten, ausbauen wird er sie aber wohl nicht können.

In erster Linie kann er eine einfache Verbindung zwischen zwei Welten schaffen: Auf der einen Seite sind das RFC-Bausteine der Business Suite, BW Queries und SOAP-basierten Web Services. Um diese mit dem puren SAP UI5 zu nutzen, ist normalerweise der Zwischenschritt über SAP Gateway erforderlich. Auf der anderen Seite die Vorteile eines HTML5 Renderings, die sind vor allem die gute Anpassbarkeit des Look & Feels und die Breite der unterstützen Clients. Hier sind auf einmal Visual Composer Oberflächen auch für mobile Geräte möglich.

SAP hat angekündigt, dass die modellierten und generierten Anwendungen anschließend änderbar sein werden, und zwar auf Codeebene. Ob und wie das funktioniert bleibt abzuwarten. Im ersten Release ist das jedenfalls noch nicht enthalten: General Availability für VC5 ist SAP NetWeaver 7.31 SP11 und NW 7.4 SP6.

Unabhängig davon hat der VC5 tatsächlich das Potenzial einer ernst zu nehmenden Alternative zu Web Dynpro ABAP und SAP UI5, sofern das Szenario passt. Auch in Zukunft wird man damit keine großen, geschäftskristischen Anwendungen bauen, keine Applikationen, bei denen es darauf ankommt, die letzten 20% auch noch herauszuholen. Für das schnelle, unkomplizierte Tool zum Beispiel für Administrationsaufgaben oder zur Datenvisualisierung wird er wieder zu einer Alternative. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der eine oder andere Report damit für das Web und für mobile Endgeräte aufbereitet wird.

Zum Schluss die Frage an Sie: Wie verbreitet ist der Visual Composer eigentlich? Haben Sie den VC im Einsatz? Ist aus Ihrer Sicht das UI5 Rendering eine Alternative und vielleicht ein neues Argument? Oder sind Sie am Ende etwa Fan von Arminia Bielefeld? Nutzen Sie die Kommentarfunktion!


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