Erweiterbarkeit im Clean Core: Drei Wege zu individuellem SAP
Erweiterbarkeit ist ein zentrales Prinzip von SAP Clean Core. Sie können damit in Ihrem Unternehmen Ihre Systeme an individuelle Anforderungen anpassen und das ganz ohne die Integrität des SAP-Kerns zu gefährden. SAP bietet Ihnen dabei drei Optionen, um die Erweiterbarkeit innerhalb des Clean Core zu gewährleisten.
Das Wichtigste im Überblick:
- Erweiterbarkeitsoptionen: SAP bietet mit In-App, On-Stack und Side-by-Side drei Clean-Core-konforme Wege zur Erweiterbarkeit, die je nach Nähe zum Kern unterschiedliche Freiheitsgrade und Aufwände ermöglichen.
- Standardisierte APIs: Standardisierte APIs schaffen einheitliche Schnittstellen, damit Erweiterungen sauber integriert werden und sich Update- sowie Upgrade-Risiken reduzieren.
- Codequalität & Dokumentation: Verbindliche Codequalität und eine durchgängige Dokumentation stellen sicher, dass Erweiterungen langfristig wartbar bleiben und Teams Änderungen nachvollziehbar weiterentwickeln können.
- Aufgeräumtes System: Eine konsequente Bereinigung ungenutzter Erweiterungen hält das System schlank und verbessert die Effizienz im laufenden Betrieb.
Warum Erweiterbarkeit im Clean Core so wichtig ist
In der Praxis brauchen Unternehmen Erweiterungen, um Prozesse sauber abzubilden. So bleibt der SAP-Kern stabil und Updates werden nicht zur Risikozone. Genau hier kommt die Erweiterbarkeit ins Spiel, auf Englisch „extensibility“ Unter diesem Begriff finden Sie in Dokus, Leitfäden und Community-Beiträgen oft deutlich mehr Material, weil SAP und viele Hersteller hier konsequent die englische Terminologie nutzen. Damit Erweiterungen clean-core-konform bleiben, unterscheide ich im Folgenden drei sinnvolle Wege:
1. In-App-Erweiterbarkeit
Die In-App-Erweiterbarkeit ermöglicht Ihren Key-Usern, direkt im SAP-System Änderungen vorzunehmen. Diese betreffen in erster Linie das User Interface, etwa durch die Hinzufügung von Custom Fields, App Adjustments, UI-Anpassungen und Business Rules.
Vorteile:
- Geringe Latenz: Da die Anpassungen direkt im System vorgenommen werden, ist die Latenz minimal, was zu einer schnellen Reaktion und Verbesserung der Benutzererfahrung führt.
- Einfache Integration: Die Anpassungen sind in der Regel schnell und unkompliziert umzusetzen, da sie direkt im bestehenden SAP-System vorgenommen werden, ohne dass externe Anwendungen oder Services erforderlich sind.
Nachteile:
- Begrenzte Flexibilität: Für tiefgreifendere oder komplexere Angleichungen, die nicht innerhalb des Standardprozesses abgebildet werden können, ist diese Option weniger geeignet.
- Eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten: Wenn umfangreiche Anpassungen notwendig sind, stoßen die In-App-Optionen schnell an ihre Grenzen, was eine andere Erweiterbarkeitsoption erforderlich macht.
Wann ist diese Option sinnvoll?
Die In-App-Erweiterbarkeit eignet sich besonders, wenn Sie nur kleine Änderungen vornehmen möchten, die eng am Standardprozess bleiben. Etwa, wenn Ihre Geschäftsprozesse nur geringfügige Änderungen oder spezifische Anpassungen in der Benutzeroberfläche erfordern.


2. On-Stack-Erweiterbarkeit
Mit der On-Stack-Erweiterbarkeit können Ihre Entwickler in S/4HANA direkt Code schreiben, der Clean-Core-konform ist. Hierbei wird der Code in das SAP-System integriert und bleibt dabei stets innerhalb des Clean-Core-Modells. Entwickler können tiefgreifende Anpassungen vornehmen, die eng in die Anwendung integriert sind.
Vorteile:
- Hohe Performance: Da der Code direkt im SAP-System integriert ist, profitieren diese Erweiterungen von einer guten Performance und kurzen Reaktionszeiten. Die Erweiterungen sind direkt in den Geschäftsprozess eingebunden und somit sehr effizient.
- Starke Integration: Diese Erweiterungen sind eng mit dem SAP-Kern verbunden und bieten eine nahtlose Benutzererfahrung sowie eine hohe Funktionalität innerhalb des Systems.
Nachteile:
- Hoher technischer Anspruch: Die On-Stack-Erweiterbarkeit erfordert tiefgehendes technisches Wissen und Fähigkeiten in der Entwicklung mit SAP-Technologien. Es ist ein hoher Aufwand erforderlich, um sicherzustellen, dass der entwickelte Code stets Clean-Core-konform bleibt und keine späteren Upgrades stört.
- Wartungsaufwand: Durch die Integration des Codes in das bestehende System müssen Entwickler sicherstellen, dass zukünftige Updates und Upgrades des Systems keine negativen Auswirkungen auf die Anpassungen haben.
Wann ist diese Option sinnvoll?
Diese Option ist dann von Vorteil, wenn Sie umfangreiche, aber gleichzeitig eng integrierte Anpassungen benötigen, die nicht durch die In-App-Erweiterbarkeit abgedeckt werden können.
3. Side-by-Side-Erweiterbarkeit
Die Side-by-Side-Erweiterbarkeit geht einen Schritt weiter, indem sie es Ihnen ermöglicht, vollständig eigenständige Anwendungen außerhalb des SAP-Kerns zu entwickeln. Diese Anwendungen werden typischerweise in der SAP Business Technology Platform (BTP) oder in der Cloud gehostet und kommunizieren über standardisierte Schnittstellen wie APIs mit dem SAP-System.
Vorteile:
- Hohe Flexibilität: Da die Anwendungen vollständig unabhängig vom SAP-Kern laufen, können Unternehmen sehr flexibel arbeiten und ihre Systeme nach ihren Wünschen erweitern. Sie sind nicht an den SAP Standard gebunden und können nach Bedarf skaliert und angepasst werden.
- Isolation und Upgrade-Sicherheit: Da die erweiterten Anwendungen außerhalb des Kerns betrieben werden, haben sie keinen direkten Einfluss auf den SAP-Core. Dies erhöht die Sicherheit bei Upgrades, da Änderungen am Core nicht direkt in die erweiterten Anwendungen eingreifen.
- Innovation und Unabhängigkeit: Unternehmen haben die Freiheit, neue Technologien und Plattformen zu integrieren, ohne dass dies Auswirkungen auf das bestehende SAP-System hat.
Nachteile:
- Integrationsaufwand: Die Kommunikation zwischen den externen Anwendungen und dem SAP-Kern erfordert eine sorgfältige Integration. API-Aufrufe, Ereignisse und Messaging sind notwendig, um sicherzustellen, dass die Systeme korrekt miteinander kommunizieren.
- Erhöhte Latenz: Da die Anwendungen außerhalb des Kerns laufen, können zusätzliche Latenzen bei der Kommunikation mit dem SAP-System auftreten, insbesondere wenn komplexe Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden müssen.
Wann ist diese Option sinnvoll?
Die Side-by-Side-Erweiterbarkeit ist ideal, wenn Sie eine hohe Flexibilität benötigen, um neue, eigenständige Anwendungen zu entwickeln, die in einem isolierten Bereich arbeiten. Diese Option eignet sich für Ihr Unternehmen, wenn Sie in der Lage sind, den Integrationsaufwand zu stemmen und bereit sind, potenzielle Latenzen zu akzeptieren.
Flexibilität bei gleichzeitigem Fokus auf Standardisierung
Erweiterbarkeit ist ein entscheidender Bestandteil der SAP Clean-Core-Strategie. Durch die Wahl der richtigen Erweiterbarkeitsoption können Unternehmen ihre SAP-Systeme individuell anpassen, ohne die langfristige Wartbarkeit und Upgrade-Fähigkeit zu gefährden. Die drei Optionen – In-App, On-Stack und Side-by-Side – bieten unterschiedliche Wege, um SAP an die spezifischen Bedürfnisse eines Unternehmens anzupassen, wobei jede Option ihre eigenen Stärken und Herausforderungen mit sich bringt.
Websession: SAP Clean Core


Möchten Sie SAP Clean Core in Ihrem Unternehmen implementieren und von den Vorteilen der Erweiterbarkeit profitieren? Vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Termin mit unseren Experten und wir beraten Sie zur Einführung und Umsetzung der SAP Clean Core Strategie.
FAQ
Was ist SAP Clean Core?
SAP Clean Core ist eine Strategie, die darauf abzielt, die Standardfunktionen von SAP von individuellen Anpassungen zu trennen. Ziel ist es, die langfristige Wartbarkeit und Flexibilität des Systems zu gewährleisten.
Welche Erweiterbarkeitsoptionen bietet SAP Clean Core?
SAP Clean Core bietet drei Hauptoptionen zur Erweiterbarkeit: In-App, On-Stack und Side-by-Side.
Welche Vorteile bietet die In-App-Erweiterbarkeit?
Sie ermöglicht schnelle und einfache Anpassungen direkt im System mit geringer Latenz, eignet sich jedoch nur für kleinere Änderungen des Standardprozesses.
Wann sollte man die Side-by-Side-Erweiterbarkeit wählen?
Diese Option bietet hohe Flexibilität und Unabhängigkeit vom SAP-Kern. Sie eignet sich ideal für Unternehmen, die neue Technologien integrieren möchten, jedoch die erhöhte Integrationskomplexität und Latenz in Kauf nehmen können.








