Unternehmen nutzen heute in der Regel viele verschiedene Anwendungen. Wer ein SAP-System im Einsatz hat und dieses mit anderen Lösungen verbinden möchte, kann dies über ABAP–Proxys tun. Wir erklären, wie die Schnittstellen funktionieren und was bei unterschiedlichen Einsatzszenarien zu beachten ist.
Das Wichtigste im Überblick
- ABAP-Proxys ermöglichen die Kommunikation zwischen SAP-Systemen und anderen digitalen Lösungen via Webservices. Sie spielen eine wichtige Rolle bei Integrationsszenarien.
- ABAP-Proxys werden aus Service- bzw. Schnittstellendefinitionen generiert und bilden diese als ABAP-Objekte im Backend ab.
- SAP PI/PO und die Integration Suite fungieren als Middleware-Plattformen, die den Austausch zwischen den Systemen koordinieren.
- Die Erstellung und Verwaltung von ABAP-Proxys erfolgt über die Transaktion „SPROXY“ und je nach Integrationsszenario über das Enterprise Services Repository (ESR) oder Service Interfaces der SAP Integration Suite.
Was sind ABAP-Proxys?
ABAP-Proxys sind generierte ABAP-Objekte, die Service-Schnittstellen im SAP-System abbilden und die Kommunikation mit anderen Systemen und Webservices ermöglichen. Sie bestehen aus zwei Hauptkomponenten: den klassischen ABAP-Objekten (wie Interfaces, Klassen und DDIC-Typen) und den Metadaten (SPRX-Objekten).
ABAP-Proxys können für SOAP-basierte Webservices eingesetzt werden. Sie werden auf Basis von Schnittstellenbeschreibungen (WSDL) automatisch generiert und können in der ABAP-Entwicklungsumgebung bearbeitet und verwaltet werden.
Die Proxys dienen entweder der Point-to-Point-Kommunikation oder der Integration von Anwendungen in komplexen Szenarien. Die Kommunikation zwischen SAP-Systemen und Webservices kann mithilfe von ABAP-Proxys sowohl synchron als auch asynchron gestaltet werden.
Die Rolle von ABAP-Proxys in Integrationsszenarien
ABAP-Proxys werden häufig in Verbindung mit SAP PI/PO eingesetzt. Die Plattform dient als Middleware. Die Proxys verbinden die jeweiligen Systeme mit SAP PI/PO, die dann einen reibungslosen Datenaustausch zwischen SAP-Systemen und externen Anwendungen ermöglicht. Auch die ältere SAP XI (Exchange Infrastructure) wird noch in einigen SAP-Infrastrukturen verwendet, ist aber zunehmend ein Auslaufmodell.
Stattdessen gewinnen Cloud-Integrationslösungen wie die SAP Integration Suite an Bedeutung, die nicht grundsätzlich mit ABAP-Proxys arbeitet, sondern viele andere Integrationsmethoden wie APIs, Adapter, Events und iFlows unterstützt. Seit 2025 können jedoch auch ABAP-Proxys mit der Plattform verwendet werden, was vor allem für Migrationsszenarien von SAP PI/PO relevant ist.
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Aufbau von ABAP-Proxys
Grundsätzlich wird bei ABAP-Proxys zwischen Consumer- und Provider-Proxys unterschieden.
Consumer-Proxys
Consumer-, Outbound- und Client-Proxys werden als Begriffe im SAP-Umfeld synonym verwendet. Ein ABAP-Consumer-Proxy basiert auf einem Outbound-Service-Interface und ruft einen bereits vorhandenen Webservice auf, d. h. er „konsumiert“ ihn. Die bereitgestellte Schnittstelle des aufgerufenen Webservices bestimmt über die WSDL-Beschreibung auch die Schnittstelle (also Eingangs- und Ausgangsparameter) des ABAP-Consumer-Proxys.
In einer ABAP-Entwicklung wird ein Consumer-Proxy durch eine Proxy-Klasse repräsentiert, also eine ABAP-OO-Klasse, über deren Methoden ein ABAP-Programm den externen Webservice aufruft. In diesem ABAP-Programm kann ein Entwickler dann die gewünschte SAP-Logik implementieren, um die Daten zu verarbeiten und gegebenenfalls eine Antwort vom Webservice entgegenzunehmen.
Provider-Proxy
Die Begriffe Provider-Proxy, Inbound-Proxy und Server-Proxy werden in der SAP-Dokumentation synonym verwendet und bezeichnen dasselbe Integrationsszenario: Das SAP-System stellt einen Webservice nach außen bereit, den externe Systeme aufrufen können.
Ein Provider-Proxy basiert auf einem Inbound-Service-Interface, das im Enterprise Services Repository modelliert wurde. Zur Generierung wird der Enterprise Services Repository Browser (Transaktion SPROXY) im ABAP-Backend-System verwendet.
Der generierte Provider-Proxy besteht aus einem ABAP-Proxy-Interface und einer implementierenden Klasse, die die im Service-Interface definierten Operationen als Methoden enthält. Entwickler müssen in dieser Implementierungsklasse den applikativen Code hinzufügen – typischerweise in der Methode EXECUTE_SYNCHRONOUS für synchrone oder EXECUTE_ASYNCHRONOUS für asynchrone Services.
Wie sind ABAP-Proxys aufgebaut?
ABAP-Proxys bestehen technisch aus zwei Teilen: klassischen ABAP-Objekte, zum Beispiel Interfaces, Klassen, DDIC-Typen und Methoden, sowie Metadaten (SPRX-Objekte). Beide werden immer gemeinsam bearbeitet und transportiert.
ABAP-Objekte
Die ABAP-Objekte umfassen generierte Proxy-Interfaces (Präfix II_), implementierende Klassen (Präfix CL_) sowie DDIC-Typen für Nachrichtenstrukturen. Die konkrete Ausprägung hängt unter anderem davon ab, ob es sich um einen Consumer- oder Provider-Proxy sowie um synchrone oder asynchrone Kommunikation handelt.
Je nach Kommunikationsmodus generiert das System unterschiedliche Methoden:
- EXECUTE_SYNCHRONOUS für synchrone
- EXECUTE_ASYNCHRONOUS für asynchrone Interfaces
Bei Consumer-Proxys wird eine Instanz der generierten Proxy-Klasse erzeugt. Über deren Methoden ruft das ABAP-Programm den externen Webservice auf. Bei Provider-Proxys implementieren Entwickler die Methode mit der applikativen Logik zur Verarbeitung eingehender Anfragen.
Parameter und Datentypen
Synchrone Interfaces verwenden typischerweise INPUT-Parameter für eingehende Nachrichten und OUTPUT-Parameter für Antworten. Die Datentypen entsprechen den im Service-Interface definierten Nachrichtentypen und werden als ABAP-Strukturen im DDIC abgebildet. Wiederverwendbare Datentypen aus dem Integration Repository werden im ABAP Dictionary gespeichert.
Metadaten
Die Metadaten enthalten Zuordnungsinformationen zu den Service-Definitionen aus dem Enterprise Services Repository (ESR) oder den Service Interfaces der SAP Integration Suite. Sie ermöglichen die konsistente Neu-Generierung bei Änderungen.


Wie erstellt man einen ABAP-Proxy mit SPROXY?
Die Proxy-Generierung erfolgt in der Transaktion SPROXY (Enterprise Services Repository Browser). Voraussetzung ist, dass alle benötigten Objekte (Service-Interfaces, Datentypen, Message-Typen) im Integration Repository oder Enterprise Services Repository modelliert wurden.
Schritte zur Proxy-Generierung:
- Starten Sie die Transaktion SPROXY.
- Ermitteln Sie die Software-Komponentenversion und den Namensraum.
- Expandieren Sie den Knoten Service-Interfaces/Message-Interfaces.
- Wählen Sie das gewünschte Outbound- oder Inbound-Interface aus.
- Öffnen Sie das Kontextmenü und wählen Sie Anlegen (bzw. Proxy anlegen).
- Geben Sie ein Paket, ein Präfix für die generierten ABAP-Objekte und einen Transportauftrag an.
- Bestätigen Sie die Eingaben. Das System generiert den Proxy einschließlich der benötigten ABAP-Objekte und Datentypen.
- Sichern und aktivieren Sie den Proxy. Dabei werden auch die zugrunde liegenden ABAP-Objekte wie Proxy-Interface, implementierende Klasse und DDIC-Typen automatisch vom System angelegt bzw. aktiviert.
- Nach der Generierung können Sie die Proxy-Objekte in SPROXY oder im Object Navigator (SE80) bearbeiten. Bei Änderungen im Integration Repository müssen die Proxy-Objekte nachgeneriert werden.
Anwendungsszenario: Daten über einen Outbound-Proxy senden
Damit Daten über einen Outbound-Proxy versendet werden können, muss zunächst die aufrufende Anwendungslogik implementiert werden. Dazu wird beispielsweise ein ABAP-Programm entwickelt, das die relevanten Quelldaten ermittelt, die generierten Proxy-Strukturen befüllt und die Proxy-Methode aufruft. Die Anwendungslogik bestimmt, wann der Datenversand über den Proxy erfolgt und welche Daten übertragen werden.
So läuft der Datenversand in der Praxis ab
- Der Versand wird ausgelöst. Ein fachlicher Prozess oder ein regelmäßig eingeplanter Hintergrundjob startet die für den Versand vorgesehene ABAP-Logik.
- Die Anwendung ermittelt die relevanten Daten. Das ABAP-Programm liest die zu übertragenden neuen oder geänderten Daten beispielsweise aus Datenbanktabellen und bereitet sie für die Übertragung vor.
- Die Proxy-Strukturen werden befüllt. Die ermittelten Daten werden in die bei der Proxy-Generierung erzeugten ABAP-Datenstrukturen übertragen.
- Die Proxy-Methode wird aufgerufen. Die Anwendung erzeugt eine Instanz der generierten Proxy-Klasse und ruft die für die Service-Operation generierte Methode mit den befüllten Daten auf.
- Die Nachricht wird übermittelt. Die ABAP-Proxy-Laufzeit verarbeitet die Daten entsprechend der Service-Definition und übergibt die Nachricht an die konfigurierte Integrationsinfrastruktur, zum Beispiel SAP PI/PO oder SAP Integration Suite. Von dort wird sie an das vorgesehene Zielsystem weitergeleitet.
Integrationsplattformen für proxybasierte Integration
ABAP-Proxys können direkt mit einem Zielsystem kommunizieren oder über eine Middleware angebunden werden. Der Vorteil einer Integrationsplattform: Sie kann zusätzliche Aufgaben wie Routing, Mapping, Protokollkonvertierung oder die Anbindung mehrerer Systeme übernehmen. Für proxybasierte Integrationsszenarien kommen im SAP-Umfeld verschiedene Produkte in Frage.
SAP PI/PO
SAP PI/PO ist die klassische Middleware für ABAP-Proxys. Die Service-Interface-Definitionen werden im Enterprise Services Repository (ESR) verwaltet und über die Backend-Verbindung in SPROXY zur Generierung bereitgestellt.
SAP Integration Suite
Seit 2025 unterstützt die SAP Integration Suite die ABAP-Proxy-Generierung im SAP-Backend. Die Plattform ermöglicht hybride Cloud-On-Premises-Szenarien. Die Plattform wird von SAP als Zukunftslösung positioniert. Eine Migration von SAP PI/PO wird unterstützt.
SAP XI
In älteren SAP-Systemen kommt teilweise noch SAP Exchange Infrastructure (XI) zum Einsatz, die Vorgängerversion von SAP PI/PO. Die Proxy-Generierung erfolgt analog über SPROXY mit XI-ESR. SAP XI gilt als Auslaufmodell.
RFC und IDoc
Auch für RFC- oder IDoc-basierte Schnittstellen können ABAP-Proxys erstellt werden. In modernen Landschaften fungieren sie als Bindeglied zwischen traditionellen RFC/IDoc-Nachrichten und API-basierten Schnittstellen.


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Fazit
ABAP-Proxys sind ein leistungsstarkes Werkzeug, mit dem Unternehmen ihre SAP-Systeme effizient und sicher über Webschnittstellen mit anderen Anwendungen verbinden können. Besonders in Verbindung mit Integrationsplattformen wie SAP PI/PO und zunehmend der Integration Suite ermöglichen sie eine stabile, flexible und typsichere Integration, die sich nahtlos an individuelle Geschäftsprozesse anpasst.
Auch mit dem zunehmenden Einsatz von Cloud-Integrationsplattformen behalten ABAP-Proxys ihre wichtige Rolle, vor allem in hybriden Infrastrukturen. Wenn Sie Ihre SAP-Landschaft modernisieren oder Ihre Integrationsprozesse optimieren möchten, sind ABAP-Proxys ein unverzichtbarer Baustein.
Websession: ABAP-Proxy


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Dieser Artikel erschien bereits im November 2019. Der Artikel wurde am 10.09.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.
FAQ
Was sind ABAP-Proxys?
ABAP-Proxys sind generierte ABAP-Objekte, die als Schnittstellen im SAP-System agieren und die Kommunikation mit anderen Systemen und Webservices ermöglichen. Sie bestehen aus klassischen ABAP-Objekten (Interfaces, Klassen, DDIC-Typen) und Metadaten (SPRX-Objekte) und werden auf Basis von WSDL-Beschreibungen automatisch generiert.
Welche Rolle spielt SAP PI/PO bei der Nutzung von ABAP-Proxys?
SAP PI (Process Integration) und SAP PO (Process Orchestration) fungieren als Middleware-Plattformen, die den Datenaustausch zwischen SAP-Systemen und externen Anwendungen koordinieren. Die Service-Interface-Definitionen werden im Enterprise Services Repository (ESR) von PI/PO verwaltet und über die Backend-Verbindung in SPROXY zur Proxy-Generierung bereitgestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Consumer- und Provider-Proxys?
Consumer-Proxys basieren auf Outbound-Service-Interfaces und rufen externe Webservices aus dem SAP-System heraus auf („konsumieren” sie). Provider-Proxys basieren auf Inbound-Service-Interfaces und stellen einen Webservice nach außen bereit, den externe Systeme aufrufen können. Consumer-Proxys werden nach der Generierung direkt verwendet, während Provider-Proxys zusätzlich implementiert werden müssen.
Wie werden ABAP-Proxys generiert und verwaltet?
Die Generierung erfolgt über die Transaktion SPROXY. Voraussetzung ist, dass alle benötigten Objekte im Integration Repository oder Enterprise Services Repository modelliert wurden. Nach der Generierung können die Proxy-Objekte in SPROXY oder im Object Navigator (SE80) bearbeitet werden. Bei Änderungen im Repository müssen die Proxy-Objekte nachgeneriert werden.
Wie funktioniert die Nutzung von ABAP-Proxys im Zusammenhang mit der SAP Integration Suite?
Seit 2025 unterstützt die SAP Integration Suite die ABAP-Proxy-Generierung im SAP-Backend. Die Service Interfaces werden in der Cloud Integration Capability verwaltet. Die RFC-Destination SAP_PROXY_ESR (Typ G) in SM59 verbindet das Backend mit dem Integration-Suite-Tenant. Nach der Einrichtung können die Service Interfaces in SPROXY durchsucht und die ABAP-Proxys wie gewohnt generiert werden. Dies ermöglicht hybride Cloud-On-Premises-Szenarien und die Migration von SAP PI/PO.
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