BRF+

BRF Plus Titelbild

BRF+ (Business Rule Framework Plus) ist ein Framework zum Management von Geschäftslogiken in SAP, das in den ABAP-Stack integriert ist. Es erlaubt die effiziente und einfache Definition und Verarbeitung von komplizierten Geschäftsregeln – auch ohne Programmierkenntnisse.

Anwendungsgebiet

Der Erfolg von Unternehmen hängt heute maßgeblich von der Fähigkeit der Organisation ab, Daten auszuwerten und daraus Erkenntnisse in Produkte und Prozesse umzusetzen. Je schneller und treffender der Transfer „Insights to Action“ gelingt, desto größer der Erfolg am Markt.

Um ihre standardisierten Prozesse immer wieder schnell auf die neuen Insights anzupassen, benötigen Unternehmen Automatismen und Regelwerkstechnologien. Diese Technologien finden in diversen Bereichen des Unternehmens Anwendung:

  • Berechnung von Provisionen und Kosten
  • Entscheidungen und Rollen bei Freigabe-Workflows
  • Länderspezifischen Kostenkalkulationen
  • Abgleich von Verantwortlichkeiten, Standorten und Produkten
  • Datenvalidierung und Ermittlung ungültiger Daten
  • Risikobewertung

Bei der Entwicklung und Anpassung der Geschäftslogik mussten IT-Mitarbeiter mit nichttechnischen Mitarbeitern des Fachbereichs zusammenarbeiten. Hierbei kam es immer wieder zu Schwierigkeiten, da der Entwickler die Gesamtheit der Geschäftslogik nicht überblickte, sondern nur seinen zu ändernden Teilprozess, und dem Fachbereichsmitarbeiter das technologische Verständnis für die Umsetzung der Anforderungen fehlte.

Um Entwicklern den Überblick über die Geschäftslogik zu erleichtern und nichttechnischen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, eigenständig Änderung an Business Rules vorzunehmen, hat SAP BRF und später BRF+ eingeführt.

Historische Einordnung

Bis zur Business Suite (R/3) wurden Geschäftslogiken in SAP durch Customizing von Standardprozessen oder Erweiterung mit kundeneigenem Code abgebildet. Je nach Anwendung existierten zusätzlich Frameworks für spezifische Aspekte der Regelwerksmodellierung. Ein einheitliches Framework zum Management der Geschäftslogik bot SAP nicht.

Die Abbildung von Regeln und Regelwerken mittels Customizings war jedoch nicht flexibel genug. Die Regeln ließen sich nur schwer anpassen und Änderungen konnten schlecht dokumentiert werden. Die Auslieferung warf ebenfalls Probleme auf, da die Geschäftslogik sich typischerweise auf Einträge in unterschiedlichen Tabellen verteilt und Änderungen im Customizing sich bei Fehlern durch die Abhängigkeit der Einträge nicht einfach rückgängig machen ließen.

Um diese Schwachstellen zu beheben, veröffentlichte SAP ein einheitliches Business Rules Framework: BRF und später die Weiterentwicklung BRF+.

Funktionsweise

Die Definition von Geschäftslogik erfolgt im BRF+ über eine umfangreiche Programmierschnittstelle und eine Benutzeroberfläche, die via Browser erreichbar ist.

Die Benutzeroberfläche ist eine Workbench auf Basis von Web Dynpro. Hier können Anwender mit wenigen Klicks verschiedene Funktionen und Regelsätze modellieren und testen.

Die in der Workbench erstellten Regeln werden in einem Webservice generiert, sodass sie aus dem SAP-System im ABAP-Code aufgerufen werden können. Das gibt Anwendern ohne Programmierkenntnisse die Möglichkeit, den Geschäftsprozess zu einem späteren Zeitpunkt selbstständig zu verändern.

Auch Massenänderungen in der Geschäftslogik können mit einem Excel-Up- und Download einfach in BRF+ vollzogen werden.

Anwendungsbeispiel

Das folgende Beispiel beschreibt einen Anwendungsfall von BRF+ in einem Energiekonzern: Das System überwacht die Sicherungsmaßnahmen jedes einzelnen Rohrs im Konzern. Das bedeutet, wenn ein Rohr ausgetauscht werden soll, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Es dürfen keine Flüssigkeiten wie Säuren im Rohr fließen. Um das zu gewährleisten, müssen die Hähne an den Rohren 4, 5 und 9 abgedreht sein und die Pumpe 3 darf nicht in Betrieb sein.

Um diese Geschäftslogik in SAP abzubilden, würde sich ein riesiges Konstrukt ergeben, das sehr unübersichtlich und damit auch sehr fehleranfällig wäre. Daher hat sich der Energiekonzern entschieden, diese Logik in BRF+ umzusetzen.

Die wichtigsten Funktionen von BRF+:

  • Test und Simulation von Geschäftslogiken
  • Flexible Modellierung von Regeln
  • Agile Verteilung der Regeln in die relevanten Systeme
  • Zurücknahme der Verteilung im Fehlerfall

Aufbau & wichtigste Objekte

In der Workbench können Entwickler eine Anwendung anlegen und anschließend eine Funktion erstellen. Der Funktion werden Datenobjekte, Formeln und Ausdrücke zugeordnet, um so die eigentliche Geschäftslogik festzuschreiben. Sind die Objekte aktiviert, kann die Funktion in die Business-Anwendung integriert werden und dort die Regeln ausführen.

Schema Business Rule Framework Plus

Abb 1. In der Workbench erstellen Entwickler unter anderem die Funktionen für eine Anwendung.

Anwendung: Anwendungen bilden die Container für Objekte in BRF+, die bestimmte Geschäftsregeln definieren. Auf Anwendungsebene können Standardwerte hinterlegt werden, die dann alle Objekte erben.

Funktion: Funktionen sind das Verbindungsstück zwischen betriebswirtschaftlicher Anwendung und Regelwerk in BRF+. Die Funktion nimmt die in der Anwendung gemachte Eingabe entgegen, verarbeitet sie entsprechend der in BRF+ hinterlegten Regel und gibt das Ergebnis zurück an die Anwendung.

Ausdruck, Datensatz, Aktion: Sie werden mit Funktionen verbunden und dienen dazu, das Verhalten der Anwendung in verschiedenen Fällen festzulegen.

Voraussetzungen

BRF+ ist ab Version 7.02 offizieller Bestandteil des SAP NetWeaver Application Servers (AS) ABAP. Für die Nutzung fallen daher keine weiteren Kosten an.

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Fazit

Über BRF+ lässt sich im Prinzip jede Methode aufrufen. Der Umweg über das Framework ist jedoch nicht immer notwendig. Bei komplizierten Geschäftslogiken kann BRF+ allerdings seine Stärken ausspielen, die Gestaltung und Wartung des Workflows vereinfachen und die Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien erleichtern.

In Zukunft werden Geschäftsszenarien zunehmend von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz beeinflusst. Statt starrer Geschäftsregeln wie in BRF+ werden dann in vielen Fällen selbstlernende Technologien entscheiden.

Doch es wird auch in Zukunft weiterhin Bereiche geben, in denen BRF+ seine Relevanz behält, zum Beispiel in der Risikobewertung. Für Unternehmen, die mit komplexen Geschäftsprozessen arbeiten, lohnt es sich daher nach wie vor, die Technologie zu implementieren, um so Wartungsaufwand und Kosten zu reduzieren.

Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie weitere Fragen zum Thema BRF+ haben.

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