Bei der Vorbereitung auf eine S/4HANA-Migration stellen sich Unternehmen viele Fragen rund um Lizenzen, zum Beispiel: „Müssen wir doppelt bezahlen, wenn wir ERP und S/4 während des Projekts parallel betreiben?“ oder „Welche Lizenzen decken auch die Nutzung der HANA DB ab?“. In diesem Beitrag beantworten wir Ihnen die drei Fragen, die uns in Beratungsprojekten zu den SAP S/4HANA-Lizenzen am häufigsten gestellt werden.

Das Wichtigste im Überblick

  • S/4HANA bietet verschiedene Lizenzmodelle an. Unternehmen können je nach Ausgangslage und Zielbild zwischen verschiedenen Lizenzmodellen wie Contract Conversion, Cloud-Abo oder RISE with SAP wählen.
  • Lizenzen müssen während der Migration nicht zwingend parallel gebucht bleiben. Der Parallelbetrieb von SAP ERP und SAP S/4HANA kann im Rahmen einer SAP-Umstiegsvereinbarung möglich sein. Die Bedingungen hängen aber vom individuellen Vertrag und Lizenzmodell ab.
  • SAP S/4HANA-Lizenzen und HANA-Datenbanklizenzen sind zu trennen: Bei On-Premises-Szenarien müssen Unternehmen die HANA-Datenbanklizenzierung separat betrachten.

1. Werden Lizenzkosten doppelt fällig, sowohl für mein produktives SAP ERP als auch für das S/4HANA System?

Die einfache Antwort vorab: Nein. Es gibt grundsätzlich vier Möglichkeiten, um Nutzungsrechte für das S/4HANA-System zu erwerben, ohne Lizenzkosten für zwei ERP-Systeme zu zahlen. Möglichkeit 1 (Product Conversion) wird zwar seit Mitte 2023 nicht mehr angeboten, führen wir aber aus Gründen der Vollständigkeit trotzdem auf – für alle, die von dem Begriff gehört haben.

Möglichkeit 1: Product Conversion (nicht mehr verfügbar)

Im Rahmen einer Product Conversion konnten bestehende SAP ERP-Nutzungsrechte in SAP S/4HANA-Nutzungsrechte umgewandelt werden. Da sich die Modulstrukturen unterscheiden, konnte nicht einfach ein altes gegen ein neues Modul verrechnet werden. Stattdessen kamen von SAP entwickelte Konvertierungsregeln zum Einsatz.

Zusatzprodukte wie Line-of-Business- oder Industry-Solutions, Add-ons oder eigenständige Cloud-Lösungen waren von den Konvertierungsregeln ausgenommen. Für sie galten eigene Lizenzbedingungen und Migrationspfade.

Die Basis für den Erfolg Ihres S/4HANA-Projektes legen Sie mit einer konkreten Strategie und einer umfassenden Voranalyse. Wir begleiten Sie dabei – ganzheitlich oder gezielt dort, wo Sie Unterstützung benötigen.

Möglichkeit 2: Contract Conversion

Durch eine „Contract Conversion“ wechseln Bestandskunden mit ihren SAP-Lizenzen aus dem bisherigen Lizenzmodell in das neue S/4HANA-Lizenzmodell. Der gesamte Lizenzvertrag wird neu strukturiert. Ziel ist es, bestehende Nutzungsrechte und Wartungsverträge in einen einheitlichen S/4HANA-Vertrag zu überführen.

Im Gegensatz zur früheren Product Conversion rechnet SAP nicht einzelne Produkte oder Module um, sondern bewertet den gesamten bestehenden Lizenzbestand und überführt ihn in ein aktuelles Vertrags- und Lizenzmodell. Voraussetzung dafür ist ein Zielbild für die neue S/4HANA-Systemlandschaft.

Bei der Umrechnung wird das veränderte Benutzerlizenzmodell berücksichtigt: SAP ERP ECC verwendet Named-User-Kategorien, SAP S/4HANA nutzt ein überarbeitetes Rollen- und Berechtigungskonzept. Die vorhandenen Benutzerlizenzen werden im Rahmen der entsprechenden neuen S/4HANA-Usertypen zugeordnet.

Die wirtschaftlichen Konditionen einer Contract Conversion werden individuell zwischen SAP und dem Kunden vereinbart. Ob und in welchem Umfang bestehende Lizenzwerte auf den neuen Vertrag angerechnet werden, hängt von der jeweiligen Vertragskonstellation und den aktuellen SAP-Konditionen ab. Unternehmen sollten sich daher im Rahmen ihrer Migrationsplanung frühzeitig über die Lizenzkonvertierung informieren.

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Möglichkeit 3: SAP S/4HANA als Cloud-Abonnement nutzen

Sie können SAP S/4HANA auch im Cloud-Abonnement nutzen. Statt unbefristete Softwarelizenzen zu erwerben, zahlen Sie eine regelmäßige Nutzungsgebühr, die den Betrieb der Software sowie verschiedene Serviceleistungen abdeckt. Bestehende Lizenzen werden hierbei nicht berücksichtigt.

Das Cloud-Modell eignet sich sowohl für Unternehmen, die SAP neu einführen, als auch für Bestandskunden, die ihre bestehende SAP-Landschaft modernisieren oder in die Cloud verlagern möchten.

Möglichkeit 4: RISE with SAP als Transformationsmodell nutzen

Mit RISE with SAP können Unternehmen SAP S/4HANA als ganzheitliches Cloud-Angebot beziehen. Dabei werden SAP S/4HANA Cloud, Infrastruktur, technische Services und ausgewählte Transformationsleistungen in einem Abo-Modell gebündelt.

Die Lizenzmodelle im Überblick s/4HANA

Abb. 1: Die Lizenzmodelle im Überblick

RISE with SAP richtet sich insbesondere an Unternehmen, die ihre bestehende SAP-Landschaft modernisieren, den technischen Betrieb vereinfachen und schrittweise in die Cloud wechseln möchten.

Welche Cloud-Variante, beispielsweise SAP S/4HANA Cloud Private Edition oder SAP S/4HANA Cloud Public Edition, am besten geeignet ist, hängt von den unternehmensspezifischen Anforderungen, dem gewünschten Standardisierungsgrad und der bestehenden Systemlandschaft ab.

2. Muss ich mein SAP ERP-System abschalten, sobald mein SAP S/4HANA-System produktiv geht?

Nein. Bei einer Product Conversion (historisch) oder einer Contract Conversion müssen Sie Ihr bestehendes SAP-ERP-System nicht unmittelbar mit dem Go-live von SAP S/4HANA abschalten. SAP gewährt im Rahmen der jeweiligen Umstiegsvereinbarung in der Regel ein zeitlich begrenztes Recht zum Parallelbetrieb des bisherigen SAP-ERP-Systems.

Sie können Ihr Alt-System also zunächst für Tests, Datenabgleich oder als Fallback-Option, wenn es im neuen System zu Problemen kommt, zunächst ohne zusätzliche Kosten weiterbetreiben. Die zulässige Dauer für den kostenfreien Parallelbetrieb sowie die erlaubten Nutzungszwecke richten sich nach Ihrer SAP-Umstiegsvereinbarung. Sie sollte vor Projektbeginn geprüft werden.

Grundsätzlich sollten Sie bei einem Wechsel zum S/4HANA-Lizenzmodell beachten, dass Sie auf S/4HANA-Systemen nur Anwendungen (SAP oder Drittanbieter) installieren und nutzen dürfen, die

  1. ebenfalls dem S/4HANA-Lizenzmodell unterliegen und damit eine S/4HANA Lösung sind oder
  2. als sogenanntes Compatibility Pack gemäß SAP Hinweis 2269324 ausgewiesen sind.

Bei Letzterem handelt es sich um klassische SAP ERP-Anwendungen, die Sie trotzdem auf einem S/4HANA-System installieren und nutzen dürfen. Die Nutzungsdauer der Compatibility Packs richtet sich nach den jeweils von SAP veröffentlichten Übergangsfristen und den geltenden Wartungsregelungen. Für diese gilt die Weiternutzung ohne zusätzliche Kosten wie für das klassische SAP ERP-System (siehe Frage 2).

3. Decken SAP S/4HANA-Lizenzen auch die Nutzung einer HANA-Datenbank ab?

Die HANA-Datenbank ist eine vom SAP S/4HANA-Digital-Core-System unabhängige Plattform und unterliegt einem eigenen Lizenzmodell. Unabhängig vom gewählten Ansatz für eine Lizenzkonvertierung kommen Sie um diese Kosten nicht herum.

Läuft Ihr altes SAP-System auf einer 3rd-Party-Datenbank (Oracle, DB2 usw.), müssen Sie diese lizenzieren, bis Sie Ihr SAP ERP-System abschalten. Mit dem Erwerb der SAP HANA Datenbank-Lizenzen entfallen die zusätzlichen Lizenzkosten für die Datenbanknutzung des SAP ERP-Systems nicht.

Für die HANA-Datenbank gibt es zwei verschiedene Lizenzmodelle:

HANA Runtime-Lizenz

Die HANA Runtime-Lizenz ist eine eingeschränkte Lizenz, die es Unternehmen ermöglicht, die HANA-Datenbank ausschließlich für SAP-Anwendungen wie SAP S/4HANA, SAP Business Suite oder SAP BW zu verwenden. Die Nutzung von Drittanbieter-Tools oder benutzerdefinierten Schemata ist nicht gestattet.

Die Lizenz eignet sich für Unternehmen, die HANA lediglich zur Unterstützung ihrer SAP-Systeme benötigen und keine weiteren Daten oder Anwendungen außerhalb des SAP-Ökosystems integrieren möchten. Diese Lizenz ist günstiger, da sie auf dem Wert der verwendeten SAP-Anwendungen basiert, meist als Prozentsatz des Lizenzwerts der jeweiligen SAP-Software (häufig etwa 15 %).

HANA Full-Use-Lizenz

Die HANA Full-Use-Lizenz bietet uneingeschränkten Zugang zu allen Funktionen der HANA-Datenbank und ermöglicht deren Nutzung für eine Vielzahl von Anwendungen, sowohl für SAP- als auch für Nicht-SAP-Systeme. Mit dieser Lizenz können Unternehmen HANA als allgemeine, universelle Datenbankplattform einsetzen.

Die Preisgestaltung richtet sich nach vereinbarten Kapazitäts- bzw. Nutzungsmetriken, beispielsweise der lizenzierten Speicherkapazität der SAP-HANA-Datenbank. Die Lizenz ist ideal für Unternehmen, die HANA als vielseitige Plattform nutzen möchten, ohne Einschränkungen hinsichtlich der Datenmodellierung, Systemintegration oder Nutzung von externen Tools.

Bei Cloud-Abomodellen ist die Lizenzierung der Datenbank in der Regel Bestandteil des jeweiligen SAP-Angebots und muss nicht separat durch den Kunden gebucht werden.

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Fazit

Für die Lizenzierung von S/4HANA bieten sich Unternehmen mehrere Optionen. Die wichtigsten sind Contract Conversion, Cloud-Abomodelle und ganzheitliche Service-Pakete wie RISE with SAP. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob Sie bereits SAP ERP einsetzen, eine Cloud-Strategie verfolgen oder SAP neu einführen. Viele Bestandskunden nutzen eine Contract Conversion oder RISE with SAP, viele Neukunden mit einer Cloud-First-Strategie entscheiden sich für ein Cloud-Abonnement.

Wichtig bei der Migration ist die Unterscheidung zwischen der Lizenzierung der S/4HANA-Anwendung und der SAP-HANA-Datenbank, für die je nach Betriebsmodell zusätzliche Kosten anfallen.
Bevor Sie sich für ein Lizenzmodell entscheiden, sollten Sie nicht nur die Lizenzkosten betrachten, sondern auch bestehende Verträge, Wartungsaufwand und das Zielbild für Ihre Systemlandschaft. Eine frühzeitige und ganzheitliche Analyse der Systemlandschaft und S/4HANA-Strategie hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und spätere Vertragsanpassungen sowie Mehrkosten zu vermeiden.

Websession: SAP S/4HANA

Nicht nur die Lizenzmodelle werfen regelmäßig Fragen auf. Bei der Vorbereitung einer S/4HANA-Migration gibt es viele Stolpersteine. Umso wichtiger ist eine Voranalyse und Strategieentwicklung. Wir unterstützen Sie bei diesen Schritten. Sprechen Sie uns für einen unverbindlichen Austausch über Ihr Migrationsvorhaben gerne an.

Dieser Artikel erschien bereits im Mai 2023. Der Artikel wurde am 10.08.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

1) Werden doppelte Lizenzkosten fällig, wenn SAP ERP und SAP S/4HANA parallel betrieben werden?

Nein, Unternehmen müssen nicht grundsätzlich doppelt für SAP ERP und SAP S/4HANA zahlen. Ein Parallelbetrieb während und begrenzt nach der Migration kann im Rahmen einer Umstiegsvereinbarung möglich sein. Die konkreten Bedingungen hängen vom gewählten Lizenzmodell und den vertraglichen Vereinbarungen mit SAP ab.

2) Was ist der Unterschied zwischen Product Conversion und Contract Conversion bei S/4HANA Lizenzen?

Bei der heute nicht mehr verfügbaren Product Conversion wurden bestehende SAP-ERP-Nutzungsrechte anhand definierter Konvertierungsregeln in SAP-S/4HANA-Nutzungsrechte überführt. Zusatzlösungen mussten separat betrachtet werden.

Bei der Contract Conversion wird der gesamte SAP-Lizenzvertrag auf das neue SAP-S/4HANA-Lizenzmodell umgestellt. Ob und in welchem Umfang bestehende Lizenzwerte angerechnet werden, hängt von den individuellen Vertragsbedingungen und den Vereinbarungen mit SAP ab.

3) Welche Möglichkeiten gibt es, SAP S/4HANA Lizenzen zu erwerben?

Unternehmen können SAP S/4HANA über verschiedene Modelle nutzen. Dazu gehören die Contract Conversion, Cloud-Abomodelle und Angebote wie RISE with SAP. Welches Modell geeignet ist, hängt von der bestehenden SAP-Landschaft, den strategischen Zielen und den Anforderungen des Unternehmens ab.

4) Sind SAP S/4HANA Lizenzen inklusive HANA-Datenbanklizenz?

Nein, bei On-Premises-Szenarien ist die SAP HANA-Datenbanklizenz unabhängig von den SAP S/4HANA-Lizenzen und muss gesondert erworben werden. Bei Cloud-Subskriptionsmodellen ist die Datenbanklizenz in der Regel Bestandteil des jeweiligen SAP-Angebots.