Christoph Lordieck
19. Januar 2026

Brownfield vs. Greenfield: Welcher Ansatz ist für meine S/4HANA-Migration der richtige?

Brownfield Greenfield

Die digitale Transformation ist kein Selbstzweck, sondern eine strategische Notwendigkeit. Besonders im SAP-Kontext stehen Unternehmen aktuell vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Soll die bestehende SAP-Systemlandschaft im Rahmen eines Brownfield-Ansatzes nach SAP S/4HANA migriert werden? Oder ist ein kompletter Neuanfang im Sinne eines Greenfield-Projekts der bessere Weg? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Doch welcher passt zu Ihrer Ausgangssituation, Ihrer Strategie und Ihren Zielen? In diesem Beitrag erhalten Sie einen Einblick, wann welcher Ansatz besser geeignet ist.

Das Wichtigste im Überblick

  • Brownfield fokussiert die technische Migration nach SAP S/4HANA bei Erhalt bestehender Prozesse, Daten und Customizings.
  • Greenfield steht für eine vollständige Neuimplementierung mit Neugestaltung der Prozesse nach SAP Best Practices.
  • Hybride Ansätze kombinieren Stabilität und Innovation, z. B. durch modulweise Transformation oder selektive Datenmigration.
  • Die richtige Wahl hängt von Systemzustand, Veränderungsbereitschaft, Zeitrahmen und strategischen Zielen ab.

Was ist der Brownfield-Ansatz?

Der Brownfield-Ansatz beschreibt die System Conversion eines bestehenden SAP ERP-Systems nach SAP S/4HANA. Bestehende Prozesse, Daten und Customizing-Einstellungen bleiben dabei weitestgehend erhalten. Ziel ist es, die technische Plattform zu modernisieren, ohne das bestehende System vollständig neu aufzubauen.

Typische Merkmale einer Brownfield-Migration:

  • Technische Systemkonvertierung (z. B. mittels SAP SUM)
  • Übernahme vorhandener Daten, Prozesse und Entwicklungen
  • Geringere Auswirkungen auf den laufenden Betrieb

Vorteile

Eine Brownfield-Migration hat die folgenden Vorteile:

  • Zeiteffizient: Die Migration ist schneller umsetzbar als ein kompletter Neuaufbau.
  • Kostensparend: Vorhandene Prozesse und Investitionen werden weiterverwendet.
  • Geringeres Risiko: Der Change für die Anwender ist überschaubar.

Sie haben sich festgelegt - S/4HANA kommt. Dafür ist es wichtig, dass Sie Ihre Systemlandschaft systematisch auf die neuen Anforderungen vorbereiten.

Herausforderungen

Dabei treten die folgenden Herausforderungen auf:

  • Übernahme von Altlasten: Ineffiziente oder veraltete Prozesse bleiben bestehen.
  • Begrenzte Prozessoptimierung: Fokus liegt auf technischer Migration, nicht auf Neugestaltung.
  • Komplexität bei Anpassungen: Bestehende Eigenentwicklungen müssen kompatibel gemacht werden.

Was ist der Greenfield-Ansatz?

Im Greenfield-Ansatz wird SAP S/4HANA auf der sprichwörtlichen “grünen Wiese” neu eingeführt. Dabei werden Prozesse, Datenstrukturen und Organisationseinheiten neu gestaltet und auf Best Practices ausgerichtet. Es findet keine technische Systemkonvertierung statt, sondern eine vollständige Neuimplementierung.

Typische Merkmale einer Greenfield-Migration:

  • Komplette Neuinstallation von SAP S/4HANA
  • Übernahme nur relevanter Daten (Stammdaten, ausgewählte Bewegungsdaten)
  • Neugestaltung von Prozessen auf Basis von SAP Best Practices und Fiori UX
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Vorteile

Das sorgt für einige Vorteile:

  • Prozessinnovation: Möglichkeit zur radikalen Vereinfachung und Standardisierung.
  • Zukunftssicher: Moderne, harmonisierte Systemlandschaft auf neuestem Stand.
  • Bereinigung: Veraltete Daten und Prozesse werden nicht übernommen.

Herausforderungen

Es ergeben sich jedoch die folgenden Herausforderungen:

  • Hoher Aufwand: Planung, Design und Datenmigration sind sehr ressourcenintensiv.
  • Veränderungsmanagement: Mitarbeitende müssen umfassend geschult und abgeholt werden.
  • Höhere Initialkosten: Die Neugestaltung erfordert höhere Anfangsinvestitionen.

Wann ist welcher Ansatz bei S/4HANA sinnvoll?

Je nach Unternehmen eignet sich entweder der Greenfield oder Brownfield-Ansatz besser. Um eine endgültige Entscheidung treffen zu können, lohnt es sich, eine individuelle Analyse Ihrer Ist- und Soll-Situationen mit Experten durchzuführen. Die folgenden Aspekte stellen eine erste Einordnung der beiden Ansätze dar.

Brownfield eignet sich, wenn:

  • Ihr aktuelles SAP ERP-System stabil läuft und gut dokumentiert ist.
  • Sie Prozesse weitestgehend erhalten wollen.
  • Sie wenig Zeit für umfassende Prozessanalysen und -designs haben.
  • Sie unternehmensweit geringe Veränderungsbereitschaft erwarten.

Greenfield empfiehlt sich, wenn:

  • Ihre Prozesse veraltet, intransparent oder stark individualisiert sind.
  • Sie die Chance zur Neugestaltung und Standardisierung nutzen wollen.
  • Sie neue Geschäftsmodelle oder Organisationsstrukturen einführen.
  • Sie langfristig eine skalierbare, agile Plattform etablieren wollen.

Brownfield und Greenfield: Der hybride Ansatz

Neben den klassischen Brownfield- und Greenfield-Szenarien hat sich in vielen Unternehmen ein dritter Weg etabliert: der hybride Ansatz. Dieser kombiniert Elemente beider Strategien und bietet somit ein hohes Maß an Flexibilität. Unternehmen können beispielsweise einzelne Module oder Prozesse neu implementieren (Greenfield), während andere Bestandteile des Systems technisch migriert und weiterverwendet werden (Brownfield).

Typische Einsatzszenarien für den hybriden Ansatz:

  • Selektive Datenmigration: Nur relevante Daten werden migriert, Altlasten bleiben zurück.
  • Modulweise Transformation: z. B. Greenfield für das Finance-Modul, Brownfield für Logistik.
  • Parallele Systeme: Schrittweiser Umstieg auf S/4HANA durch temporäre Koexistenz alter und neuer Systeme.

Vorteile

Der hybride Ansatz bietet Ihnen diese Vorteile:

  • Flexibilität: Kombination aus Stabilität und Innovation je nach Unternehmensbereich.
  • Risiko-Minimierung: Kein „Big Bang“, sondern kontrollierter Übergang.
  • Schneller ROI in Teilbereichen: Durch gezielte Prozessverbesserungen kann schnell ein Mehrwert entstehen.
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Herausforderungen

Allerdings müssen Sie die folgenden Herausforderungen im Blick behalten:

  • Komplexes Projektmanagement: Unterschiedliche Projektmethoden und Zeitpläne müssen koordiniert werden.
  • Technische Integration: Altsysteme und neue S/4HANA-Komponenten müssen reibungslos zusammenarbeiten.

Der hybride Ansatz eignet sich besonders für Unternehmen, die zwischen Effizienz und Innovation abwägen möchten und einen schrittweisen Transformationspfad bevorzugen.

Brownfield oder Greenfield oder hybrid? Sie haben die Wahl

Die Wahl zwischen Brownfield und Greenfield bei der Migration auf SAP S/4HANA ist eine strategische Grundsatzentscheidung. Sie beeinflusst nicht nur Ihre IT-Landschaft, sondern auch Ihre Prozesse, Ihre Unternehmenskultur und Ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Ausgangssituation realistisch bewerten, klare Ziele definieren und mögliche Migrationsszenarien ganzheitlich betrachten. In vielen Fällen kann auch ein hybrider Ansatz sinnvoll sein – beispielsweise durch eine selektive Datenmigration oder die schrittweise Umstellung einzelner Module.

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FAQ

Was ist der Hauptunterschied zwischen Brownfield und Greenfield?

Brownfield migriert das bestehende System technisch, Greenfield setzt auf einen kompletten Neuaufbau mit neuen Prozessen.

Wann ist ein Brownfield-Ansatz sinnvoll?

Wenn das bestehende SAP-System stabil ist, Prozesse erhalten bleiben sollen und Zeit- sowie Budgetdruck bestehen.

Welche Vorteile bietet ein Greenfield-Projekt?

Es ermöglicht Prozessinnovation, Standardisierung und eine zukunftssichere Systemlandschaft ohne Altlasten.

Was versteht man unter einem hybriden Ansatz?

Eine Kombination aus Brownfield und Greenfield, bei der ausgewählte Module oder Daten neu implementiert werden.

Christoph Lordieck

Christoph Lordieck

Als Bereichsleiter SAP Entwicklung berate ich Unternehmen rund um das Thema SAP Individualentwicklung. Einige Jahre Projekt- und Umsetzungserfahrung haben meinen Wissenshunger noch nicht gestillt und ich suche ständig nach neuen Themen und Entwicklungen im ABAP-Umfeld.

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