Ingo Biermann
27. Februar 2026

Auf dem Weg zu S/4HANA: Was passiert mit den Compatibility Packs?

Compatibility Packs

Noch wenige Jahre: SAP-Kunden steuern auf das Wartungsende der ERP-Lösung ECC zu. Sie fragen sich zu Recht, was mit den Compatibility Packs passiert, wenn Sie Ihren Weg zu S/4HANA angehen. In diesem Beitrag finden Sie die Antwort.

Das Wichtigste im Überblick

  • Compatibility Packs ermöglichen es Unternehmen, bestimmte ECC-Funktionalitäten temporär in SAP S/4HANA weiter zu nutzen, obwohl diese nicht Teil der langfristigen SAP-Strategie sind.
  • Für On-Premises-Kunden sind die Nutzungsrechte größtenteils bereits Ende 2025 ausgelaufen, mit Ausnahmen für die Module PP-PI, CS und TM bis Ende 2030.
  • RISE-with-SAP-Kunden dürfen Compatibility Packs noch bis Ende 2030 verwenden, sofern ihre Systeme unter gültiger Wartung stehen.
  • Ab 2026 drohen bei weiterer Nutzung Lizenz-, Sicherheits-, Compliance- und Betriebsrisiken. Unternehmen sollten daher frühzeitig eine Migrations- und Transitionsstrategie entwickeln.

Was sind Compatibility Packs?

Compatibility Packs (auf Deutsch: Kompatibilitätspakete) sind Zusatzpakete oder Software-Erweiterungen, die entwickelt wurden, um die Kompatibilität zwischen verschiedenen Versionen eines Programms oder Systems sicherzustellen. Sie ermöglichen es, ältere Dateiformate, Funktionen oder Schnittstellen in neueren Softwareversionen weiterhin zu nutzen.

In SAP-Anwendungen sorgen Compatibility Packs dafür, dass Sie bestimmte ECC-Funktionalitäten temporär unter S/4HANA weiter nutzen können, auch wenn diese nicht mehr zur langfristigen Strategie von SAP gehören. Das bedeutet, dass Unternehmen beim Wechsel auf S/4HANA nicht sofort alle alten Prozesse und Add-ons durch neue S/4HANA-Funktionalitäten ersetzen müssen.

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Compatibility Packs für On-Premises- und RISE-Kunden

SAP plant, die technische Unterstützung für Compatibility Packs für alle Kunden – sowohl On-Premises- als auch Cloud-Kunden – ab dem Release S/4HANA 2027 einzustellen und sie damit unbrauchbar zu machen. Allerdings gibt es Unterschiede in den Nutzungsfristen:

On-Premises-Kunden

On-Premises-Kunden mit einem perpetual S/4HANA-Vertrag sind bereits vom Auslaufen der Nutzungsrechte für die Compatibility Packs seit Ende 2025 betroffen. Dies gilt mit Ausnahme von drei speziellen Modulen:

  • PP-PI (Production Planning – Process Industries)
  • CS (Customer Service)
  • TM (Transportation Management)

Für diese Module werden Compatibility Packs noch bis Ende 2030 unterstützt.

RISE-Kunden haben mehr Zeit

Im Gegensatz dazu haben Kunden von RISE with SAP deutlich mehr Zeit. Sie dürfen Compatibility Packs bis Ende 2030 weiterverwenden, sofern ihre SAP S/4HANA-Versionen unter Mainstream Maintenance, Extended Maintenance oder einer Safekeeper-Vereinbarung stehen. Dies betrifft die Releases 1503, 1605 und 1709-2023.

Risiken durch das Auslaufen des Compatibility Scope

Unternehmen, welche die Compatibility Packs weiterhin einsetzen, bewegen sich ab 2026 in einem kritischen Bereich – technisch wie lizenzrechtlich.

Lizenz- und Audit-Risiken:

Ab dem 1. Januar 2026 verstößt die Nutzung nicht mehr lizenzierter Funktionen gegen die vertraglichen Vereinbarungen mit SAP. Wird dies im Rahmen eines Audits festgestellt, drohen Nachlizenzierungen und potenzielle rechtliche Konsequenzen.

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Sicherheits- und Compliance-Risiken:

Für auslaufende Funktionen stellt SAP keine Wartung und keine Sicherheitsupdates mehr bereit. Sicherheitslücken oder Compliance-Verstöße können die Folge sein – insbesondere in regulierten Branchen ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Betriebsrisiken:

Ohne Support steigt das Risiko von Störungen in geschäftskritischen Prozessen. Je stärker Compatibility-Funktionen in Kernprozesse eingebunden sind, desto gravierender können Ausfälle wirken.

Abhängigkeit von Custom Code:

Individuelle Erweiterungen auf Basis alter ERP-Funktionalitäten können mit künftigen S/4HANA-Releases inkompatibel werden. Dadurch erhöht sich der Migrationsaufwand zusätzlich.

Unternehmen sollten daher frühzeitig prüfen, wo in ihrem System noch Funktionen des Compatibility Scope genutzt werden. Eine systematische Analyse – beispielsweise mithilfe von SAP EarlyWatch Alerts – schafft Transparenz und bildet die Grundlage für eine belastbare Migrations-Roadmap.

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Fazit: Das Ende der Compatibility Packs kommt

Kein Unternehmen kann langfristig mit den Compatibility Packs planen: Während On-Premises-Kunden bereits seit Anfang 2026 vom Ende der Compatibility Packs betroffen sind, haben RISE-Kunden bis 2030 Zeit für eine vollständige Migration. Sie werden damit zwar von SAP klar bevorzugt, mit S/4HANA 2027 wird SAP die Unterstützung aber für alle Unternehmen einstellen.

Wer heute noch stark auf Compatibility Packs angewiesen ist, sollte jetzt mit der Erarbeitung einer Transitionsstrategie beginnen. Unternehmen müssen dabei nicht nur ihre Migration auf native S/4HANA-Prozesse planen, um betriebswirtschaftliche Risiken durch plötzliche Funktionsverluste zu vermeiden, sondern sollten auch eine langfristige Strategie entwickeln, um SAP S/4HANA und SAP BTP in Zukunft optimal für ihre Geschäftsziele einzusetzen.

Websession: Ende der Compatibility Packs

Ingo Biermann

Haben Sie noch Fragen zum Ende der Compatibility Packs? Vereinbaren Sie gerne eine unverbindliche Websession und wir besprechen Ihre Fragen.

Dieser Artikel erschien bereits im März 2025. Der Artikel wurde am 27.02.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was sind Compatibility Packs in SAP S/4HANA?

Compatibility Packs sind Übergangsfunktionalitäten, mit denen bestimmte ECC-Prozesse in S/4HANA weiterbetrieben werden können. Sie dienen dazu, den Umstieg technisch zu erleichtern, sind jedoch nicht als dauerhafte Lösung vorgesehen.

Bis wann dürfen Compatibility Packs genutzt werden?

On-Premises-Kunden sind seit Ende 2025 größtenteils nicht mehr nutzungsberechtigt. Für die Module PP-PI, CS und TM gilt eine Verlängerung bis Ende 2030. RISE-with-SAP-Kunden dürfen Compatibility Packs grundsätzlich bis Ende 2030 verwenden, abhängig vom Wartungsstatus.

Welche Risiken entstehen nach dem Ende der Nutzungsrechte?

Unternehmen riskieren Lizenzverstöße, fehlende Sicherheitsupdates, Compliance-Probleme sowie operative Störungen. Besonders kritisch sind individuell angepasste Funktionen, die mit zukünftigen Releases inkompatibel werden können.

Wie sollten sich Unternehmen jetzt vorbereiten?

Empfohlen wird eine strukturierte Systemanalyse, um betroffene Funktionen zu identifizieren. Darauf aufbauend sollten eine Migrations-Roadmap, Budgetplanung und eine strategische Neuausrichtung auf native S/4HANA-Prozesse und SAP BTP erfolgen.

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

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