Ingo Biermann
24. März 2026

SAP Fiori in S/4HANA richtig nutzen: Zwei Ansätze im Vergleich

SAP Fiori in S/4HANA

Viele Unternehmen schalten S/4HANA live und merken schnell, dass SAP Fiori zwar technisch vorhanden ist, im Geschäftsalltag aber kaum eingesetzt wird. Vielleicht nutzen Sie ein paar Apps und die Inbox, aber ansonsten bleibt es bei der SAP GUI, weil beim Go-live andere Themen dominieren. So bleibt mit Fioris moderner, rollenbasierter Arbeitsoberfläche aber ausgerechnet das Potenzial ungenutzt, das Ihre Anwender sofort merken würden. Wenn Sie das ändern wollen, lohnt sich ein genauer Blick darauf, warum Fiori zunächst oft klein bleibt und welcher Ansatz für Ihren Einstieg am besten funktioniert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Entscheiden Sie früh, ob Sie Fiori als vollständigen Arbeitsplatz nutzen oder gezielt Apps als Ergänzung einführen.
  • Viele Unternehmen starten mit wenigen Use Cases, weil Rollen, Berechtigungen und Prozess-Design beim Go-live ohnehin schon voll sind.
  • Cherry Picking funktioniert, wenn jede ausgewählte App für sich einen klaren Mehrwert liefert und sauber in Rollen eingebettet ist.
  • Gehen Sie pragmatisch vor: Apps recherchieren, testen, auswählen, in Demo-Rollen aktivieren und erst dann sauber in produktive Rollen überführen.

Möchten Sie Ihre Fiori-Strategie weiter ausbauen? Wir bewerten Ihre Ausgangslage, priorisieren Use Cases und planen Ihre Arbeitsoberfläche.

Warum SAP Fiori so unterschiedlich umgesetzt wird

In der Praxis sehen Sie typischerweise drei Situationen:

  • Im klassischen SAP ERP: Sie finden meist nur wenige Fiori-Use-Cases, oft als einzelne Zusatz-Apps.
  • Beim ersten S/4HANA-Go-live: Viele Teams aktivieren nur ausgewählte Apps oder lassen Fiori erst einmal klein laufen.
  • Nach der Umstellung als Folgeprojekt: Die umfassende Fiori-Einführung startet häufig erst, wenn der technische Go-live geschafft ist – wenn überhaupt.

Warum? Ganz simpel: Beim S/4HANA-Go-live konkurrieren viele Themen um Aufmerksamkeit, wie etwa Daten, Prozesse, Schnittstellen und Tests. Fiori kommt dann oft obendrauf.

Die häufigsten Gründe, warum Fiori zunächst nur begrenzt ausgerollt wird:

  1. Rollen & Berechtigungen: Ohne saubere Rollenmodelle und Fiori-Autorisierungen bringen Sie keine App sauber live.
  2. Change-Management: Ein neuer Arbeitsstil (Kacheln, Suche, Insights) braucht Kommunikation und Training.
  3. Instabile Prozesse: Viele Teams wollen erst einmal S/4HANA-Prozesse stabilisieren und verbessern die UX danach.
  4. Zeitintensive Technik & Basis-Setup: Launchpad, Content-Aktivierung, OData-Services und Browser-Standards erfordern einen geordneten Ablauf.

Die gute Nachricht: Sie können Fiori trotzdem schnell nutzbar machen, wenn Sie den passenden Ansatz wählen.

In diesem Webinar zeigen wir Ihnen, wie Sie die Vorteile von SAP Fiori in S/4HANA vollständig nutzen können. Sie erfahren, wie Sie sich zwischen zwei Varianten der Fiori-Nutzung entscheiden.

Zwei Ansätze für die Nutzung von Fiori

Bevor Sie Apps aktivieren und Rollen bauen, treffen Sie eine Grundentscheidung: Soll Fiori der zentrale Arbeitsplatz werden oder setzen Sie Fiori punktuell als Ergänzung ein? Beide Wege funktionieren. Wichtig ist nur, dass Sie nicht aus Versehen in einer Mischform landen, die niemand geplant hat. Im Folgenden stelle ich Ihnen daher zwei mögliche Ansätze für die Nutzung von Fiori vor.

1. Vollständiger Fiori Workplace

Beim vollständigen Fiori Workplace machen Sie das Fiori Launchpad zum Startpunkt für die tägliche Arbeit. Ihre Nutzer erledigen ihre Aufgaben überwiegend in Fiori-Apps, inklusive geführter Prozessschritte, Suche, Inbox/Genehmigungen und Auswertungen. SAP GUI binden Sie nur dort ein, wo es fachlich noch keine passende App gibt oder wo Spezialfälle es erfordern. Sie gestalten Rollen, Kacheln, Spaces/Pages (je nach Setup) und Navigation so, dass der Arbeitsplatz wirklich durchgängig konsistent ist.

Vorteile

  • Einfache und einheitliche Bedienung
  • Prozessorientierte Arbeitsweise
  • Das Nutzenpotenzial der SAP Fiori UX wird realisiert (z. B. vom Problem zur Ursache navigieren)
  • Mobile Nutzung ist einfach möglich
  • Systemübergreifende UI-Integration ist umsetzbar (z. B. mit SuccessFactors)
  • Geringere Einarbeitungszeiten
  • Passt zur zukünftigen SAP-Strategie

Nachteile

  • Es ist ein echtes Einführungsprojekt mit entsprechendem Aufwand erforderlich
  • Sie passen Arbeitsweisen an Fiori-Abläufe an
  • Schulungsaufwand
  • Ggf. ist eine Neuerstellung eigener Transaktionen erforderlich
  • Große Änderung für Anwender: Change-Management ist erforderlich
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2. Fiori-Apps als Ergänzung (Cherry Picking)

Beim Ergänzungsansatz bleibt die SAP GUI für viele Nutzer der vertraute Arbeitsraum und Sie setzen Fiori dort ein, wo es sofort spürbar hilft. Typisch sind einzelne Apps für Genehmigungen, Übersichten, Analysen oder schnelle Stammdaten-Checks. Den Einstieg schaffen Sie oft über Links aus der GUI oder aus anderen Kontexten (z. B. E-Mails, Workflows, Favoriten). Dieser Ansatz wird häufig „Cherry Picking“ genannt, weil Sie sich gezielt die Apps herauspicken, die den größten Mehrwert liefern. Entscheidend ist: Jede App muss allein funktionieren und einen klaren Nutzen bringen, ohne dass der Nutzer erst den Rest von Fiori verstehen muss. Im klassischen SAP ERP ist das im Grunde der einzige sinnvolle Weg.

Vorteile

  • Einfach in der Umsetzung
  • Go-live ist getrennt pro App möglich
  • Wenig Änderungen für Anwender
  • Wenig Change-Management erforderlich

Nachteile

  • Medienbruch in der Arbeitsweise
  • Mehr Komplexität durch mehrere Wege zum gleichen Ziel

Fazit: Fiori muss nicht alles oder nichts sein

Eine Fiori-Einführung scheitert selten an fehlenden Apps, sondern an einem unklaren Betriebs- und Nutzungsmodell. Wenn Sie den Workplace wollen, planen Sie ihn wie ein Produkt: mit Standards, Rollen, Governance und Change-Management. Das ist aufwendiger als ein selektiver Ansatz, lohnt sich aber, weil Sie damit eine konsistente Nutzererfahrung schaffen und eine belastbare Grundlage für die langfristige digitale Arbeitsplatzstrategie legen. Wenn Sie Cherry Picking wählen, liefern Sie gezielt Mehrwert und halten Sie die Komplexität aktiv klein.
Wenn Sie Ihre Fiori-Strategie schärfen möchten, unterstütze ich Sie gern in einem Beratungsgespräch: Wir bewerten Ihre Ausgangslage, priorisieren Use Cases und legen ein realistisches Rollout-Modell fest.

Websession: SAP Fiori

Ingo Biermann

Wenn Sie Ihre Fiori-Strategie schärfen möchten, unterstütze ich Sie gern in einer Websession: Wir bewerten Ihre Ausgangslage und legen ein realistisches Rollout-Modell fest.

FAQ

Brauche ich S/4HANA, um SAP Fiori zu nutzen?

Nein. Sie können auch im SAP ERP Fiori-Apps nutzen. In der Praxis setzen Unternehmen im ERP jedoch meist auf Cherry Picking, während der vollständige Workplace vor allem in S/4HANA sinnvoll und verbreitet ist.

Was bedeutet „Cherry Picking“ bei SAP Fiori?

Damit ist gemeint, dass Sie einzelne Fiori-Apps gezielt auswählen und als Ergänzung zur SAP GUI bereitstellen. Jede App muss für sich einen klaren Mehrwert liefern.

Wie viele Fiori-Apps sollte ich zum Start einführen?

Starten Sie lieber klein und wirksam: 5–15 Apps für priorisierte Rollen sind oft ein guter Einstieg. Entscheidend ist, dass Sie Nutzen messen (Zeit, Fehler, Zufriedenheit) und daraus die nächste Ausbaustufe ableiten.

Was mache ich mit eigenen SAP GUI-Transaktionen?

Sie haben drei typische Optionen: Transaktionen zunächst integrieren (z. B. im Launchpad), sie ablösen (durch passende Apps oder neue Anwendungen) oder sie modernisieren. Wichtig ist, dass Sie diese Entscheidungen pro Rolle und Prozess treffen und nicht im Vorbeigehen.

 

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

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