Die Wahl des Betriebsmodells beeinflusst Kosten, Erweiterbarkeit, Updatezyklen und Verantwortlichkeiten Ihrer S/4HANA-Transformation. Neben On-Premises stehen Hosting, Hyperscaler sowie Public und Private Cloud zur Auswahl. Dieser Beitrag zeigt, welche Variante zu Ihren Anforderungen passt.

Das Wichtigste im Überblick

  • On-Premises: Sie behalten weitreichende Kontrolle über Infrastruktur, Betrieb und Erweiterungen, tragen jedoch auch mehr Verantwortung.
  • Public Edition: Sie setzen stärker auf standardisierte Prozesse, automatische Updates und klar geregelte Erweiterungsmöglichkeiten.
  • Private Edition: Sie kombinieren einen cloudbasierten Betrieb mit größerem Funktionsumfang und mehr Möglichkeiten für individuelle Anforderungen.
  • Entscheidungskriterien: Neben dem gewünschten Standardisierungsgrad zählen vorhandener Custom Code, Betriebsverantwortung, Compliance und der benötigte Innovationszyklus.

Grundsatzentscheidung On-Premises vs. Cloud

Entweder das neue S/4HANA-System im eigenen Rechenzentrum betreiben oder es in die Cloud legen? Ganz pragmatisch können Sie zwischen zwei Oberkategorien – oder zwei „Styles“ – unterscheiden:

  1. On-Premises-Style (Eigene Systeme)
  2. Cloud-Style (Echte Cloud Services)

Varianten von On-Premises-Style und Cloud-Style

Das klingt im ersten Moment nach einer zweigleisigen „Entweder-Oder“-Entscheidung. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn: Cloud ist nicht gleich Cloud. So können auch im On-Premises-Style Cloud-Systeme zum Einsatz kommen. Aber mehr dazu in der Detailübersicht:

1. On-Premises-Style

Das S/4HANA-System als On-Premises-Variante zeichnet insbesondere eines aus: Sie haben ein eigenes SAP-System. Das betreiben Sie entweder im eigenen Rechenzentrum oder Sie beanspruchen einen externen Dienstleister dafür.

Sie kontrollieren den Betrieb und können das System umfassend konfigurieren und erweitern. Dennoch sollten Sie Änderungen nicht beliebig vornehmen: Lizenzbedingungen, Wartbarkeit und die Clean-Core-Strategie setzen auch bei On-Premises sinnvolle Grenzen.

Bei On-Premises kann aber auch nochmal zwischen dem „echten“ On-Premises, klassischem Hosting und dem Hyperscaler-Modell unterschieden werden:

1.1. „Echtes“ On-Premises – „Zu mir…“

  • Ein solches On-Premises-System zeichnet insbesondere aus, dass Ihr Unternehmen für diese Variante…
    eigene Hardware nutzt,
  • ein eigenes Netzwerk etabliert hat und
  • eigene Mitarbeiter dieses System warten und betreuen.

Die meisten meiner Kunden kennen dieses Modell bereits von ihrem aktuellen Betriebsmodell. Eine System-Migration von Ihrem alten System zu S/4HANA ist hier also unkompliziert, da der Änderungsumfang ziemlich niedrig ist. Aus Sicht der Infrastruktur kann es den Umstieg vereinfachen, wenn das bestehende Betriebsmodell weitgehend erhalten bleibt. Der tatsächliche Migrationsaufwand hängt jedoch unter anderem vom Ausgangssystem, den eingesetzten Geschäftsprozessen, dem Datenbestand und dem vorhandenen Custom Code ab.

1.2. Klassisches Hosting – „…oder zu dir?“

Beim klassischen Hosting betreiben Sie Ihr System nicht bei sich selbst im Haus, sondern bei einem Hosting-Dienstleister. Sie beauftragen also den Dienstleister damit, das System im Rechenzentrum zu hosten und dort einen (virtualisierten) Rechner für Sie aufzustellen. Welche Serviceleistungen dabei in den Händen des Dienstleisters liegen, können Sie mit diesem individuell vereinbaren. Möglich sind also beliebig viele Zwischenvarianten von:

  • Der Dienstleister stellt alles – von Hardware über das Betriebssystem bis zur Datenbank. Darüber hinaus sind Sie selbst für die Betreuung zuständig. Und:
  • Der Dienstleister stellt zusätzlich noch das SAP-System und betreut es in den Basis-Aufgaben.

Die Variante, in der der Dienstleister auch die Basis-Aufgaben betreut, wird meiner Erfahrung nach weitaus öfter vereinbart. Unabhängig davon, welche Variante Sie nun bevorzugen, gibt es unzählige Anbieter in diesem Gebiet: Eine bekannte Lösung ist beispielsweise die HANA Enterprise Cloud (HEC) von der SAP.

1.3. Das Hyperscaler-Modell

Beim Hyperscaler-Modell betreiben Sie die SAP-S/4HANA-Software auf einer Infrastructure-as-a-Service-Plattform. Der Standort ist damit nicht mehr „on-premises“. Betriebsmodell, Softwarelizenzierung und Verantwortungsverteilung können jedoch weiterhin einem selbst verwalteten S/4HANA-System ähneln. Dabei handelt es sich um ein System nach dem Service-Modell „Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS): Sie bekommen ein Cloud-System, das Ihnen eine Server-Infrastruktur zur Verfügung stellt – also Server mit Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Speicherplatz.

Auf dem Markt werden nach und nach mehr solcher Angebote verfügbar, die auch von SAP für S/4HANA zertifiziert sind. Vorteile dieser „On-Premises-Lösung mit Cloud-Anteil“: Die Flexibilität und Skalierbarkeit. Allerdings sollten Sie hierbei im Blick haben, dass Ihnen mit einer Hyperscaler-Lösung nicht die gängigen Betriebsaufgaben abgenommen werden: Weder die Installation von Datenbanken und dem SAP-System noch die Wartung werden in der Regel von den Anbietern übernommen.

Im SAP-Bereich sind bekannte Hyperscaler insbesondere Microsoft Azure, aber auch Amazon Web Services (AWS) oder Google Cloud.

Erhalten Sie anhand eines Kundenbeispiels wertvolle Einblicke in den einfach Start Ihrer S/4HANA-Migration.

2. Cloud-Style (S/4HANA Cloud)

Bei den Cloud-Angeboten unterscheidet SAP weiterhin zwischen der SAP S/4HANA Cloud Public Edition und der SAP S/4HANA Cloud Private Edition. In der aktuellen Portfolio-Kommunikation ordnet SAP die Public Edition als zentrale Anwendung von SAP Cloud ERP ein. Die Private Edition vermarktet SAP zunehmend unter dem Namen SAP Cloud ERP Private. In Dokumentationen und technischen Kontexten bleiben die bisherigen Produktbezeichnungen jedoch weiterhin gebräuchlich.

2.1. SAP S/4HANA Cloud Public Edition

Bei der SAP S/4HANA Cloud Public Edition (zuvor noch Essentials Edition), handelt es sich um das echte Software-as-a-Service-Angebot (SaaS) von SAP. Das Hauptziel dieser Lösung ist die Standardisierung der Geschäftsprozesse.
Das Ganze können Sie sich ähnlich vorstellen wie auch bei dem E-Mail-Dienst Gmail: Sie können sich über eine Log-in-Maske im Internet in das System einloggen und es über diesen Weg nutzen. Es handelt sich hierbei also um eine „Public Cloud“.

Log-in-Maske der S/4HANA Essentials Edition

SAP veröffentlicht für die Public Edition zwei große Releases pro Jahr, jeweils im Februar und August. SAP spielt diese Releases für die Kundenumgebungen verbindlich ein und ergänzt sie durch weitere laufende Updates. Auch sonst gilt: Sie haben bei der S/4HANA Cloud Public Edition nur begrenzte Konfigurationsmöglichkeiten und können – anders als bei dem SAP ERP oder S/4HANA in der On-Premises-Variante – Ihr System nicht ohne Weiteres beliebig erweitern. Die Erweiterungsmöglichkeiten, die Ihnen hier zur Verfügung stehen, sind in einem dreistufigen Modell angelegt. Das bedeutet, dass Erweiterungen in folgenden Bereichen möglich sind:

  • Key User Extensibility: Dies ermöglicht No-Code-Erweiterungen, die von Fachanwendern vorgenommen werden können
  • Developer Extensibility: Entwickler erstellen kontrollierte Erweiterungen mit ABAP Cloud innerhalb der SAP S/4HANA Cloud ABAP Environment. Diese Option setzt grundsätzlich eine Drei-System-Landschaft voraus.
  • Side-by-Side Extensibility: Unternehmen entwickeln Erweiterungen außerhalb des ERP-Kerns, in der Regel auf der SAP Business Technology Platform, und binden sie über freigegebene Schnittstellen an.

Der große Vorteil dieser Lösung: Sie können den Rollout besonders schnell umsetzen und es kommen mit dieser Variante geringere Kosten als bei anderen Betriebsformen auf Sie zu.

2.2. S/4HANA Cloud Private Edition

Die S/4HANA Cloud Private Edition, zuvor unter Extended Edition bekannt, ist technisch gesehen auch ein Software-as-a-Service-Angebot. Im Vergleich zur oben vorgestellten Variante unterscheidet sich die Private Edition von S/4HANA in einigen Punkten:

  • Jeder SAP-Kunde hat sein eigenes System, das er nicht mit anderen teilt, es ist also eine „Private Cloud“
  • Sie haben deutlich mehr Optionen bei der Individualisierung der Lösung und können diese Edition beinahe beliebig erweitern und customizen.
  • Sie können den Zeitpunkt eines Upgrades deutlich flexibler planen als bei der Public Edition. SAP veröffentlicht für die Private Edition derzeit alle zwei Jahre ein neues Basisrelease und bietet dafür sieben Jahre Mainstream Maintenance. Um innerhalb der regulären Wartung zu bleiben, müssen Sie daher mindestens einmal innerhalb dieses Zeitraums upgraden.

Der Übergang zum On-Premises-Konzept ist mit diesen Punkten fast fließend. Diese Edition kann umfänglich erweitert werden – auch Drittanbieter-Add-Ons können Sie einspielen. Meiner Erfahrung nach ist genau das oft eine Anforderung unserer Kunden.

Die Vorteile von SAP S/4HANA Cloud

Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen bringt SAP S/4HANA zahlreiche Vorteile mit sich. Beispielsweise fallen viele technische oder finanzielle Voraussetzungen weg. Bei der Implementierung einer klassischen On-Premise-Lösung sind viele technische und finanzielle Voraussetzungen erforderlich. Weitere Vorteile für den Einsatz der SAP Cloud-ERP-Software sind: ein flexibles Abo, die schnelle Implementierung, die Effizienzsteigerung, Wartung und Support und ein schneller Innovationszyklus.

Aktuelle technologische Schwerpunkte von SAP Cloud ERP

SAP entwickelt Cloud ERP heute vor allem in drei Richtungen weiter: integrierte Business AI, vernetzte Daten und eine erweiterbare Cloudarchitektur. Joule unterstützt Anwender mit KI-Assistenten und spezialisierten Agenten direkt in Geschäftsprozessen. Gleichzeitig ermöglicht die SAP Business Technology Platform, Anwendungen zu integrieren und Erweiterungen außerhalb des ERP-Kerns umzusetzen. Echtzeitdaten und eingebettete Analysen bilden dafür die fachliche Grundlage.

On-Premises & Cloud: Same, but different

SAP S/4HANA On-Premises und die SAP S/4HANA Cloud Private Edition basieren im Wesentlichen auf derselben Codelinie. Die Public Edition besitzt dagegen eine eigene Codelinie, einen stärker standardisierten Funktionsumfang und einen anderen Releasezyklus. Die Varianten verfolgen somit ein gemeinsames ERP-Grundkonzept, sind technisch und funktional aber nicht identisch.

Mit S/4HANA im Cloud-Style haben Sie durch die regelmäßigen Updates immer ein topaktuelles System. Meine Erfahrung: Den großen Unterschied macht für viele Bestandskunden am Ende vor allem die Individualisierbarkeit! Und hier ziehen Anwender der Cloud-Variante deutlich den Kürzeren. Großumfangreiche Erweiterungen mit ABAP-Programmierung, Datenbankzugriff und integriertem Erweiterungsframework sind in der Public Edition schlichtweg nicht möglich, in der Private Edition aber durchaus möglich.

Die Faustformel, die Sie also bei Ihrer Entscheidung anwenden können, lautet:

  • Fit-to-Standard und automatische Innovationen: Public Edition
  • Hohe Anpassungstiefe bei cloudbasiertem Betrieb: Private Edition
  • Maximale Kontrolle über Infrastruktur und Lebenszyklus: On-Premises oder selbst verwaltetes Hosting/IaaS

Sie merken es – bei der Vorbereitung auf eine Einführung von S/4HANA gibt es einiges zu beachten. Dabei gilt es, nicht den Überblick zu verlieren und die Bedürfnisse Ihres Unternehmens im Auge zu behalten. Brauchen Sie dabei Unterstützung? Sehen Sie sich gerne unser Angebot zum S/4HANA Cloud Assessment an.

Fazit: Das Betriebsmodell muss zu Ihrer Transformation passen

Die Entscheidung fällt heute nicht mehr nur zwischen Cloud und On-Premises. Vielmehr müssen Sie klären, wie viel Standardisierung, Individualisierung und Betriebsverantwortung Ihr Unternehmen benötigt. Die Public Edition eignet sich besonders für konsequente Fit-to-Standard-Ansätze, während die Private Edition mehr Spielraum für bestehende Prozesse und Erweiterungen bietet. On-Premises bleibt vor allem dann relevant, wenn Sie Infrastruktur und Lebenszyklus weitgehend selbst kontrollieren möchten.

Sie sind noch unsicher, welches Betriebsmodell zu Ihrer Systemlandschaft passt? In unserem S/4HANA Cloud Assessment analysieren wir gemeinsam Ihre Anforderungen und schaffen eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

S/4HANA: Cloud oder nicht? In unserem Cloud Assessment klären Sie Ihre Strategie, erkennen praktische Grenzen und bereiten die Entscheidungsvorlage für Ihr Management vor.

Dieser Artikel wurde bereits im Janaur 2025 veröffentlicht und am 30. Juli 2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

1) Was unterscheidet On‑Premises‑Style von Cloud‑Style?

Beim On‑Premises‑Style betreiben Sie Ihr eigenes SAP S/4HANA‑System (eigenes Rechenzentrum, Hosting oder Hyperscaler) und haben volle Kontrolle und hohe Anpassungstiefe.

Beim Cloud‑Style (SAP S/4HANA Cloud) nutzt SAP das System als Service; Prozesse sind stärker standardisiert, Updates laufen automatisch und tiefgehende ABAP‑Erweiterungen sind begrenzt.

2) Wann Cloud, wann On‑Premises?

Faustregel aus dem Text: Standardisierung = Cloud, individuelle Erweiterungen = On‑Premises.
S/4HANA Cloud eignet sich bei schnellen Rollouts, geringen IT‑Infrastruktur‑Kosten und vorwiegend Standardprozessen; On‑Premises, wenn viele eigene Entwicklungen, Drittanbieter‑Add‑Ons und umfassendes Customizing geplant sind.

3) Was ist der Unterschied zwischen Public und Private Edition?

Public Edition ist Multi‑Tenant, stark standardisiert, mit vier jährlichen Releases und begrenzten, klar geregelten Erweiterungen (Key‑User, Side‑by‑Side, Embedded Steampunk).

Private Edition ist Single‑Tenant, erlaubt deutlich mehr Individualisierung und Customizing, ähnelt On‑Premises und bietet mehr Freiheit bei Upgrades und Drittanbieter‑Komponenten.