Ingo Biermann
10. April 2025

S/4HANA: Cloud (S4 Cloud) vs. On-Premises

s/4hana cloud on-premises Cloud

Wichtige Folgefragen und Planungen innerhalb des S/4HANA-Migrationsprojektes hängen davon ab. Die Entscheidung darüber, wie Sie Ihr S/4HANA-System aufbauen, sollten Sie also nicht übers Knie brechen. Aber Achtung: Mit der Beantwortung der Frage „Cloud oder On-Premises?“ ist es noch nicht getan. Welche Optionen Sie wirklich haben und was Sie bei der Entscheidung beachten sollten, fasse ich Ihnen übersichtlich in diesem Beitrag zusammen.



Grundsatzentscheidung On-Premises vs. Cloud

Entweder das neue S/4HANA-System im eigenen Rechenzentrum betreiben oder es in die Cloud legen? Ganz pragmatisch können Sie zwischen zwei Oberkategorien – oder zwei „Styles“ – unterscheiden:

  1. On-Premises-Style (Eigene Systeme)
  2. Cloud-Style (Echte Cloud Services)

Varianten von On-Premises-Style und Cloud-Style

Das klingt im ersten Moment nach einer zweigleisigen „Entweder-Oder“-Entscheidung. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn: Cloud ist nicht gleich Cloud. So können auch im On-Premises-Style Cloud-Systeme zum Einsatz kommen. Aber mehr dazu in der Detailübersicht:

1. On-Premises-Style

Das S/4HANA-System als On-Premises-Variante zeichnet insbesondere eines aus: Sie haben ein eigenes SAP-System. Das betreiben Sie entweder im eigenen Rechenzentrum oder Sie beanspruchen einen externen Dienstleister dafür.

So oder so: Ihnen gehört das System und Sie können darauf machen, was Sie möchten. Das bedeutet, Sie können es beliebig durch Customizing anpassen, erweitern oder modifizieren.

Bei On-Premises kann aber auch nochmal zwischen dem „echten“ On-Premises, klassischem Hosting und dem Hyperscaler-Modell unterschieden werden:

1.1. „Echtes“ On-Premises – „Zu mir…“

  • Ein solches On-Premises-System zeichnet insbesondere aus, dass Ihr Unternehmen für diese Variante…
    eigene Hardware nutzt,
  • ein eigenes Netzwerk etabliert hat und
  • eigene Mitarbeiter dieses System warten und betreuen.

Die meisten meiner Kunden kennen dieses Modell bereits von ihrem aktuellen Betriebsmodell. Eine System-Migration von Ihrem alten System zu S/4HANA ist hier also unkompliziert, da der Änderungsumfang ziemlich niedrig ist. Unter anderem deshalb kann man sagen: Vom Migrations-Standpunkt aus betrachtet ist der Wechsel zu S/4HANA in dieser Version der leichteste Weg. Ein weiterer Grund dafür ist, dass keine Daten in die Cloud hochgeladen werden müssen.

1.2. Klassisches Hosting – „…oder zu dir?“

Beim klassischen Hosting betreiben Sie Ihr System nicht bei sich selbst im Haus, sondern bei einem Hosting-Dienstleister. Sie beauftragen also den Dienstleister damit, das System im Rechenzentrum zu hosten und dort einen (virtualisierten) Rechner für Sie aufzustellen. Welche Serviceleistungen dabei in den Händen des Dienstleisters liegen, können Sie mit diesem individuell vereinbaren. Möglich sind also beliebig viele Zwischenvarianten von:

  • Der Dienstleister stellt alles – von Hardware über das Betriebssystem bis zur Datenbank. Darüber hinaus sind Sie selbst für die Betreuung zuständig. Und:
  • Der Dienstleister stellt zusätzlich noch das SAP-System und betreut es in den Basis-Aufgaben.

Die Variante, in der der Dienstleister auch die Basis-Aufgaben betreut, wird meiner Erfahrung nach weitaus öfter vereinbart. Unabhängig davon, welche Variante Sie nun bevorzugen, gibt es unzählige Anbieter in diesem Gebiet: Eine bekannte Lösung ist beispielsweise die HANA Enterprise Cloud (HEC) von der SAP.

1.3. Das Hyperscaler-Modell

Das Hyperscaler-Modell hat im On-Premises-Bereich in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um ein System nach dem Service-Modell „Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS): Sie bekommen ein Cloud-System, das Ihnen eine Server-Infrastruktur zur Verfügung stellt – also Server mit Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Speicherplatz.

Auf dem Markt werden nach und nach mehr solcher Angebote verfügbar, die auch von SAP für S/4HANA zertifiziert sind. Vorteile dieser „On-Premises-Lösung mit Cloud-Anteil“: Die Flexibilität und Skalierbarkeit. Allerdings sollten Sie hierbei im Blick haben, dass Ihnen mit einer Hyperscaler-Lösung nicht die gängigen Betriebsaufgaben abgenommen werden: Weder die Installation von Datenbanken und dem SAP-System noch die Wartung werden in der Regel von den Anbietern übernommen.

Im SAP-Bereich sind bekannte Hyperscaler insbesondere Microsoft Azure, aber auch Amazon AWS oder Google Cloud.

Erhalten Sie anhand eines Kundenbeispiels wertvolle Einblicke in den einfach Start Ihrer S/4HANA-Migration.

2. Cloud-Style (S/4HANA Cloud)

Wie bereits angekündigt: Cloud ist nicht gleich Cloud. Auch bei den echten Cloud-Services von SAP gibt es verschiedene Optionen, wie Sie SAP S/4HANA einsetzen können: Die SAP S/4HANA Cloud Public Edition – früher bekannt als Essentials Edition (ES) oder Multi Tenant Edition (MTE) – wird in der aktuellen SAP-Portfolio-Kommunikation als SAP Cloud ERP bezeichnet. Daneben steht die SAP S/4HANA Cloud Private Edition, zuvor Extended Edition oder Single Tenant Edition (STE) genannt, in der neueren Portfolio-Kommunikation auch unter SAP Cloud ERP Private genannt.

2.1. SAP S/4HANA Cloud Public Edition

Bei der SAP S/4HANA Cloud Public Edition (zuvor noch Essentials Edition), handelt es sich um das echte Software-as-a-Service-Angebot (SaaS) von SAP. Das Hauptziel dieser Lösung ist die Standardisierung der Geschäftsprozesse.
Das Ganze können Sie sich ähnlich vorstellen wie auch bei dem E-Mail-Dienst Gmail: Sie können sich über eine Log-in-Maske im Internet in das System einloggen und es über diesen Weg nutzen. Es handelt sich hierbei also um eine „Public Cloud“.

Log-in-Maske der S/4HANA Essentials Edition

Bei der SAP S/4HANA Cloud Public Edition ist die Softwareversion für alle Anwender gleich und SAP stellt vier Mal im Jahr neue Releases bereit, die für alle Anwender gleichermaßen angewendet werden. Auch sonst gilt: Sie haben bei der S/4HANA Cloud Public Edition nur begrenzte Konfigurationsmöglichkeiten und können – anders als bei dem SAP ERP oder S/4HANA in der On-Premises-Variante – Ihr System nicht ohne Weiteres beliebig erweitern. Die Erweiterungsmöglichkeiten, die Ihnen hier zur Verfügung stehen, sind in einem dreistufigen Modell angelegt. Das bedeutet, dass Erweiterungen in folgenden Bereichen möglich sind:

  • Key User Extensibility: Dies ermöglicht No-Code-Erweiterungen, die von Fachanwendern vorgenommen werden können
  • Side-By-Side Extensions: Hierbei werden Erweiterungen auf der SAP Business Technology Platform (BTP) entwickelt
  • On-Stack-Developer Extensibility: Diese Option erlaubt Ihnen Entwicklererweiterungen direkt auf dem SAP S/4HANA Cloud-Technologie-Stack mittels ABAP (auch bekannt als “Embedded Steampunk”)

Der große Vorteil dieser Lösung: Sie können den Rollout besonders schnell umsetzen und es kommen mit dieser Variante geringere Kosten als bei anderen Betriebsformen auf Sie zu.

2.2. S/4HANA Cloud Private Edition

Die S/4HANA Cloud Private Edition, zuvor unter Extended Edition bekannt, ist technisch gesehen auch ein Software-as-a-Service-Angebot. Im Vergleich zur oben vorgestellten Variante unterscheidet sich die Private Edition von S/4HANA in einigen Punkten:

  • Jeder SAP-Kunde hat sein eigenes System, das er nicht mit anderen teilt, es ist also eine „Private Cloud“
  • Sie haben deutlich mehr Optionen bei der Individualisierung der Lösung und können diese Edition beinahe beliebig erweitern und customizen.
  • Sie können selbst entscheiden, ob Sie auf neue Releases upgraden oder nicht – auch, wenn ein Upgrade pro Jahr mindestens durchgeführt werden muss.

Der Übergang zum On-Premises-Konzept ist mit diesen Punkten fast fließend. Diese Edition kann umfänglich erweitert werden – auch Drittanbieter-Add-Ons können Sie einspielen. Meiner Erfahrung nach ist genau das oft eine Anforderung unserer Kunden.

Die Vorteile von SAP S/4HANA Cloud

Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen bringt SAP S/4HANA zahlreiche Vorteile mit sich. Beispielsweise fallen viele technische oder finanzielle Voraussetzungen weg. Bei der Implementierung einer klassischen On-Premise-Lösung sind viele technische und finanzielle Voraussetzungen erforderlich. Weitere Vorteile für den Einsatz der SAP Cloud-ERP-Software sind: ein flexibles Abo, die schnelle Implementierung, die Effizienzsteigerung, Wartung und Support und ein schneller Innovationszyklus.

Die 3 wichtigen Säulen von SAP S/4HANA Cloud

Das SAP-ERP-System basiert auf drei innovativen Technologien. Diese wurden intern entwickelt und ermöglichen, dass mit SAP S/4HANA Cloud eine unternehmensweite Prozessverbesserung erzielt werden kann. Die drei Säulen bestehen aus dem SAP Digital Assistent, dem SAP Machine Learning und dem SAP Predictive Analytics.

On-Premises & Cloud: Same, but different

Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen bringt SAP S/4HANA zahlreiche Vorteile mit sich. Ob jetzt S/4HANA On-Premises oder in der Cloud: Alle Varianten werden aus der gleichen Codelinie erzeugt. Am Ende geht es hier immer um die gleiche Software, egal, für was Sie sich entscheiden. Was ist also die bessere Wahl?

Mit S/4HANA im Cloud-Style haben Sie durch die regelmäßigen Updates immer ein topaktuelles System. Meine Erfahrung: Den großen Unterschied macht für viele Bestandskunden am Ende vor allem die Individualisierbarkeit! Und hier ziehen Anwender der Cloud-Variante deutlich den Kürzeren. Großumfangreiche Erweiterungen mit ABAP-Programmierung, Datenbankzugriff und integriertem Erweiterungsframework sind in der Public Edition schlichtweg nicht möglich, in der Private Edition aber durchaus möglich.

Die Faustformel, die Sie also bei Ihrer Entscheidung anwenden können, lautet:

  • Standardisierung = Cloud,
  • Individuelle Erweiterungen = On-Premises

Sie merken es – bei der Vorbereitung auf eine Einführung von S/4HANA gibt es einiges zu beachten. Dabei gilt es, nicht den Überblick zu verlieren und die Bedürfnisse Ihres Unternehmens im Auge zu behalten. Brauchen Sie dabei Unterstützung? Sehen Sie sich gerne unser Angebot zum S/4HANA Cloud Assessment an.

S/4HANA: Cloud oder nicht? In unserem Cloud Assessment klären Sie Ihre Strategie, erkennen praktische Grenzen und bereiten die Entscheidungsvorlage für Ihr Management vor.

Dieser Artikel wurde bereits im Janaur 2025 veröffentlicht und am 10. April 2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

1) Was unterscheidet On‑Premises‑Style von Cloud‑Style?

Beim On‑Premises‑Style betreiben Sie Ihr eigenes SAP S/4HANA‑System (eigenes Rechenzentrum, Hosting oder Hyperscaler) und haben volle Kontrolle und hohe Anpassungstiefe.

Beim Cloud‑Style (SAP S/4HANA Cloud) nutzt SAP das System als Service; Prozesse sind stärker standardisiert, Updates laufen automatisch und tiefgehende ABAP‑Erweiterungen sind begrenzt.

2) Wann Cloud, wann On‑Premises?

Faustregel aus dem Text: Standardisierung = Cloud, individuelle Erweiterungen = On‑Premises.
S/4HANA Cloud eignet sich bei schnellen Rollouts, geringen IT‑Infrastruktur‑Kosten und vorwiegend Standardprozessen; On‑Premises, wenn viele eigene Entwicklungen, Drittanbieter‑Add‑Ons und umfassendes Customizing geplant sind.

3) Was ist der Unterschied zwischen Public und Private Edition?

Public Edition ist Multi‑Tenant, stark standardisiert, mit vier jährlichen Releases und begrenzten, klar geregelten Erweiterungen (Key‑User, Side‑by‑Side, Embedded Steampunk).

Private Edition ist Single‑Tenant, erlaubt deutlich mehr Individualisierung und Customizing, ähnelt On‑Premises und bietet mehr Freiheit bei Upgrades und Drittanbieter‑Komponenten.

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

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