Ingo Biermann
28. April 2021

S/4HANA Cloud (S4 Cloud) vs. On-Premises

Wichtige Folgefragen und Planungen innerhalb des S/4HANA-Migrationsprojektes hängen davon ab. Die Entscheidung darüber, wie Sie Ihr S/4HANA-System aufbauen, sollten Sie also nicht übers Knie brechen. Aber Achtung: Mit der Beantwortung der Frage „Cloud oder On-Premises?“ ist es noch nicht getan. Welche Optionen Sie wirklich haben und was Sie bei der Entscheidung beachten sollten, fasse ich Ihnen übersichtlich in diesem Beitrag zusammen.

Grundsatzentscheidung On-Premises vs. Cloud

Entweder das neue S/4HANA-System im eigenen Rechenzentrum betreiben oder es in die Cloud legen? Ganz pragmatisch können Sie zwischen zwei Oberkategorien – oder zwei „Styles“ – unterscheiden:

  1. On-Premises-Style (Eigene Systeme)
  2. Cloud-Style (Echte Cloud Services)
Varianten von On-Premises-Style und Cloud-Style

Varianten von On-Premises-Style und Cloud-Style

Das klingt im ersten Moment nach einer zweigleisigen „Entweder-Oder“-Entscheidung. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn: Cloud ist nicht gleich Cloud. So können auch im On-Premises-Style Cloud-Systeme zum Einsatz kommen. Aber mehr dazu in der Detailübersicht:

1. On-Premises-Style

Das S/4HANA-System als On-Premises-Variante zeichnet insbesondere eines aus: Sie haben ein eigenes SAP-System. Das betreiben Sie entweder im eigenen Rechenzentrum oder Sie beanspruchen einen externen Dienstleister dafür.

So oder so: Ihnen gehört das System und Sie können darauf machen, was Sie möchten. Das bedeutet, Sie können es beliebig durch Customizing anpassen, erweitern oder modifizieren.

Bei On-Premises kann aber auch nochmal zwischen dem „echten“ On-Premises, klassischem Hosting und dem Hyperscaler-Modell unterschieden werden:

1.1. „Echtes“ On-Premises – „Zu mir…“

Ein solches On-Premises-System zeichnet insbesondere aus, dass Ihr Unternehmen für diese Variante…

  • eigene Hardware nutzt,
  • ein eigenes Netzwerk etabliert hat und
  • eigene Mitarbeiter dieses System warten und betreuen.

Die meisten meiner Kunden kennen dieses Modell bereits von ihrem aktuellen Betriebsmodell. Eine System-Migration von Ihrem alten System zu S/4HANA ist hier also unkompliziert, da der Änderungsumfang ziemlich niedrig ist. Unter anderem deshalb kann man sagen: Vom Migrations-Standpunkt aus betrachtet ist der Wechsel zu S/4HANA in dieser Version der leichteste Weg. Ein weiterer Grund dafür ist, dass keine Daten in die Cloud hochgeladen werden müssen.

1.2. Klassisches Hosting – „…oder zu dir?“

Beim klassischen Hosting betreiben Sie Ihr System nicht bei sich selbst im Haus, sondern bei einem Hosting-Dienstleister. Sie beauftragen also den Dienstleister, das System im Rechenzentrum zu hosten und dort einen (virtualisierten) Rechner für Sie aufzustellen.

Welche Serviceleistungen dabei in den Händen des Dienstleisters liegen, können Sie mit diesem vereinbaren. Möglich sind also beliebig viele Zwischenvarianten von:

  • Der Dienstleister stellt alles – von Hardware über das Betriebssystem bis zur Datenbank. Darüber hinaus sind Sie selbst für die Betreuung zuständig. Und:
  • Der Dienstleister stellt zusätzlich noch das SAP-System und betreut es in den Basis-Aufgaben.

Die Variante, in der der Dienstleister auch die Basis-Aufgaben betreut, wird meiner Erfahrung nach weitaus öfter vereinbart. Unabhängig davon, welche Variante Sie nun bevorzugen, gibt es unzählige Anbieter in diesem Gebiet: Eine bekannte Lösung ist beispielsweise die HANA Enterprise Cloud (HEC) von der SAP.

1.3. Das Hyperscaler-Modell

Das Hyperscaler-Modell hat im On-Premises-Bereich in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um ein System nach dem Service-Modell „Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS): Sie bekommen ein Cloud-System, das Ihnen eine Server-Infrastruktur zur Verfügung stellt – also Server mit Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Speicherplatz.

Auf dem Markt werden nach und nach mehr solcher Angebote verfügbar, die auch von SAP für S/4HANA zertifiziert sind. Vorteile dieser „On-Premises-Lösung mit Cloud-Anteil“: Die Flexibilität und Skalierbarkeit. Allerdings sollten Sie hierbei im Blick haben, dass Ihnen mit einer Hyperscaler-Lösung nicht die gängigen Betriebsaufgaben abgenommen werden: Weder die Installation von Datenbanken und dem SAP-System noch die Wartung werden in der Regel von den Anbietern übernommen.

Im SAP-Bereich sind bekannte Hyperscaler insbesondere Microsoft Azure, aber auch Amazon AWS oder Google Cloud.

Wie sieht der ideale Weg zu S/4HANA aus? Was sind die Herausforderungen und Best Practices – und wo liegen die zentralen Mehrwerte des neuen ERP-Systems? All das erfahren Sie in diesem Webinar.

2. Cloud-Style (S/4HANA Cloud)

Wie bereits angekündigt: Cloud ist nicht gleich Cloud. Auch beim Angebot der echten Cloud-Services gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie S/4HANA nutzen können: Zum einen in der Essentials Edition (ES), auch als MTE („Multi Tenant Edition“) bekannt, zum anderen als Extended Edition (EX), auch STE („Single Tenant Edition“) genannt.

2.1. S/4HANA Essentials Edition (ES)

Bei der S/4HANA Essentials Edition handelt es sich um das echte Software-as-a-Service-Angebot (SaaS) von SAP. Das Hauptziel dieser Lösung ist die Standardisierung der Geschäftsprozesse.

Das Ganze können Sie sich ähnlich vorstellen wie auch bei dem E-Mail-Dienst Gmail: Sie können sich über eine Log-in-Maske im Internet in das System einloggen und es über diesen Weg nutzen. Es handelt sich hierbei also um eine „Public Cloud“.

Log-in-Maske der S/4HANA Essentials Edition

Log-in-Maske der S/4HANA Essentials Edition

Bei der Essentials Edition ist die Softwareversion für alle Anwender gleich und SAP stellt 4 Mal im Jahr neue Releases bereit, die für alle Anwender gleichermaßen angewendet werden. Auch sonst gilt: Sie haben bei der S/4HANA ES nur begrenzte Konfigurationsmöglichkeiten und können – anders als bei dem SAP ERP oder S/4HANA in der On-Premises-Variante – Ihr System nicht ohne Weiteres beliebig erweitern.

Der große Vorteil dieser Lösung: Sie können den Rollout besonders schnell umsetzen und es kommen mit dieser Variante geringere Kosten als bei anderen Betriebsformen auf Sie zu.

2.2. S/4HANA Extended Edition (EX)

Die S/4HANA Extended Edition ist technisch gesehen auch ein Software-as-a-Service-Angebot. Im Vergleich zur Essentials Edition unterscheidet sich die Extended Edition von S/4HANA in einigen Punkten:

  • Jeder SAP-Kunde hat sein eigenes System, das er nicht mit anderen teilt, es ist also eine „Private Cloud“.
  • Sie haben deutlich mehr Optionen bei der Individualisierung der Lösung und können diese Edition beinahe beliebig erweitern und customizen.
  • Sie können selbst entscheiden, ob Sie auf neue Releases upgraden oder nicht – auch, wenn ein Upgrade pro Jahr mindestens durchgeführt werden muss.

Der Übergang zum On-Premises-Konzept ist mit diesen Punkten fast fließend. Aber Achtung: Auch, wenn diese Edition umfänglich erweitert werden kann – Drittanbieter-Add-ons können auch hier leider nicht eingespielt werden. Meiner Erfahrung nach ist das oft eine Anforderung meiner Kunden, die die S/4HANA EX nicht erfüllen kann. Manchmal ist der gewünschte Funktionsumfang aber auch schon im S/4HANA-Standard enthalten.

Die Vorteile von SAP S/4HANA Cloud

Gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen bringt SAP S/4HANA zahlreiche Vorteile mit sich. Beispielsweise fallen viele technische oder finanzielle Voraussetzungen weg. Bei der Implementierung einer klassischen On-Premise-Lösung sind beispielsweise viele technische und finanzielle Voraussetzungen erforderlich. Weitere Vorteile für den Einsatz der SAP Cloud-ERP-Software sind: ein flexibles Abo, die schnelle Implementierung, die Effizienzsteigerung, Wartung und Support und ein schneller Innovationszyklus.

Die 3 wichtigen Säulen von SAP S/4HANA Cloud

Das SAP-ERP-System basiert auf drei innovativen Technologien. Diese wurden intern entwickelt und ermöglichen, dass mit SAP S/4HANA Cloud eine unternehmensweite Prozessverbesserung erzielt werden kann. Die drei Säulen bestehen aus dem SAP Digital Assistent, dem SAP Machine Learning und dem SAP Predictive Analytics.

On-Premises & Cloud: Same, but different

Ob jetzt S/4HANA On-Premises oder in der Cloud: Alle Varianten werden aus der gleichen Codelinie erzeugt. Am Ende geht es hier immer um die gleiche Software, egal, für was Sie sich entscheiden. Was ist also die bessere Wahl?

Mit S/4HANA im Cloud-Style haben Sie durch die regelmäßigen Updates immer ein top aktuelles System. Meine Erfahrung: Den großen Unterschied macht für viele Bestandskunden am Ende vor allem die Individualisierbarkeit! Und hier ziehen Anwender der Cloud-Variante deutlich den Kürzeren. Großumfangreiche Erweiterungen mit ABAP-Programmierung, Datenbankzugriff und integriertem Erweiterungsframework sind hier schlichtweg nicht möglich.

Die Faustformel, die Sie also bei Ihrer Entscheidung anwenden können, lautet:

  • Standardisierung = Cloud,
  • Individuelle Erweiterungen = On-Premises

Sie merken es – bei der Vorbereitung auf eine Einführung von S/4HANA gibt es einiges zu beachten. Dabei gilt es, nicht den Überblick zu verlieren und die Bedürfnisse Ihres Unternehmens im Auge zu behalten. Brauchen Sie dabei Unterstützung? Sehen Sie sich gerne unser Angebot zum S/4HANA Cloud Assessment an.

SAP S/4HANA Cloud Assessment

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FAQ

Was ist SAP S/4HANA Cloud?

SAP s/4HANA Cloud ist die neueste Version des ERP von SAP als Cloud-Version.

Was ist ein Cloud-ERP?

Ein Cloud-ERP beschreibt ein ERP, welches nicht lokal auf Servern des eigenen Unternehmens betrieben wird, sondern (teilweise oder komplett) über Cloud-Dienste.

Was ist RISE with SAP?

Unter dem Label „RISE with SAP S/4HANA Cloud“ bietet SAP seinen Kunden die Cloud-Variante der ERP-Lösung in einem neuen Betriebsmodell und zwei verschiedenen Varianten an.



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