Was bedeutet Clean Core eigentlich für Ihre Schnittstellen? Lange fehlte darauf eine eindeutige Antwort. Mit SAP-Hinweis 3690029 schafft SAP nun mehr Klarheit. Gängige Integrationstechnologien werden den Clean-Core-Levels A bis D zugeordnet. Damit können Sie bestehende Schnittstellen besser bewerten und neue Integrationen gezielter planen.
Das Wichtigste im Überblick
- Neue Bewertung: SAP-Hinweis 3690029 ordnet Integrationstechnologien erstmals gezielt den Clean-Core-Levels A bis D zu.
- Level A ist das Zielbild: Moderne, Cloud-fähige APIs und Integrationsansätze stehen strategisch im Vordergrund, klassische Technologien erhalten häufig niedrigere Level.
- Bestehende Schnittstellen sind nicht automatisch schlecht: Ein niedrigeres Level bedeutet nicht, dass Sie jede funktionierende Integration sofort ersetzen müssen.
- Seit Juli 2026 gilt der Blick auch der Datenintegration: Sie müssen Clean Core und die SAP API Policy als zwei getrennte Governance-Dimensionen betrachten.
Wir entwickeln mit Ihnen eine zukunftsfähige Integrationslösung, die SAP-Cloud, On-Premise und Non-SAP-Systeme sauber verbindet – für stabile, wartbare und langfristig effiziente Schnittstellen.
Warum Clean-Core-Schnittstellen jetzt stärker in den Fokus rücken
Clean-Core-Klassifikationen bezogen sich bisher auf Eigenentwicklungen und Erweiterungen in SAP S/4HANA. Doch damit Integrationen beeinflussen entscheidend mit, wie wartbar, flexibel und transformationsfähig Ihre SAP-Landschaft ist. Bisher fehlte allerdings eine eindeutige Einstufung von Schnittstellentechnologien.
Das ändert sich mit SAP-Hinweis 3690029: SAP bewertet Integrationstechnologien nun anhand der Clean-Core-Level A bis D. Dabei berücksichtigt SAP unter anderem, wie Cloud-fähig eine Technologie ist und ob sie zur strategischen Integrationsarchitektur passt.
Unternehmen können ihre vorhandenen Schnittstellen so besser bewerten und bei neuen Integrationen gezielt Technologien einsetzen, die langfristig tragfähig sind. Besonders relevant ist das bei einer Migration auf SAP S/4HANA oder beim Wechsel in die Cloud. Denn nicht jede Schnittstellentechnologie wird in allen zukünftigen SAP-Betriebsmodellen gleichermaßen unterstützt.
Wenn Sie einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten benötigen, lohnt sich unsere SAP-Schnittstellen-Übersicht.
Was bedeuten die Clean-Core-Level A bis D für Schnittstellen?
SAP bewertet Integrationstechnologien anhand ihrer Cloud-Fähigkeit sowie ihrer Ausrichtung an modernen Integrationsstandards.
Die vier Level lassen sich vereinfacht so einordnen:
- Level A: Strategische, moderne und Cloud-fähige Integrationstechnologien. Für neue Integrationen sollten Sie nach Möglichkeit eine passende Lösung aus dieser Kategorie einsetzen.
- Level B: Etablierte Technologien, die weiterhin funktionieren, allerdings nicht vollständig dem strategischen Cloud-Zielbild entsprechen.
- Level C: Legacy-Technologien ohne geeigneten Cloud-Migrationspfad. Sie kommen vor allem in klar begrenzten On-Premises-Szenarien infrage.
- Level D: Technologien, die Sie für neue Integrationen vermeiden sollten.
Wichtig ist dabei: Der Buchstabe allein entscheidet noch nicht darüber, ob eine konkrete Schnittstelle sinnvoll oder problematisch ist. Sie müssen immer den Anwendungsfall, Ihre Zielarchitektur und die Lebensdauer der Integration berücksichtigen.


Was bedeutet das für IDoc, RFC und SOAP?
Gerade bei etablierten SAP-Landschaften stellt sich schnell die Frage: Müssen bewährte Technologien wie IDoc oder RFC jetzt ersetzt werden? Die Antwort lautet Nein. Zumindest nicht pauschal.
Viele klassische Technologien landen im Bereich B oder C, weil sie beispielsweise nicht vollständig in SAP S/4HANA Cloud Public Edition unterstützt werden oder nicht dem aktuellen strategischen Integrationsansatz entsprechen. So wird etwa IDoc über HTTPS dem Level B zugeordnet, während IDoc über RFC im Level C liegt. Auch BAPI-Aufrufe über RFC sowie SOAP-Wrapper für BAPIs werden dem Level B zugeordnet.
Wichtig dabei: Nicht allein der fachliche Schnittstellentyp bestimmt die Clean-Core-Einstufung. Auch der Übertragungsweg und die technische Umsetzung spielen eine Rolle.
IDocs sind deshalb keineswegs grundsätzlich nicht Clean Core-konform. Gerade bei bestehenden, stabilen Szenarien können sie weiterhin sinnvoll sein. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag „IDoc in SAP S/4HANA: Was ändert sich?“.
Müssen Sie jetzt alle Level-B- und Level-C-Schnittstellen modernisieren?
Eine komplette Ablösung allein aufgrund des Clean-Core-Levels wäre in vielen Fällen weder wirtschaftlich noch sinnvoll. SAP beschreibt zwei grundlegende Bewegungsrichtungen: Mit „Stay clean“ sollten Sie bei neuen Integrationen möglichst das höchste verfügbare Level wählen. Unter „Get clean“ können Sie bestehende Integrationen schrittweise in Richtung eines höheren Levels entwickeln.
Für Ihre Integrationsstrategie bedeutet das beispielsweise:
- Prüfen Sie zunächst, welche Schnittstellen Sie tatsächlich im Einsatz haben und wie geschäftskritisch diese sind.
- Dokumentieren Sie deren Technologie, Protokolle, Abhängigkeiten und Clean-Core-Level.
- Priorisieren Sie Integrationen, bei denen ohnehin Veränderungen, Migrationen oder größere Releases anstehen.
- Prüfen Sie bei neuen Anforderungen zuerst freigegebene APIs, Events und moderne Integrationsservices, bevor Sie weitere klassische Schnittstellen aufbauen.
Seit Juli 2026: Datenintegration gehört ebenfalls zur Clean-Core-Bewertung
Mit dem Update von SAP-Hinweis 3690029 im Juli 2026 hat SAP das Modell deutlich erweitert. Die Klassifikation umfasst inzwischen auch Technologien für die Datenintegration. Dabei reicht das Spektrum von strategischen Ansätzen rund um SAP Business Data Cloud bis hin zu klassischen Extraktionsverfahren. Gleichzeitig stellt SAP klar, dass Clean Core und die SAP API Policy nicht dasselbe sind.
Eine Technologie kann also aus Clean-Core-Sicht akzeptabel sein und trotzdem Anforderungen der API Policy nicht erfüllen. Deshalb sollten Sie beide Kriterien getrennt prüfen.
Diese Entwicklung zeigt, dass Clean Core längst über reine ABAP-Erweiterungen hinausgeht. SAP betrachtet mittlerweile Prozesse, Daten, Erweiterungen, Betrieb und Integration als zusammenhängende Bestandteile einer langfristig wartbaren ERP-Landschaft. Das neue Clean-Core-Integration-Whitepaper stellt dafür unter anderem Architekturprinzipien, Governance, Modernisierung und Kennzahlen in einen gemeinsamen Kontext.


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Fazit: Clean-Core-Schnittstellen brauchen Strategie
SAP-Hinweis 3690029 gibt Ihnen erstmals einen klareren Rahmen, um Clean-Core-Schnittstellen systematisch zu bewerten. Dabei geht es jedoch nicht darum, IDoc, RFC oder SOAP reflexartig aus Ihrer Landschaft zu entfernen.
Entscheidend ist vielmehr, dass Sie Transparenz schaffen: Welche Integrationen nutzen Sie? Welches Clean-Core-Level haben diese? Welche Integrationen davon benötigen Sie langfristig und wo bietet sich bei ohnehin anstehenden Veränderungen eine Modernisierung an?
Sie möchten Ihre SAP-Schnittstellen auf Clean-Core-Fähigkeit prüfen oder eine zukunftsfähige Integrationsstrategie entwickeln? Sprechen Sie mit unseren SAP-Integrationsexperten. Gemeinsam identifizieren wir Modernisierungspotenziale und entwickeln einen realistischen Weg von Ihrer heutigen Landschaft zur Zielarchitektur.
FAQ
Was sind Clean-Core-Schnittstellen?
Clean-Core Schnittstellen sind Integrationen, die möglichst eng an den von SAP vorgesehenen Standards und strategischen Technologien ausgerichtet sind. Ziel ist eine wartbare und transformationsfähige Systemlandschaft, in der Integrationen zukünftige Releases und Cloud-Szenarien möglichst wenig behindern.
Sind IDocs noch Clean Core?
Ja, IDocs können weiterhin mit Clean Core vereinbar sein. Entscheidend ist jedoch die konkrete Umsetzung. SAP unterscheidet beispielsweise zwischen unterschiedlichen Übertragungswegen. Außerdem bedeutet ein Level B nicht, dass eine bestehende IDoc-Schnittstelle sofort ersetzt werden muss.
Was ist der Unterschied zwischen Clean-Core-Level A und B?
Level A umfasst strategische, moderne und Cloud-fähige Technologien. Level B bezeichnet weiterhin nutzbare und etablierte Ansätze, die jedoch Einschränkungen hinsichtlich Cloud-Fähigkeit oder moderner Integrationsstandards besitzen. Für neue Entwicklungen empfiehlt es sich deshalb, zunächst nach einer geeigneten Level-A-Option zu suchen.
Gilt Clean Core nur für Schnittstellen zu SAP S/4HANA Cloud?
Nein. Das Konzept hilft Ihnen auch dabei, bestehende On-Premises- und Private-Cloud-Landschaften auf ihre langfristige Entwicklungsfähigkeit zu prüfen. Besonders relevant wird die Bewertung jedoch dann, wenn Sie eine Cloud-Transformation planen oder neue Integrationen entwickeln.
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Alexander Kössner-Maier
Kundenservice
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