SAP BTP: Moderne Anwendungsentwicklung für eine Clean-Core-Strategie
Jede neue Anforderung aus dem Fachbereich landet direkt im SAP-Core. Das ist Realität in vielen Unternehmen. Was kurzfristig schneller zu Ergebnissen führt, untergräbt sukzessive die Upgradefähigkeit von Systemen. Eine Lösung: die SAP Business Technology Platform (SAP BTP). Sie hält den SAP-Kern sauber und sorgt dafür, dass Ihr IT-Team nicht nur Brände löscht, sondern wirklich gestalten kann.
Was ist SAP BTP?
Die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) ermöglicht es Unternehmen, ihre SAP-Landschaft zu erweitern, ohne deren Stabilität zu gefährden. Statt tief in den SAP-Kern einzugreifen, entstehen Erweiterungen sauber daneben – als eigenständige, cloud-native Anwendungen, die sich nahtlos integrieren.
Das Prinzip heißt Side-by-Side-Entwicklung: Neue Funktionen und Prozesse leben außerhalb des SAP-Standards, kommunizieren über APIs und bleiben bei jedem Release stabil.
Moderne Technologien für die Entwicklung von SAP Apps
- Entwickler können über die SAP BTP cloud-native Anwendungen mit modernen Technologien entwickeln: SAP CAP (Cloud Application Programming Model) für standardnahe, skalierbare Services
- ABAP Cloud / SAP RAP für Clean-Core-konforme Erweiterungen im ABAP-Umfeld
- Core Data Services (CDS) für Datenmodellierung und Service-Design
- OData-APIs für die Anbindung von UIs und Drittsystemen
Was den Unterschied macht: Keine Entwicklung ohne DevOps-Strukturen und CI/CD-Pipelines. Automatisierte Tests, kontrollierte Deployments und moderne Tools wie das SAP Business Application Studio oder Visual Studio Code sorgen dafür, dass Lösungen nicht nur heute funktionieren, sondern auch morgen noch betreibbar sind.
Die SAP BTP bietet die technologische Grundlage – doch für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es Fachwissen und Erfahrung. Unsere Berater unterstützen Sie dabei gerne.
KI-gestützte Entwicklung auf der SAP BTP
Bisher konnten Entwickler mit SAP Build Apps Low-Code/No-Code Apps erstellen, um den Weg zur funktionsfähigen Anwendung zu verkürzen. In Zukunft bietet Vibe-Coding mit KI eine noch einfachere Möglichkeit der App-Entwicklung.
Was ist Vibe-Coding?
Vibe-Coding bedeutet: Entwickler formulieren ihre Anforderungen in natürlicher Sprache, und KI-gestützte Tools generieren aus den Anweisungen automatisch den entsprechenden Code. Statt zeilenweise Code zu tippen, agieren Entwickler als konzeptuelle Impulsgeber. Sie sagen, was erreicht werden soll, die KI setzt es um.
Tools wie Cursor, Windsurf AI, GitHub Copilot oder Replit Agent nutzen große Sprachmodelle (LLMs), um Anweisungen zu verstehen und präzise Code-Vorschläge zu generieren. Dabei greifen sie auf Daten umfangreicher Code-Verzeichnisse zurück, auf denen sie trainiert wurden.
Das Potenzial für Unternehmen?
- Schnelleres Prototyping: Ideen entstehen in Stunden statt Tagen
- Weniger Syntax-Kämpfe: Fokus auf Anforderungen, nicht auf Boilerplate
- Demokratisierung der Entwicklung: Weniger erfahrene Developer können schneller produktiv mitarbeiten
- Iterative Verbesserung: Änderungen entstehen in Sekundenschnelle
Die kritische Realität: Vibe-Coding ist kein Silver Bullet
Vibe-Coding funktioniert hervorragend, um schnelle Prototypen und unkritische Funktionen zu erstellen. Für produktive, geschäftskritische Systeme braucht es aber weiterhin traditionelles Software Engineering – nicht reines Vibe-Coding. Denn der neue Ansatz birgt Risiken.
- Codequalität: KI-generierter Code ist oft unstrukturiert oder redundant, die Folge: höher Wartungsaufwand und schlechtere Anpassbarkeit.
- Sicherheitslücken: KI berücksichtigt Sicherheitsvorgaben nicht immer vollständig: Fehlende Security-Checks, SQL Injection, XSS-Anfälligkeit.
- Systemverständnis: Code ist für Entwickler schwer nachvollziehbar, was Fehlersuche, Wartbarkeit und Weiterentwicklung erschwert.
- Fehlende Tests: KI schreibt oft keinen oder nur unvollständigen Testcode. Fehler und Randfälle können dadurch unentdeckt bleiben.
- Halluzinationen: KI erfindet Abhängigkeiten oder falsche Implementierungen, was oft erst bei Tests oder im Produktivbetrieb auffällt.
Der richtige Weg: Hybrid-Ansatz
Die Zukunft der SAP-Entwicklung liegt in einem hybriden Modell:
- Vibe-Coding für schnelle Prototypen: Entwickler und technisch versierte Fachanwender können Ideen schnell validieren.
- KI-gestütztes Software Engineering für Produktion: Entwickler reviewen und optimieren KI-generierten Code.
- Klassische Methoden für kritische Systeme: Tests, Sicherheit, Architektur bleiben in der Verantwortung ausgebildeter Entwickler.
Die Integration der Cloud-Anwendungen an den SAP-Kern
Anwendungen auf der SAP BTP lassen sich über standardisierte APIs und Integrationsdienste mit SAP- und Non-SAP-Systemen verbinden. Für einfache Szenarien reichen häufig direkte OData- oder REST-Schnittstellen. Komplexere Integrationsanforderungen lassen sich mit der SAP Integration Suite zentral steuern und absichern.
Welche Funktionen bietet die SAP BTP für Integrationsszenarien?
- Cloud Integration als iPaaS-Lösung für die Anbindung von SAP- und Non-SAP-Systemen
- API Management für Governance, Sicherheit und Versionierung von Schnittstellen
- Event-basierte Integrationsmuster für reaktive und skalierbare Prozesse
- Zentrales Monitoring und Error-Handling für einen stabilen Betrieb
DevOps-Ansätze und CI/CD-Pipelines können die kontrollierte Bereitstellung und Weiterentwicklung von Integrationsszenarien unterstützen.


Benutzerfreundliche Anwendungen mit SAP Fiori
Technisch hochwertige Anwendungen nützen wenig, wenn sie von Nutzern nicht effizient genutzt werden können. Die SAP BTP bietet die technischen Grundlagen, um moderne, intuitive Anwendungsoberflächen zu entwickeln. Unternehmen profitieren von einer konsistenten User Experience, kürzeren Einarbeitungszeiten und einer höheren Akzeptanz neuer Lösungen.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Neu- und Weiterentwicklung von SAP-Fiori-Anwendungen für Cloud- und On-Premise-Systeme
- Entwicklung moderner Benutzeroberflächen mit SAPUI5 und Fiori Elements
- Erweiterung bestehender Geschäftsprozesse durch rollenbasierte Apps
- Integration von SAP- und Non-SAP-Anwendungen in ein einheitliches Nutzungserlebnis
- Performance-Optimierung und Modernisierung bestehender UI-Anwendungen
BTP in der Praxis: Umsetzung der Clean-Core-Strategie
Ein Elektronikunternehmen mit rund 22.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 3,6 Milliarden Euro hat den technologischen Wandel von SAP R/3 zu S/4HANA erfolgreich gemeistert. Die Umstellung erforderte eine komplette Neuausrichtung der Entwicklungsstrategie hin zu Cloud-Technologien. Dabei spielte die SAP BTP eine Schlüsselrolle.
Projektvorgehen
- Das Unternehmen beseitigte eine Vielzahl historischer, undokumentierter Eigenentwicklungen.
- Es entwickelte eine Clean-Core-Guideline, basierend auf Clean ABAP, RAP, CAP und Fiori Elements.
- Die Entwicklungsumgebung auf der SAP Business Technology Platform (BTP) wurde mithilfe von SAP Business Application Studio (BAS) aufgebaut, Prozesse werden durch Git gesteuert.
- Erweiterungsszenarien wurden über standardisierte Frameworks implementiert.
- Die SAP GUI wurde durch modernen SAPUI5-Oberflächen abgelöst.
- Ein standardisiertes Framework zur Qualitätssicherung stellt die Nachvollziehbarkeit und Governance der Entwicklungen sicher.
Ergebnisse
Durch die strategische Neuausrichtung konnte das Unternehmen seine Prozesse zukunftssicher gestalten.
- Prozesse wurden auf Basis des SAP-Standards vereinheitlicht.
- Prozesse laufen jetzt unternehmensübergreifend effizient ab.
- SAP Fiori sichert eine moderne Benutzererfahrung.
- Es wurde eine skalierbare und strukturierte Dokumentation aufgebaut.
Die SAP BTP entfaltet ihren Wert erst mit der richtigen Strategie
Unternehmen, die SAP BTP ohne durchdachte Strategie einsetzen, gewinnen wenig. Ihren Mehrwert für Flexibilität, Wartbarkeit und Skalierbarkeit entfaltet die Plattform nur, wenn saubere Architekturen, moderne Entwicklungsprozesse und ein genaues Verständnis von Core und Erweiterung zusammenkommen.
Die Integration von Vibe-Coding beschleunigt Entwicklungsprozesse zusätzlich. Allerdings nur, wenn es richtig eingesetzt wird: für schnelle Prototypen und unkritische Funktionen, nicht als Ersatz für professionelles Software Engineering.
FAQs
1. Was ist die SAP Business Technology Platform (SAP BTP)?
Die SAP BTP ist eine modulare Plattform, die Unternehmen ermöglicht, ihre SAP-Landschaft strategisch zu erweitern, ohne den SAP-Core zu gefährden. Die Plattform unterstützt die Entwicklung von cloud-nativen Anwendungen, die sich nahtlos mit dem ERP-System verbinden lassen und auch bei Release-Wechseln stabil bleiben.
2. Was bedeutet Side-by-Side-Entwicklung?
Side-by-Side-Entwicklung bezieht sich auf die Erstellung neuer Funktionen und Prozesse außerhalb des SAP-Standards. Diese sind eigenständig, kommunizieren über APIs und bleiben bei jedem Release stabil, was die Flexibilität und Upgrade-Fähigkeit des SAP-Kernsystems erhöht.
3. Wie unterstützt SAP BTP die Anwendungsentwicklung?
SAP BTP bietet moderne Technologien wie SAP CAP, ABAP Cloud, Core Data Services und OData-APIs. Diese ermöglichen die Entwicklung skalierbarer und standardnaher Anwendungen, unterstützt durch DevOps-Strukturen und CI/CD-Pipelines für kontinuierliche Integration und Delivery.
4. Was ist Vibe-Coding und wie wird es in SAP BTP genutzt?
Vibe-Coding ist ein Ansatz, bei dem Entwickler Anforderungen in natürlicher Sprache formulieren. KI-gestützte Tools generieren aus den Anweisungen den entsprechenden Code. Dies ermöglicht schnelleres Prototyping und erleichtert weniger erfahrenen Entwicklern den Zugang zur Anwendungsentwicklung, da sie sich auf die Konzeption fokussieren können.




