Wer sich mit den Middleware-Lösungen von SAP beschäftigt, stößt schnell auf ähnlich klingende Begriffe: XI, PI, PO, Cloud Integration und Integration Suite. Doch wie hängen diese Lösungen zusammen und welche Rolle spielen SAP PI und SAP PO heute noch? Dieser Beitrag ordnet die verschiedenen Generationen ein und zeigt, warum Unternehmen ihre bestehende Integrationslandschaft frühzeitig auf die SAP Integration Suite ausrichten sollten.

Das Wichtigste im Überblick

  • SAP XI: Die frühere Middleware-Lösung bildete die technische Grundlage für SAP Process Integration.
  • SAP PI und SAP PO: Beide Lösungen unterstützen weiterhin zahlreiche geschäftskritische Integrationen in On-Premises-Landschaften.
  • Wartung: Für die auf SAP NetWeaver 7.5 basierenden PI- und PO-Systeme läuft die Mainstream Maintenance bis Ende 2027. Optional ist eine Extended Maintenance bis Ende 2030 möglich.
  • Strategisches Zielbild: SAP positioniert die SAP Integration Suite als moderne Integrationsplattform. Cloud Integration ist eine zentrale Fähigkeit innerhalb dieser Suite.

Was ist eine Middleware?

Eine Middleware ist ein Service, eine Software oder ein System, das Nachrichten zwischen einem Absender und einem Empfänger vermittelt. Sie arbeitet in der Regel unabhängig von den beteiligten Anwendungen und ermöglicht mithilfe verschiedener Techniken einen flexiblen Nachrichtenfluss innerhalb der Systemlandschaft.

Mit einer Middleware verbinden und integrieren Sie Geschäftsprozesse innerhalb Ihres Unternehmens oder über Unternehmensgrenzen hinweg. Ein typisches Beispiel ist die Verbindung des Beschaffungsprozesses von Unternehmen A mit dem Bestelleingangsprozess von Unternehmen B.

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Funktionen einer Middleware

Die Funktionalitäten einer Middleware kann in fünf Kernbereiche unterteilt werden:

  1. Connectivity: Verschiedene Adapter und Protokolle ermöglichen es der Middleware, mit unterschiedlichen Systemen zu kommunizieren und Nachrichten auszutauschen.
  2. Transformation: Häufig muss die Middleware Nachrichten vor der Übermittlung aufbereiten. Mapping-Funktionen bringen die Inhalte dafür in das benötigte Zielformat.
  3. Routing: Mithilfe des Routings konfigurieren Sie Nachrichtenpfade vom Absender zu einem oder mehreren Empfängern. Regelbasiertes Routing kann den passenden Empfänger dynamisch anhand des Nachrichteninhalts bestimmen.
  4. Workflows: Mehrere Prozessschritte zwischen Nachrichteneingang und -versand lassen sich zu Workflows oder orchestrierten Abläufen verbinden.
  5. Monitoring: Über das Monitoring überwachen Sie den Nachrichtenfluss, erkennen fehlerhafte Übermittlungen und analysieren technische Probleme.

SAP XI – Der erste Schritt in Richtung Prozessintegration

Mit SAP Exchange Infrastructure, kurz SAP XI, brachte SAP Anfang der 2000er-Jahre eine eigene Middleware auf den Markt. SAP XI lief auf einem Dual-Stack, der aus einem ABAP- und einem Java-Application-Stack bestand. Die Lösung besteht aus drei sogenannten Engines, die Ihnen eine Prozessintegration inner- und außerhalb der SAP-Landschaft ermöglichen:

  1. Adapter Engine: Hier erhalten Sie eine Palette verschiedener Adapter für die Anbindung der Sender- und Empfänger-Systeme.
  2. Integration Engine: Diese Engine ist zuständig für die Transformation der Nachrichten und das Routing zwischen Sender und Empfänger.
  3. Business Process Engine: Das sind ccBPM (Cross Component Business Process Management) modellierte Workflows, die auf BPEL (Business Process Execution Language) basieren.

SAP PI & SAP PO – Die Nachfolger-Lösungen

SAP-PO-Struktur

Abb. 1: So sind die Lösungen unter SAP PO strukturiert.

Aus SAP XI entwickelte SAP die Lösung SAP Process Integration, kurz SAP PI. Mit SAP NetWeaver PI 7.0 führte SAP den neuen Produktnamen ein und entwickelte die vorhandenen Integrationsfunktionen weiter.

Die Advanced Adapter Engine, kurz AAE, kam mit SAP PI 7.1 hinzu. Sie konnte Nachrichten lokal verarbeiten und dabei Mapping, Routing und Adapterkommunikation übernehmen, ohne für jeden Verarbeitungsschritt die ABAP-basierte Integration Engine einzubeziehen. Dadurch ließen sich bestimmte Integrationsszenarien effizienter ausführen. Die Integration Engine blieb dennoch für Funktionen und Adapter erforderlich, die die Advanced Adapter Engine zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterstützte.

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SAP PI 7.30 – Neue Optionen für die Architektur

Mit SAP PI 7.30 führte SAP die Advanced Adapter Engine Extended, kurz AEX, als zusätzliche Installationsoption ein. Die AEX lief vollständig auf dem Java-Stack und bündelte die technischen Funktionen für die Nachrichtenverarbeitung sowie die benötigten Design- und Konfigurationswerkzeuge.

Das bedeutete jedoch nicht, dass SAP PI 7.30 grundsätzlich nur noch auf Java lief. Unternehmen konnten weiterhin klassische PI-Installationen mit ABAP- und Java-Komponenten einsetzen.

Die Java-basierte AEX konzentrierte sich auf technische Integrationsszenarien. Das bisherige ccBPM stand in dieser Installationsvariante nicht zur Verfügung. Für die Modellierung und Ausführung umfangreicher Geschäftsprozesse setzte SAP stattdessen auf das Java-basierte SAP NetWeaver Business Process Management.

SAP PO – Der erste Werkzeugkasten für Prozessintegration

SAP Process Orchestration ist seit dem Release in 2011 das Flaggschiff der SAP, wenn es um On-Premises-Middleware geht. Wie auch SAP PI 7.30 läuft SAP PO auf einem Java Stack ohne ABAP Komponente. SAP PO besteht wieder aus drei eigenständigen Engines, die unterschiedliche Ziele verfolgen:

  1. Advanced Adapter Engine Extended (AEX): Sie übernimmt die technische Integration, beispielsweise die Konvertierung, Weiterleitung und Übermittlung von Nachrichten.
  2. NetWeaver Business Process Management (NW BPM): Damit modellieren, automatisieren und überwachen Unternehmen Geschäftsprozesse auf Basis von BPMN.
  3. NetWeaver Business Rule Management (NW BRM): Damit bilden Unternehmen Geschäftsregeln ab und automatisieren regelbasierte Entscheidungen.

SAP PO ist somit mehr als eine Middleware für den reinen Nachrichtenaustausch. Die Lösung kombiniert technische Integration mit Prozess- und Regelmanagement. SAP PI beziehungsweise die Advanced Adapter Engine Extended bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil von SAP PO.

SAP PI und SAP PO sind weiterhin in vielen Unternehmen im Einsatz. Für die auf SAP NetWeaver 7.5 basierenden Versionen läuft die Mainstream Maintenance bis Ende 2027. Anschließend bietet SAP optional eine Extended Maintenance bis Ende 2030 an.

Diese Termine markieren das Ende der jeweiligen Wartungszeiträume. Bestehende Systeme stellen ihren Betrieb danach nicht automatisch ein. Allerdings steigen ohne reguläre Wartung die Risiken hinsichtlich Sicherheit, Kompatibilität und Support.

Unternehmen sollten deshalb bereits heute eine belastbare Migrationsstrategie entwickeln. Eine Neuimplementierung von SAP PI oder SAP PO empfiehlt sich nur noch in gut begründeten Ausnahmefällen.

SAP Integration Suite als strategisches Zielbild

SAP positioniert die SAP Integration Suite als strategische Integrationsplattform für moderne und hybride Systemlandschaften. Sie ist eine Integration Platform as a Service, kurz iPaaS, und umfasst neben Cloud Integration weitere Fähigkeiten wie API Management, Event Mesh, Integration Advisor und Trading Partner Management.

Die SAP Integration Suite ist daher nicht lediglich eine technische Neuauflage von SAP PO. Sie deckt ein breiteres Spektrum an Integrationsszenarien ab und unterstützt unter anderem klassische Nachrichtenintegrationen, APIs, Ereignisse und B2B-Szenarien.

Für Unternehmen mit bestehenden PI- oder PO-Landschaften bedeutet das: Sie sollten nicht jede Schnittstelle ungeprüft eins zu eins übertragen. Stattdessen empfiehlt es sich, das vorhandene Integrationsportfolio zu bewerten, nicht mehr benötigte Schnittstellen zu entfernen und verbleibende Szenarien passend zur zukünftigen Architektur neu einzuordnen.

Migration Assessment und Migration Tooling

Für den Übergang von SAP PI beziehungsweise SAP PO zur Integration Suite stellt SAP verschiedene Hilfsmittel bereit. Das Migration Assessment analysiert bestehende Integrationsszenarien und hilft dabei, den technischen Migrationsaufwand einzuschätzen. Unternehmen erhalten dadurch einen besseren Überblick darüber, welche Schnittstellen sich vergleichsweise einfach migrieren lassen und welche Szenarien zusätzliche Arbeit erfordern.

Das Migration Tooling kann unterstützte Integrationsobjekte mithilfe definierter Migrationsmuster in Artefakte für Cloud Integration überführen. Allerdings handelt es sich nicht um eine vollständig automatische Migration. Welche Bestandteile sich übertragen lassen, hängt unter anderem von den verwendeten Adaptern, Mappings, Funktionen und Integrationsmustern ab. Einige Objekte müssen Unternehmen nach der Übertragung manuell anpassen oder vollständig neu entwickeln.

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Fazit

SAP XI bildete die Grundlage für SAP PI, während SAP PO technische Integration mit Prozess- und Regelmanagement verband. Heute richtet SAP seine Integrationsstrategie auf die SAP Integration Suite aus, in der Cloud Integration eine zentrale Rolle übernimmt. Für Unternehmen mit SAP PI oder SAP PO besteht dennoch kein Grund für eine überstürzte Migration. Entscheidend ist vielmehr, rechtzeitig Transparenz über vorhandene Schnittstellen, Abhängigkeiten und technische Besonderheiten zu schaffen.

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Dieser Artikel wurde bereits im Juni 2025 veröffentlicht und am 06. August 2026 mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen SAP PI und SAP PO?

SAP PI verbindet Systeme und verarbeitet Nachrichten. SAP PO ergänzt diese Funktionen um Prozess- und Regelmanagement.

Können Unternehmen SAP PI und SAP PO nach 2027 weiter nutzen?

Ja. Die Systeme werden nicht automatisch abgeschaltet. Allerdings endet die Mainstream Maintenance 2027, die optionale Extended Maintenance 2030.

Ist SAP Cloud Integration der Nachfolger von SAP PI?

Cloud Integration übernimmt viele Aufgaben von SAP PI und ist eine zentrale Funktion innerhalb der SAP Integration Suite.

Lassen sich alle Schnittstellen automatisch migrieren?

Nein. Das Migration Tooling unterstützt nur bestimmte Szenarien. Viele Schnittstellen benötigen Anpassungen oder eine Neuentwicklung.