Ingo Biermann
15. April 2026

Fiori-Apps als Ergänzung in S/4HANA: Cherry Picking, das wirklich wirkt

SAP Fiori-Apps als Ergänzung

In vielen Unternehmen ist Fiori technisch vorhanden, sie arbeiten aber weiter überwiegend in der SAP GUI. Das ist kein Fehler, oft ist es sogar der einfachste Start. Entscheidend ist nur, dass Sie Fiori nicht zufällig nebenherlaufen lassen, sondern gezielt dort einsetzen, wo es Ihren Anwendern sofort hilft. Wie Sie dabei vorgehen können und welche 5 Apps sich für viele Unternehmen besonders gut als Ergänzung eignen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ansatz: Sie bleiben in der SAP GUI und ergänzen einzelne Fiori Apps dort, wo sie spürbar Zeit sparen oder bessere Transparenz liefern.
  • Erfolgsfaktor: Jede App muss für sich stehen und ohne Fiori-Gesamtumbau einen klaren Mehrwert liefern.
  • Vorgehen: Sie suchen im Fiori App-Katalog, wählen Leuchtturm-Apps, testen in Demo-Rollen und übernehmen dann sauber in Produktivrollen.
  • Quick Wins: Mit wenigen, gut ausgewählten Apps (z. B. myInbox, Analyse-Dashboards, mobile Wareneingänge) bekommen Sie schnell Akzeptanz, ohne großes Einführungsprojekt.

Was heißt Fiori als Ergänzung konkret?

Beim Ergänzungsansatz bleiben Ihre Nutzer in der SAP GUI. Sie ergänzen gezielt einzelne Fiori Apps für Freigaben, Übersichten, Analysen oder mobile Schritte. Den Aufruf starten Sie direkt aus der GUI oder aus Workflows und E-Mails. Weil Sie nur Apps auswählen, die sofort helfen, sprechen wir häufig von Cherry Picking. Jede App muss für sich Mehrwert liefern. Im ERP ist das der Standardweg, in S/4HANA oft der schnellste Einstieg.

Vom ersten Interesse zur klaren Entscheidung: In einem kompakten, moderierten Roadshow-Format machen wir für Sie die zentrale Arbeitsoberfläche in Fiori (häufig als „Fiori Workplace“ bezeichnet) greifbar, schaffen Akzeptanz in den Fachbereichen und verabschieden einen tragfähigen Rollout-Plan mit klaren Mehrwerten.

So führen Sie Fiori pragmatisch pro App ein

Damit Cherry Picking nicht zur Bauchentscheidung wird, brauchen Sie ein wiederholbares Vorgehen. Sie arbeiten App für App und halten den Prozess bewusst lösungsorientiert.

1. Starten Sie im Fiori App-Katalog

Suchen Sie im Fiori-App-Katalog nach Apps für Ihre Fachbereiche (z. B. Einkauf, Supply Chain, Finance, HR). Achten Sie dabei darauf, dass die App zu Ihrer S/4HANA-Version passt und tatsächlich für Ihr Szenario gedacht ist.

2. Wählen Sie Leuchtturm-Apps und Best Practices

Starten Sie nicht bei netten Extras, sondern bei Apps, die sich in Projekten immer wieder bewähren. Typische Kandidaten sind Freigaben, Inbox-Themen, Analyse-Apps, mobile Lager-/Shopfloor-Prozesse und klare Self-Services.

3. Nutzen Sie „Ausprobieren und Auswählen“

Diskutieren Sie nicht wochenlang über Screenshots. Aktivieren Sie Kandidaten früh, lassen Sie Key User 30–60 Minuten damit arbeiten und entscheiden Sie danach.

4. Aktivieren Sie zuerst in Demo-Rollen

Schalten Sie die Apps zunächst in Demo-Rollen frei. So prüfen Sie schnell:

  • Versteht der Nutzer die App ohne Erklärung?
  • Ist die Performance im Alltag okay?
  • Passt die App wirklich zum Prozessschritt?

5. Für den Go-live: Berechtigungen sauber in Produktivrollen übernehmen

Wenn eine App überzeugt, übertragen Sie sie sauber in die aktiven Benutzerrollen.

  • Halten Sie fest, wer die App bekommt.
  • Definieren Sie, wann die App genutzt wird (Prozessschritt).
  • Klären Sie, ob die App ersetzen oder nur ergänzen soll.

So stellen Sie sicher, dass es pro Aufgabe einen klaren Weg gibt und sich keine Doppelstrukturen einschleichen. Welche Apps sich für diesen Start erfahrungsgemäß besonders bewähren, stelle ich Ihnen als Nächstes vor.

In diesem Webinar lernen Sie die zwei Varianten der Fiori-Nutzung in S/4HANA kennen und erfahren, wie Sie Fiori in Ihrem S/4HANA-System einführen.

Top 5 Fiori Apps als Ergänzung

Die folgenden fünf Apps funktionieren in der Praxis besonders gut als Ergänzung. Sie liefern eigenständig Nutzen, sind schnell erklärbar und eignen sich für einen schrittweisen Rollout.

1) Fiori myInbox

Wofür nutzen Sie die App?

Sie bearbeiten Aufgaben aus der bekannten Workflow-Inbox direkt in Fiori. In vielen Unternehmen ist das der schnellste Weg, Freigaben komfortabler zu machen.

Besonderheiten

  • Sie nutzen die App mobil oder einfach im Browser.
  • Sie eignet sich besonders für Freigaben.

Zielgruppe

  • Manager und Entscheider, weil die App leicht zu bedienen ist.

Rollout-Tipp:

Starten Sie mit einer Freigabe-Art (z. B. Bestellungen). So zeigen Sie schnell Wirkung und halten die Komplexität niedrig.

2) Analyse-App: Liefertreue

Wofür nutzen Sie die App?

Sie bekommen ein Dashboard zur Analyse der Liefertreue über die Zeit, inklusive KPIs und Trends.

Besonderheiten

  • Sie sehen schnell, wo die Probleme liegen, und drillen bis in die Position.
  • Sie kombiniert verschiedene Fakten und erleichtert die Ursachenanalyse.

Zielgruppe

  • Supply-Chain- und Fachbereichsverantwortliche, die gezielt Maßnahmen ableiten wollen.

Rollout-Tipp:

Klären Sie vorab, welche KPI-Definitionen bei Ihnen gelten. Dann vermeiden Sie Diskussionen über Zahlen statt über Maßnahmen.

3) Meine Abwesenheitsanträge

Wofür nutzen Sie die App?

Sie liefern eine Self-Service-Übersicht für Abwesenheiten inklusive Anspruch, geplant, verbraucht und offen. Nutzer sehen Anträge als Kalender oder Liste.

Besonderheiten

  • Sie funktioniert mobil oder einfach im Browser.

Zielgruppe

  • End User (breiter Rollout möglich).

Rollout-Tipp:

Kommunizieren Sie den Nutzen ganz konkret („Ich sehe meinen Anspruch sofort“). Das erhöht Akzeptanz spürbar.

SAP Fiori

E-Book: SAP Fiori

Wir erklären Ihnen, wie SAP Fiori in die SAP-Systemlandschaft einzuordnen ist und was die Technologie auszeichnet.

4) Wareneingangs-App

Wofür nutzen Sie die App?

Sie buchen Wareneingänge mobil. Ihre Lager- oder Logistikteams finden Belege und führen den Wareneingang in wenigen Klicks aus.

Besonderheiten

  • Optimiert für den Shopfloor.
  • Funktioniert mobil oder im Browser.
  • Unterstützt Barcode-Scan.

Zielgruppe

  • Logistik-Experten vor Ort.

Rollout-Tipp:

Starten Sie in einem Lagerbereich oder einer Warengruppe. Dann testen Sie Geräte, Scanner und Empfangsbedingungen im echten Alltag.

5) Custom Code Migration

Wofür nutzen Sie die App?

Sie nutzen ein IT-Werkzeug für Entwickler und Systemverantwortliche, das Ihnen einen schnellen Überblick über Custom-Code-Findings gibt.

Besonderheiten

  • Übersicht über alle Custom-Code-Findings.
  • Sie springen direkt in den Custom Code, um Quick Fixes anzulegen oder selbst zu editieren.

Zielgruppe

  • Entwickler, Architekten und technische Verantwortliche.

Rollout-Tipp:

Nutzen Sie die App als gemeinsames Cockpit für Priorisierung. So sprechen Fach- und IT-Seite schneller über dieselben Hotspots.

Fazit: Mit Cherry Picking holen Sie Fiori schnell in den Alltag

Der Ergänzungsansatz ist ideal, wenn Sie schnell Nutzen zeigen wollen, ohne direkt den kompletten Arbeitsplatz umzubauen. Sie wählen wenige, starke Apps aus, testen und rollen sie sauber über Rollen aus. Wenn Sie hier starten wollen: Wählen Sie einen Bereich (z. B. Freigaben, Supply Chain oder Lager) und identifizieren Sie 5–10 App-Kandidaten. Wenn Sie möchten, unterstützen wir Sie beim App-Scoping, beim Rollen-/Berechtigungskonzept und beim Rollout, damit aus ein paar Apps ein planbarer Mehrwert wird.

FAQ

1) Brauche ich für Cherry Picking direkt ein komplettes Fiori Launchpad-Projekt?

Nein. Sie können mit wenigen Apps starten, wenn Sie diese sauber aktivieren und in Rollen abbilden. Wichtig ist, dass Sie pro App klar festlegen, wer sie nutzt und in welchem Prozessschritt sie greift.

2) Wie viele Apps sollte ich am Anfang ausrollen?

Starten Sie lieber klein. Mit 5–10 Apps pro Bereich behalten Sie den Überblick, können Akzeptanz messen und vermeiden, dass Nutzer zwischen zu vielen Optionen wechseln.

3) Wie verhindere ich, dass GUI und Fiori sich doppeln und Nutzer verwirren?

Definieren Sie pro Aufgabe einen Standardweg. Kommunizieren Sie ihn, passen Sie Favoriten/Links entsprechend an und nehmen Sie doppelte Einstiege nach einer Übergangszeit konsequent heraus.

4) Was ist der häufigste Stolperstein bei der Einführung pro App?

Rollen und Berechtigungen werden unterschätzt. Wenn die App nicht zuverlässig für die richtigen Nutzer verfügbar ist, sinkt die Akzeptanz schnell. Bauen Sie deshalb früh eine Test-/Demo-Rolle auf und übernehmen Sie dann sauber in Produktivrollen.

 

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie mich!





Kontaktieren Sie uns!
Alexander Koessner-Maier
Alexander Kössner-Maier Kundenservice