Ingo Biermann
22. Mai 2026

Vibe Coding: Wenn Ideen schneller zu Software werden

Vibe Coding klingt nach Hype. Tatsächlich steckt dahinter aber ein Wandel, der die Softwareentwicklung spürbar verändert: Nutzer beschreiben in natürlicher Sprache, was eine Anwendung tun soll, und KI-Tools erzeugen daraus Code, Oberflächen, Tests oder sogar ganze Prototypen. Das ersetzt zwar keine saubere Softwareentwicklung, aber es verändert, wer erste digitale Lösungen bauen kann und wie schnell Ideen greifbar werden.


Das Wichtigste im Überblick

  • Definition: Bei Vibe Coding formulieren Sie Anforderungen in Alltagssprache, KI generiert daraufhin den passenden Code oder passt ihn an.
  • Tempo: Teams können Prototypen und interne Tools deutlich schneller testen.
  • Grenzen: Ohne Prüfung entstehen schnell Sicherheitslücken, schlechte Architektur oder schwer wartbarer Code.
  • Praxisnutzen: Vibe Coding entfaltet den größten Wert, wenn Fachwissen und professionelle Qualitätssicherung zusammenkommen.

Was ist Vibe Coding?

Vibe Coding beschreibt eine Arbeitsweise, bei der Entwickler Software nicht mehr Zeile für Zeile schreiben, sondern eine KI durch natürliche Sprache steuern. Statt eine Funktion manuell zu programmieren, sagen sie der KI zum Beispiel: „Erstelle ein Dashboard, das offene Kundenanfragen nach Priorität sortiert und kritische Fälle hervorhebt.“ Das KI-Tool generiert daraufhin Code, Komponenten oder sogar eine laufende Anwendung. Der Begriff wurde durch den KI-Forscher Andrej Karpathy 2025 geprägt. Er spielt darauf an, dass er beim Entwickeln mit Prompts stärker dem Gefühl (Vibe) folgt als einem starren Entwicklungsprozess.

Vibe Coding senkt die Einstiegshürden in die App-Entwicklung deutlich: Jetzt können auch Nicht-Entwickler programmieren und Entwickler Ideen schneller auf ihre Praxistauglichkeit testen. Damit eine Anwendung zuverlässig und skalierbar läuft, braucht es aber mehr als gute Prompts. Gefragt sind auch weiterhin klares Denken, saubere Architektur, Tests, Datenschutz, Betriebskonzepte und fachliche Verantwortung.

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Warum Vibe Coding gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt

Viele Unternehmen spüren denselben Druck: Fachbereiche brauchen digitale Lösungen schneller und der Bedarf an Automatisierung wächst. Gleichzeitig kämpfen IT-Teams mit vollen Backlogs und kommen mit der Umsetzung kaum nach. Vibe Coding könnte Tempo in diverse IT-Initiativen bringen. Mit KI-gestützten Entwicklungswerkzeugen können Teams erste Software-Versionen in Stunden statt Wochen erstellen. Ein Fachbereich skizziert einen Prozess, ein Entwickler prüft die technische Richtung und die KI erzeugt erste Bausteine.
Das macht Vibe Coding besonders interessant für:

  • schnelle Prototypen
  • interne Hilfswerkzeuge
  • Proofs of Concept
  • UI-Entwürfe
  • Automatisierungsideen
  • Datenvisualisierungen
  • technische Experimente

Der eigentliche Vorteil: Sie kommen schneller vom Gedanken zum Test

Vor allem in SAP– oder Salesforce-nahen Umgebungen kann Vibe Coding helfen, Ideen nicht nur schneller umzusetzen, sondern sie überhaupt erst einmal greifbar zu machen. Viele starke Verbesserungsvorschläge scheitern genau daran.

Praxisbeispiel: Lead Scoring Dashboard

Stellen Sie sich vor, Ihr Vertrieb möchte besser erkennen, welche Leads besonders dringend bearbeitet werden müssen. Früher hätte das Team Anforderungen gesammelt, ein Ticket erstellt, auf freie IT-Kapazitäten gewartet und irgendwann einen ersten Entwurf gesehen. Mit Vibe Coding kann ein interdisziplinäres Team viel früher zeigen, wie ein mögliches Lead-Scoring-Dashboard aussehen könnte.
Das Ergebnis muss nicht perfekt sein. Es muss eine Diskussion auslösen. Sehen die Nutzer die richtigen Informationen? Passt die Logik? Fehlen Felder? Fachbereiche können konkreter zeigen, was sie brauchen und Entwickler können schneller prüfen, was technisch sinnvoll ist.

Vibe Coding ist kein Freifahrtschein für ungeprüften Code

So verlockend Vibe Coding erscheint, KI-generierter Code ist nicht automatisch guter Code. Ein Tool kann überzeugend klingende Lösungen liefern, die auf den ersten Blick funktionieren, aber im Hintergrund Probleme erzeugen. Dazu gehören unsichere Schnittstellen, fehlende Berechtigungsprüfungen, schlechte Performance oder Logikfehler, die erst später auffallen. Deshalb sollten Sie Vibe Coding nicht mit professioneller Softwareentwicklung verwechseln. Wenn ein Prototyp eine Idee demonstriert, dürfen Sie mutig experimentieren. Sobald eine Lösung aber echte Daten verarbeitet, Geschäftsprozesse steuert oder Kunden betrifft, brauchen Sie klare Qualitätsstandards.
Dazu gehören:

  • Code-Review durch erfahrene Entwickler
  • Sicherheitsprüfung
  • Datenschutzbewertung
  • Tests für zentrale Funktionen
  • saubere Dokumentation
  • klare Verantwortlichkeiten
  • Architekturentscheidungen, die zum Unternehmenskontext passen

Mit anderen Worten: KI kann viel schreiben. Verantwortung übernimmt sie aber nicht.

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Wie Unternehmen Vibe Coding sinnvoll einsetzen

Vibe Coding eignet sich vor allem, wenn Geschwindigkeit, Erkenntnisgewinn und Kreativität wichtiger sind als sofortige Produktionsreife. Es ist ein Werkzeug zum Ausprobieren und Demonstrieren, nicht unbedingt zur Entwicklung praxisreifer Software.

1. Prototypen für neue Ideen
Wenn Sie eine neue Anwendungsidee bewerten möchten, kann Vibe Coding den ersten Entwurf liefern. Sie testen Abläufe, Oberflächen und Funktionen, bevor Sie Budget in eine vollständige Umsetzung geben.
2. Interne Tools für kleine Aufgaben
Viele Teams arbeiten mit manuellen Zwischenschritten, Listen oder wiederkehrenden Prüfungen. Vibe Coding kann helfen, kleine Helfer zu entwickeln, etwa Generatoren, Auswertungen, einfache Eingabeformulare oder Automatisierungen.
3. Bessere Kommunikation zwischen Fachbereich und IT
Ein sichtbarer Prototyp sagt oft mehr als ein langes Anforderungsdokument. Fachbereiche können ihre Erwartung konkreter formulieren, während Entwickler früh erkennen, welche Annahmen technisch riskant sind.
4. Lernen und Experimentieren
Vibe Coding hilft auch dabei, technische Möglichkeiten zu verstehen. Wer mit KI-Tools experimentiert, erkennt schneller, welche Ideen realistisch sind, welche Daten fehlen und wo Prozesse noch unklar bleiben.

Wo Sie vorsichtig sein sollten

Vibe Coding wird riskant, wenn Unternehmen aus einem schnellen Prototyp unbemerkt ein produktives System machen. Ein Tool funktioniert, Kollegen nutzen es, weitere Funktionen kommen hinzu und plötzlich hängt ein echter Geschäftsprozess an Code, den niemand richtig geprüft hat.
Besondere Vorsicht gilt bei Anwendungen, die:

  • personenbezogene Daten verarbeiten
  • auf produktive SAP- oder Salesforce-Systeme zugreifen
  • Berechtigungen steuern
  • finanzielle Entscheidungen vorbereiten
  • Kundendaten verändern
  • Compliance-relevante Prozesse unterstützen
  • dauerhaft betrieben werden sollen

Hier reicht ein „läuft bei mir“ nicht aus. Sie brauchen eine Governance, damit solche Anwendungen rechtskonform und sicher arbeiten und zu einem belastbaren Unternehmenswert werden.

Vibe Coding und professionelle Entwicklung: Gegenspieler oder starkes Duo?

Vibe Coding ersetzt Entwickler nicht. Es verändert aber ihre Rolle. Gute Entwickler werden noch wichtiger, weil sie KI-Ergebnisse bewerten, verbessern und in tragfähige Architekturen überführen. Der größte Nutzen entsteht, wenn Menschen und KI klar getrennte Aufgaben übernehmen. Die KI erzeugt Varianten, beschleunigt Routinen und liefert erste Entwürfe. Menschen setzen Ziele, prüfen Qualität, verstehen Abhängigkeiten und tragen Verantwortung für das Ergebnis.
Ein guter Vergleich ist der Unterschied zwischen einer Skizze und einem Bauplan. Vibe Coding liefert schnell eine Skizze. Für ein stabiles Gebäude brauchen Sie dennoch Statik, Materialkenntnis, Erfahrung und Kontrolle. Niemand würde ein Bürogebäude bauen, nur weil eine Skizze gut aussieht. Bei Software sollten Unternehmen genauso denken.

Wie Sie Vibe Coding sinnvoll in Ihre Arbeitsweise integrieren

Der beste Einstieg ins Vibe Coding beginnt nicht mit einem großen Transformationsprojekt. Starten Sie klein, aber bewusst. Wählen Sie einen konkreten Anwendungsfall, der überschaubar ist und echten Nutzen verspricht. Definieren Sie außerdem von Anfang an, ob Sie nur experimentieren oder ob später eine produktive Lösung entstehen soll.
Ein sinnvoller Ablauf kann so aussehen:
1. Problem klären: Welchen Prozess, welche Aufgabe oder welche Entscheidung möchten Sie verbessern?
2. Zielbild formulieren: Was soll die Anwendung leisten und was ausdrücklich nicht?
3. Prototyp erstellen: Nutzen Sie KI, um erste Oberflächen, Funktionen oder Abläufe zu generieren.
4. Mit Nutzern testen: Prüfen Sie, ob der Prototyp das eigentliche Problem trifft.
5. Technisch bewerten: Lassen Sie Architektur, Sicherheit, Datenmodell und Integrationsfähigkeit prüfen.
6. Entscheiden: Verwerfen, weiterentwickeln oder professionell neu aufsetzen.

So bleibt Vibe Coding ein Beschleuniger und wird kein Türöffner für Schatten-IT.

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Worauf es beim Prompting ankommt

Gute Ergebnisse entstehen nicht durch magische Formulierungen, sondern durch präzise Anweisungen. Je klarer Sie Ziel, Kontext und Einschränkungen beschreiben, desto brauchbarer arbeitet die KI. Statt zu schreiben: „Baue mir ein CRM-Dashboard“, sollten Sie konkreter werden: „Erstellen Sie einen Prototyp für ein CRM-Dashboard für Vertriebsleiter. Das Dashboard soll offene Opportunities nach Abschlusswahrscheinlichkeit, erwarteter Umsatzhöhe und nächstem Aktivitätsdatum priorisieren. Zeigen Sie kritische Fälle hervorgehoben an. Nutzen Sie Beispieldaten und erklären Sie, welche Annahmen Sie getroffen haben.“
Dieser Prompt liefert deutlich mehr Orientierung. Er beschreibt Rolle, Zweck, Daten, Priorisierung und gewünschte Transparenz. Genau diese Klarheit braucht es, wenn Unternehmen,mit KI belastbare Ergebnisse erzielen möchten.

Was Vibe Coding für SAP- und Salesforce-Teams bedeutet

In komplexen Systemlandschaften kann Vibe Coding ein besonders nützlichals Denk- und Prototyping-Werkzeug sein.
SAP- und Salesforce-Prozesse enthalten viele Abhängigkeiten: Datenmodelle, Berechtigungen, Schnittstellen, Customizing, Erweiterungen, Compliance-Vorgaben und etablierte Betriebsprozesse. Eine KI kennt diese Unternehmensrealität nicht automatisch. Sie ist für direkte Eingriffe in Produktivsysteme daher nicht geeignet, kann aber helfen, neue Ideen schneller zu visualisieren und besser zu verstehen, welche Lösung wirklich gebraucht wird.

Fazit: Nutzen Sie den Vibe, aber bauen Sie mit Verstand

Vibe Coding bringt frische Energie in die Softwareentwicklung. Es hilft Teams, schneller über echte Lösungen, statt über abstrakte Anforderungen zu sprechen. Für die Entwicklung von Prototypen ist Vibe Coding ideal geeignet.
Vibe Coding ist aber kein Ersatz für professionelle Entwicklung. Es ist ein starker Startpunkt, wenn Unternehmen es richtig nutzen. Je näher eine Anwendung an produktive Prozesse heranrückt, desto wichtiger wird die Erfahrung von Entwicklern, die Architektur, Sicherheit und Qualitätssicherung mitdenken, prüfen und integrieren.

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FAQ

Was bedeutet Vibe Coding einfach erklärt?

Vibe Coding bedeutet, dass Menschen einer KI in natürlicher Sprache beschreiben, welche Software oder Funktion sie benötigen. Die KI erstellt daraus Code, den Nutzer anschließend testen, anpassen und weiterentwickeln können. Der Mensch schreibt also weniger Code selbst, sondern steuert stärker über Ziele, Feedback und Korrekturen.

Ist Vibe Coding auch für Unternehmen geeignet?

Ja, aber vor allem für Prototypen, interne Experimente und frühe Konzeptphasen. Für produktive Unternehmenssoftware brauchen Sie zusätzlich professionelle Entwicklung, Sicherheitsprüfungen und Tests mit klaren Verantwortlichkeiten. Ohne diese Schritte kann Vibe Coding schnell Risiken erzeugen.

Können Fachbereiche mit Vibe Coding eigene Anwendungen bauen?

Fachbereiche können mit KI-Tools erste Ideen, Oberflächen oder einfache Prototypen erstellen. Das kann die Zusammenarbeit mit der IT deutlich verbessern. Sobald echte Unternehmensdaten, Schnittstellen oder produktive Prozesse betroffen sind, sollten jedoch erfahrene Entwickler und IT-Verantwortliche eingebunden werden.

Welche Risiken entstehen durch Vibe Coding?

Die größten Risiken liegen in ungeprüftem Code, Sicherheitslücken, fehlender Wartbarkeit und falschen fachlichen Annahmen. Außerdem kann Schatten-IT entstehen, wenn Teams schnell erstellte Prototypen dauerhaft nutzen, ohne sie sauber in die Systemlandschaft einzubinden. Deshalb ist es essenziell, dass Unternehmen Leitplanken für die Entwicklung und Nutzung definieren.

Wer kann mir beim Thema Vibe Coding: Wenn Ideen schneller zu Software werden helfen?

Wenn Sie Unterstützung zum Thema Vibe Coding: Wenn Ideen schneller zu Software werden benötigen, stehen Ihnen die Experten von Erlebe Software, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

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