Eine Clean-Core-Strategie klingt zunächst nach einem rein technischen Aufräumprogramm. Tatsächlich entscheidet sie aber darüber, wie schnell Ihr Unternehmen neue Anforderungen, Releases und Innovationen im SAP-Umfeld nutzen kann. Wir erklären, wie Sie den Clean Core konkret umsetzen und wie Sie Ihre Fortschritte sichtbar machen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Clean-Core-Strategie: Sie halten Ihr SAP-Kernsystem möglichst nah am Standard und reduzieren riskante Modifikationen.
  • Konkreter Ansatz: Bewerten Sie jede Erweiterung nach Business-Wert, Standardnähe, Upgrade-Risiko und Betriebsaufwand.
  • Technischer Hebel: Nutzen Sie bevorzugt freigegebene APIs, SAP BTP, Side-by-Side-Erweiterungen und klare Integrationsregeln.
  • Governance: Ein Clean Core bleibt nur sauber, wenn Architektur, Fachbereich und Entwicklung nach festen Leitplanken entscheiden.
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Sie erhalten in kurzer Zeit ein klares Zielbild für Ihre SAP BTP, eine priorisierte Maßnahmenplanung und eine managementtaugliche Ergebnispräsentation – damit Ihre Plattform von Beginn an sauber aufgesetzt ist und auch bei Wachstum steuerbar bleibt.

Warum eine Clean-Core-Strategie kein IT-Luxus ist

Viele SAP-Systeme sind über Jahre gewachsen. Ein Report hier, ein User-Exit dort, eine Sonderlogik im Prozess. Dazu kommen Schnittstellen, die niemand mehr anfassen möchte. Änderungen im Kernsystem lösen kurzfristig Probleme, langfristig entsteht aber ein System, das undurchsichtig ist und jede Veränderung bremst.

Angesichts des hohen Tempos des technologischen Fortschritts müssen Unternehmen ihre IT-Systeme so agil wie möglich halten. Nur so lassen sich neue SAP-Funktionen, Innovationen und Geschäftsanforderungen schnell und wirtschaftlich umsetzen.

Deshalb propagiert SAP seit einigen Jahren die Clean-Core-Strategie. Sie verbietet keine Änderungen in SAP-Systemen. Unternehmen brauchen weiterhin spezifische Prozesse, individuelle Automatisierungen und Erweiterungen. Sie empfiehlt aber, diese nicht ohne Not im ERP-Kern umzusetzen. Diese Philosophie umzusetzen, ist für jedes Unternehmen sinnvoll, um die Wartbarkeit der Systeme, die eigene Agilität und Kosteneffizienz zu verbessern.

Ihr Clean-Core-Filter in 5 Schritten

Welche Anforderung muss im Kernsystem, welche kann abseits des Kerns umgesetzt werden? Damit die Entscheidung nicht auf Intuition allein beruht, sollten Sie mit einem festen Entscheidungsmodell arbeiten. Bewährt hat sich ein 5-Schritte-Filter für jede neue Anforderung und jede bestehende Eigenentwicklung.

1. Standard zuerst: Prüfen Sie konsequent Fit-to-Standard

Bevor Sie eine Erweiterung planen, prüfen Sie den SAP-Standard. Kann der Prozess über Customizing, Best Practices oder vorhandene Funktionen abgebildet werden? Falls ja, nutzen Sie den Standard, auch wenn der Fachbereich kleinere Gewohnheiten ändern muss.

Die Leitfrage lautet: Bringt diese Abweichung vom Standard einen messbaren Wettbewerbsvorteil? Wenn die Antwort „nein“ lautet, lohnt sich eine Individualentwicklung selten.

2. Business-Wert bewerten: Nicht jede Sonderlogik ist strategisch

Teilen Sie Anforderungen in drei Kategorien ein:

  • Muss: Sie ist gesetzlich oder regulatorisch notwendig oder geschäftskritisch
  • Sollte: Sie verbessert Effizienz, senkt Fehler oder beschleunigt Abläufe.
  • Kann: Sie trägt einem Komfortwunsch Rechnung, ist historisch gewachsen oder nur für Einzelfälle relevant.

Nur „Muss“- und ausgewählte „Sollte“-Anforderungen verdienen technische Sonderlösungen. „Kann“-Anforderungen gehören auf die Streichliste oder in den Standard zurück.

3. Erweiterungsort festlegen: On-Stack, Side-by-Side oder gar nicht

Für kleinere Anpassungen im SAP-Kontext bieten sich saubere In-App- oder On-Stack-Erweiterungen an, sofern sie upgrade-stabil bleiben. Für eigenständige Anwendungen, komplexe Workflows oder Integrationen eignet sich häufig eine Side-by-Side-Erweiterung auf der SAP Business Technology Platform. So bleibt der ERP-Kern schlank und Sie können trotzdem individuelle Funktionen bereitstellen.

Eine einfache Regel hilft: Was den Standardprozess minimal ergänzt, bleibt nah am System. Was eigene Logik, eigene Datenmodelle oder eigene Nutzeroberflächen braucht, gehört eher neben den Core.

In unserem Webinar zeigen wir Ihnen, welche Prinzipien erfüllt sein müssen, um einen Clean Core im SAP-Umfeld zu erreichen.

4. Schnittstellen entkoppeln: Keine Punkt-zu-Punkt-Wildnis

Viele Clean-Core-Projekte scheitern an den Integrationen. Direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen machen Systeme abhängig voneinander. Änderungen werden dadurch langsam und riskant und erodieren die Vorteile des Clean Core.

Definieren Sie deshalb klare Integrationsprinzipien:

  • Nutzen Sie freigegebene APIs statt Tabellenzugriffe.
  • Vermeiden Sie direkte Kopplungen zwischen Fachanwendungen.
  • Dokumentieren Sie Datenverantwortung eindeutig.
  • Legen Sie fest, welche Plattform Integrationen steuert.

5. Governance verankern: Ohne Entscheidungsboard wird Clean Core Wunschdenken

Eine Clean-Core-Strategie braucht ein kleines, verbindliches Architekturboard. Dieses Board sollte nicht bremsen, sondern entscheiden. Beteiligen Sie IT-Architektur, SAP-Entwicklung, Betrieb und Fachbereich.

Das Board bewertet jede relevante Anforderung anhand von vier Fragen:

  • Gibt es eine Standardoption?
  • Welchen messbaren Business-Wert liefert die Abweichung?
  • Wie hoch ist das Upgrade- und Betriebsrisiko?
  • Wo wird die Erweiterung technisch sauber umgesetzt?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, startet die Umsetzung.

So transformieren Sie bestehende SAP-Systeme auf einen Clean Core

Wenn Ihr SAP-System bereits viele Eigenentwicklungen enthält, starten Sie nicht mit einem Großprojekt. Beginnen Sie mit einer Inventur. Erstellen Sie eine Liste der wichtigsten Custom Codes, Modifikationen, Schnittstellen und Erweiterungen. Danach clustern Sie diese nach Nutzen und Risiko:

  • Behalten: hoher Business-Wert, geringe technische Risiken
  • Modernisieren: hoher Business-Wert, aber technisch kritisch
  • Ablösen: geringer Nutzen, hohes Risiko oder kaum noch Nutzung
  • Zurück in den Standard: Prozess lässt sich heute mit SAP-Standard abbilden

Besonders wirkungsvoll ist ein Pilotbereich, zum Beispiel Einkauf, Vertrieb oder Finance. Dort schaffen Sie erste Standards, um Module auf die Clean-Core-Architektur umzustellen. Dort messen Sie Erfolge. Anschließend übertragen Sie Ihr Vorgehen auf weitere Bereiche.

Welche Kennzahlen Ihre Clean Core Strategie steuerbar machen

Die Transformation zum Clean Core erfolgt sukzessive – und niemals zum Selbstzweck. Um die Fortschritte der technischen Veränderungen sichtbar zu machen, sollten Sie konkrete Kennzahlen definieren, die Sie regelmäßig erheben. Zum Beispiel:

  • Anteil der Anforderungen, die im Standard umgesetzt wurden
  • Anzahl kritischer Custom-Code-Objekte
  • Anzahl nicht freigegebener Schnittstellen
  • Aufwand pro Release- oder Upgrade-Test
  • Anzahl abgelöster Eigenentwicklungen pro Quartal

Diese Kennzahlen zeigen dem Management im Laufe der Zeit, dass Clean Core nicht nur technische Klarheit schafft, sondern Kosten, Risiken und Projektlaufzeiten wirksam reduziert.

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Clean Core für ein zukunftssicheres SAP-System und eine handlungsfähige IT

Eine Clean-Core-Strategie bedeutet nicht, Individualität aufzugeben. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, wo Individualität wirklich Wert schafft und wo der Standard die bessere Wahl ist. Wenn Sie jetzt starten, Ihre SAP-Architektur zu transformieren, gewinnen Sie Upgrade-Sicherheit und können SAP-Innovationen schneller in Ihre Prozesse integrieren. Beginnen Sie mit einem klaren Bewertungsmodell, einem Architekturboard und einem priorisierten Custom-Code-Check.

Sie möchten wissen, wie sauber Ihr SAP-Core wirklich ist? Sprechen Sie mit uns. Gemeinsam analysieren wir Ihre Erweiterungen, Schnittstellen und Risiken – und entwickeln eine Clean-Core-Strategie, die zu Ihrer SAP-Roadmap passt.

FAQ

Was bedeutet Clean-Core-Strategie?

Eine Clean-Core-Strategie sorgt dafür, dass Ihr SAP-Kernsystem möglichst standardnah, upgrade-stabil und wartbar bleibt. Individuelle Erweiterungen verschwinden nicht, sondern werden gezielt bewertet und technisch sauber umgesetzt.

Heißt Clean Core, dass keine Anpassungen mehr erlaubt sind?

Nein. Clean Core verbietet keine Individualisierung. Die Strategie trennt nur klar zwischen unnötiger Sonderlogik und echten Differenzierungsmerkmalen. Wichtige Erweiterungen bleiben möglich, sollten aber über geeignete Erweiterungsmodelle, APIs oder Plattformen umgesetzt werden.

Welche Rolle spielt SAP BTP in einer Clean-Core-Strategie?

SAP BTP eignet sich besonders für Side-by-Side-Erweiterungen, Integrationen, Automatisierungen und eigene Anwendungen. So können Sie neue Funktionen bereitstellen, ohne den SAP-Core direkt zu verändern.

Wie fangen Unternehmen am besten mit Clean Core an?

Starten Sie mit einer Bestandsaufnahme Ihrer Eigenentwicklungen, Schnittstellen und Modifikationen. Priorisieren Sie diese im Anschluss nach Business-Wert und technischem Risiko. Ein Pilotbereich hilft, schnell Erfahrungen zu sammeln und die Clean-Core-Architektur Schritt für Schritt auszurollen.