Regelmäßig fragen uns Kunden, wie sie die klassische Trennung von Debitoren und Kreditoren in S/4HANA auf das neue Geschäftspartner-Konzept umstellen. In diesem Beitrag beantworten wir häufige technische Fragen rund um das Thema und geben Ihnen konkrete Tipps, wie die SAP S/4HANA Geschäftspartner-Umstellung gelingt.
Das Wichtigste im Überblick
- Prüfung von SAP-Hinweisen: Führen Sie die von SAP empfohlenen Prüfreports vor der Migration aus, um Inkonsistenzen, fehlerhafte Stammdaten und kritische Customizing-Einstellungen zu erkennen und vorab zu beheben.
- Nummernkreis und Z-Felder: Legen Sie frühzeitig fest, wie die Nummernkreise für Geschäftspartner gestaltet werden und wie bestehende Z-Felder künftig genutzt oder in das Geschäftspartnerkonzept eingebunden werden.
- Zuordnung von Rollen: Weisen Sie Debitoren und Kreditoren die Geschäftspartner-Rollen zu, die für verschiedene SAP-Module und -Sichten erforderlich sind.
- Abschluss und Prüfung: Nach der Migration können Sie die korrekte Umstellung durch einen Abgleich von Tabellen und der CFI-Zuordnung überprüfen. Inkonsistenzen sollten mit SAP-Hinweisen behoben werden.
Vorprojekte vor der SAP S/4HANA Geschäftspartner-Umstellung
Die Migration aller Kreditoren und Debitoren ist nicht optional, wenn Sie zu S/4HANA wechseln. Entsprechend sollten Sie die Geschäftspartner-Umstellung frühzeitig in Ihre Migrationsplanung einbeziehen und nicht erst kurz vor der Systemkonvertierung starten.
Häufig ist ein separates Vorprojekt sinnvoll oder sogar notwendig. Entscheidend ist vor allem, wie Ihre bestehende Stammdatenlandschaft gestaltet ist. Nutzen Sie unterschiedliche Nummernkreise für Kunden und Lieferanten? Haben Sie zahlreiche Z-Felder im Einsatz oder weisen Ihre Stammdaten nur eine geringe Konsistenz auf? Dann empfiehlt sich eine vorgelagerte Analyse und Bereinigung.
Sie treffen darin grundlegende technische Entscheidungen und beseitigen Hürden, sodass der eigentliche Migrationsaufwand deutlich sinkt und die Geschäftspartner-Umstellung reibungslos ablaufen kann. Weitere Details zu Vorprojekten für die S/4HANA-Migration finden Sie in diesem Beitrag.
S/4HANA-Migration vorbereiten: Mit dem zentralen Geschäftspartner im SAP ERP reduzieren Sie frühzeitig den Migrationsaufwand – und erleichtern den späteren Umstieg deutlich.
Die Grundlage: Customer Vendor Integration
Um den Ablauf der Migration sinnvoll planen zu können, braucht es ein Verständnis, wie das neue Geschäftspartnerkonzept in SAP S/4HANA funktioniert.
Technische Grundlage ist die Customer Vendor Integration (kurz: CVI). Als Synchronisationsframework von SAP sorgt sie dafür, dass bestehende Kunden- und Lieferantenstammdaten in das neue Geschäftspartnerkonzept überführt und dauerhaft synchronisiert werden.
Was zeichnet das neue Konzept aus? Der Geschäftspartner (Business Partner) ist in SAP S/4HANA das führende Stammdatenobjekt. Kunden- und Lieferantenstammdaten werden nicht mehr als eigenständige Objekte verwaltet, sondern über entsprechende Geschäftspartnerrollen abgebildet. Ein Geschäftspartner kann dabei beispielsweise gleichzeitig die Rolle Kunde und Lieferant übernehmen. Die zentrale Datenhaltung erfolgt in der Tabelle BUT000.
Technischer Ablaufplan der Geschäftspartner-Umstellung für S/4HANA
Um die Geschäftspartner-Umstellung vorzunehmen, müssen Sie drei Schritte durchführen:
Schritt 1: SAP-Hinweise & Prüfreports checken
Bevor Sie nun direkt beginnen, all Ihre Partner umzustellen, sollten Sie sich zunächst einige Prüfreports anschauen, die in folgenden SAP-Hinweisen enthalten sind:
- 974504: Prüfreport für Inkonsistenzen in Verknüpfungstabellen für die Stammdatensynchronisation
- 1623677: Prüfreport für CVI Customizing
- 2216176: Prüfreport für die Prüfung vor und nach der Konvertierung
Das Customer Vendor Integration (CVI) Cockpit bietet eine zentrale Übersicht über den Status Ihrer Geschäftspartner-Umstellung und unterstützt Sie bei der Vorbereitung sowie Nachbearbeitung der Migration.
Im Cockpit können Sie unter anderem das Customizing überprüfen, Synchronisationsfehler analysieren und den Fortschritt der Umstellung überwachen. Dadurch lassen sich Inkonsistenzen frühzeitig erkennen und beheben, bevor sie den eigentlichen Migrationsprozess beeinträchtigen. Für aktuelle SAP S/4HANA-Projekte empfiehlt es sich daher, das CVI Cockpit ergänzend zu den SAP-Hinweisen und Prüfreports als zentrales Werkzeug für die Analyse und Qualitätssicherung einzusetzen.
Wenn Sie Z-Felder in Ihren Stammdaten, zum Beispiel in Tabelle KNB1 oder LFB1, nutzen, dann sind für Sie die Hinweise 2309153 und 1623809 interessant. Hier erhalten Sie Informationen darüber, wie Sie in der CFI zum Beispiel Debitorenerweiterungen vornehmen.
Damit Sie auch die Ansprechpartnerfunktionen nutzen und diese mit dem Geschäftspartner synchronisieren können, müssen Sie im Switch Framework Browser die folgenden Funktionen aktivieren:
- CA_BP_SOA
- VENDOR_SFWS_SC1
- VENDOR_SFWS_SC2
Schritt 2: Customizing
Jetzt müssen Sie einige grundlegende Customizing-Einstellungen vornehmen.


Neben den reinen Customizing-Einstellungen sollten auch die Synchronisationsmechanismen der Customer Vendor Integration berücksichtigt werden. In SAP S/4HANA erfolgt die Synchronisation zwischen Geschäftspartnern und Kunden- bzw. Lieferantenstammdaten über definierte Synchronisationsprozesse. Dabei spielen sowohl die Vorwärts- als auch die Rückwärtssynchronisation eine wichtige Rolle.
Für den produktiven Betrieb ist zudem das Monitoring der Synchronisationsergebnisse entscheidend. Über das Post Processing Office (PPO) können fehlerhafte Synchronisationsvorgänge erkannt, analysiert und nachbearbeitet werden. Eine regelmäßige Überwachung dieser Prozesse stellt sicher, dass Inkonsistenzen zwischen Geschäftspartnern und den zugehörigen Kunden- bzw. Lieferantenrollen vermieden werden.
Spätestens in diesem Schritt müssen Sie sich auch mit der Nummernkreisthematik beschäftigen. Theoretisch gibt es drei gangbare Wege, die Sie mit Bedacht auswählen sollten. Denn auch die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung wird durch die Nummern und damit durch die Konten beeinflusst:
- Der Nummernkreis des Geschäftspartners wird so definiert, dass er mit dem alten Kreditoren- und Debitorennummernkreis identisch ist. Das ist aber nicht immer machbar.
- Der Nummernkreis des Geschäftspartners wird so definiert, dass es einen größten gemeinsamen Nenner zwischen den alten Kreditoren- und Debitorennummernkreisen gibt.
- Der Nummernkreis des Geschäftspartners wird so definiert, dass der Nummernkreis sich komplett von den Nummernkreisen der Debitoren und Kreditoren unterscheidet.
Standardmäßig behalten Kunden und Lieferanten ihre bisherigen Nummern. Ob diese Nummern mit der Geschäftspartnernummer harmonisiert werden, hängt jedoch vom gewählten Nummernkreiskonzept und der CVI-Konfiguration ab. Mit der flexiblen Nummernvergabe bestehen zusätzliche Möglichkeiten, die Nummernlogik an die Anforderungen des Unternehmens anzupassen (siehe Hinweis 2368760).
Im Anschluss müssen die Kreditoren und Debitoren entsprechenden GP-Rollen zugeordnet werden:
Debitor:
Kreditor:
Diese Rollen sind dann auch für die verschiedenen Sichten (bspw. FLVN00 = Buchungskreisdaten; FLVN01 = Einkaufsdaten) relevant.
Schritt 3: Umstellung und Abschluss
Nun können Sie die bestehenden Kunden- und Lieferantenstammdaten über die CVI in das Geschäftspartnermodell überführen und die erforderlichen Geschäftspartnerrollen zuordnen. Haben Sie nun alle Kunden- und Lieferantenstammdaten erfolgreich über die CVI verarbeitet, kann über die sogenannte CVI-Zuordnung überprüft werden, ob alle zu Geschäftspartnern konvertiert wurden. Sie können zur Überprüfung die Tabelle CVI_CUST_LINK resp. CVI_VEND_LINK mit der Anzahl der Einträge in KNA1 und LFA1 überprüfen. Sind sie identisch, wurde alles migriert.
Ansprechpartner können über die Ansprechpartnerzuordnung verglichen werden. Hierzu müssen Sie die Tabellen CVI_CUST_CT_LINK und CVI_VEND_CT_LINK mit der Tabelle KNVK vergleichen. Die Einträge müssen auch hier identisch sein, wobei Sie beachten müssen, dass für KNVK die WHERE-Bedingung KUNNR <> SPACE und LIFNR <> SPACE besteht.
Sollten Inkonsistenzen aufgetreten sein, können Sie diese mittels Hinweis 974504 aufspüren und beheben. Mittels MDS_LOAD_COCKPIT haben Sie die Möglichkeit, die Migration so lange durchzuführen, bis die Migration aller Kreditoren, Debitoren und Ansprechpartner zu Geschäftspartnern abgeschlossen ist.


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Websession: SAP S/4HANA Geschäftspartner umstellen


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Dieser Artikel erschien bereits im April 2024. Der Artikel wurde am 12.08.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.
FAQ
1) Was verändert sich mit der SAP S/4HANA Geschäftspartner-Umstellung?
Die klassische Trennung von Debitoren und Kreditoren wird durch ein einheitliches Geschäftspartnermodell ersetzt. Diese Umstellung ist obligatorisch und zentral für die Migration auf SAP S/4HANA. Der Geschäftspartner wird dabei zum führenden Stammdatenobjekt, während Kunden- und Lieferantenfunktionen über entsprechende Rollen abgebildet werden.
2) Wie kann ich unterschiedliche Nummernkreise und Felder bei Kreditoren und Debitoren vereinen?
Die Vereinigung unterschiedlicher Nummernkreise und Felder erfordert sorgfältige Planung und Customizing. Je nach Anforderungen können Nummernkreise harmonisiert oder getrennt weitergeführt werden.
3) Wie wird mit benutzerdefinierten Z-Feldern in den Stammdaten umgegangen?
Spezifische Anpassungen für Z-Felder, insbesondere im Bereich der Debitoren, können durch Prüfberichte und Customizing angepasst werden. Die Felder müssen vor der Migration geprüft und gegebenenfalls über Erweiterungen in das Geschäftspartner-Modell integriert werden.
4) Welche vorbereitenden Maßnahmen sollte ich vor der Umstellung treffen?
Es wird empfohlen, Prüfreports zu analysieren, die auf Inkonsistenzen in Verknüpfungstabellen und Stammdatensynchronisation hinweisen. Dies hilft, mögliche Probleme frühzeitig zu identifizieren und die Umstellung effizient zu gestalten.
5) Welche Rollen müssen Kreditoren und Debitoren im neuen System zugeordnet werden?
Im neuen System müssen Kreditoren und Debitoren spezifischen Geschäftspartnerrollen zugeordnet werden, die für verschiedene Sichten wie Buchungskreisdaten und Einkaufsdaten relevant sind.
6) Wie überprüfe ich, ob alle Kreditoren und Debitoren erfolgreich auf Geschäftspartner umgestellt wurden?
Die Überprüfung erfolgt durch den Abgleich der Einträge in den Tabellen CVI_CUST_LINK und CVI_VEND_LINK mit den Stammdaten in KNA1 und LFA1. Zusätzlich können CVI-Prüfungen und das Monitoring der Synchronisationsprozesse genutzt werden, um die erfolgreiche Verarbeitung zu kontrollieren.
7) Was sollte ich tun, wenn Inkonsistenzen nach der Umstellung auftreten?
Bei Inkonsistenzen können spezielle SAP-Hinweise genutzt werden, um diese zu identifizieren und zu beheben. Darüber hinaus können Werkzeuge wie das CVI-Monitoring und MDS_LOAD_COCKPIT genutzt werden, um Fehler zu analysieren und die Verarbeitung erneut durchzuführen.
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Alexander Kössner-Maier
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