Ingo Biermann
5. Mai 2026

SAP S/4HANA-Migration – Was Sie jetzt schon tun können

S/HANA Migration Vorbereitung

Die S/4HANA-Migration ist ein Projekt, bei dem ein Großteil der SAP-Kundschaft angesichts der Komplexität oft keine klare Orientierung bezüglich des Vorgehens hat. Jedoch geraten Unternehmen langsam aber sicher unter Zeitdruck, da für SAP ERP 6.0 mit EHP 6–8 die Mainstream Maintenance am 31.12.2027 endet und SAP für diese Versionen eine kostenpflichtige Extended Maintenance bereitstellt. In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen einige S/4HANA-Vorprojekte vorstellen, die bereits vor der eigentlichen Migration die Umstellung vorbereiten und Risiken reduzieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die S/4HANA-Migration ist komplex und zeitaufwändig, erfordert frühzeitige Vorprojekte zur Risikominimierung.
  • Vorprojekte müssen nutzbringend, abschließbar und investitionssicher sein, priorisiert als Must-have oder Nice-to-have.
  • Sinnvolle Schritte umfassen Unicode-Migration, Readiness-Checks, Custom Code Analyse und neues Hauptbuch.

Das SAP S/4HANA Projekt

Damit Sie die umfangreiche S/4HANA-Migration realisieren können, empfehle ich Ihnen, zunächst eine grobe Übersichtsplanung vorzunehmen und eine Roadmap zu erstellen. Dabei sollte frühzeitig der Transformationsansatz (Brownfield, Greenfield oder Selective Data Transition) festgelegt werden, da dieser die weiteren Schritte maßgeblich beeinflusst. Weil alle Prozesse des Unternehmens einmal gegen das neue System geprüft und getestet werden, sind hier im Prinzip sämtliche Fachabteilungen mehr oder weniger involviert, was die Komplexität der Planung zusätzlich steigert.

Außerdem müssen die IT- und Fachabteilungen oft wichtige Abschnitte des Vorhabens selbst umsetzen, z. B. Testen, Schulungen und Anpassungen. Da noch weitere Projekte im IT-Bereich laufen, sind die Kapazitäten der Mitarbeitenden in diesem Bereich oft eingeschränkt. Sie merken vielleicht schon, dass der Umstieg auf S/4HANA sehr umfassend und zeitaufwändig ist – so zeitaufwändig, dass die meisten Einführungsprojekte mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen, insbesondere bei Brownfield oder Selective Data Transition Pfaden. Aufgrund der umfangreichen Planung und der damit einhergehenden Fehleranfälligkeit sind solche Einführungsprojekte also von Anfang an nicht frei von Risiken und Ressourcen- und Zeitengpässen.

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S/4HANA-Vorprojekte

Aus diesem Grund bietet es sich für Sie an, jene Projektschritte zu identifizieren, die Sie schon vor der eigentlichen Umstellung durchführen können. Es ergibt Sinn, in dieser „Ruhe vor dem Sturm“ die Schritte zu erledigen, die Sie bereits erledigen können, damit diese später keine Hindernisse oder Unterbrechungen darstellen. Hierbei müssen Sie einige Kriterien beachten:

  1. Das S/4HANA-Vorprojekt muss nutzbringend sein: Überlegen Sie sich deswegen genau, ob dieser Schritt wirklich notwendig ist und ob es sich lohnt, dafür bereits Energie und Ressourcen aufzuwenden. Es wäre beispielsweise nur bedingt sinnvoll, Entwickelnde lange im Voraus bezüglich S/4HANA-Technologien wie CDS-Views zu schulen, wenn keine zeitnahe Anwendung im Projektkontext erfolgt.
  2. Das Projekt sollte abschließbar sein: Sie sollten nichts anfangen, was sich nicht auch als in sich geschlossenes Vorprojekt beenden lässt. Ein Beispiel hierfür wäre die Einführung des neuen Hauptbuches, das auf einer neuen Buchhaltungslogik basiert.
  3. Das Vorprojekt muss investitionssicher sein: D. h., dass es sich sinnvoll in die Gesamt-Roadmap einfügen muss. Beispielsweise wäre der Umstieg des ERPs auf die HANA-Datenbank (Business Suite powered by SAP HANA) im Zuge des Greenfield-Szenarios nicht angebracht, denn das bestehende SAP ERP wird in diesem Fall nicht weitergeführt und durch eine Neuinstallation ersetzt. Der Umstieg auf HANA im Greenfield-Szenario ist nicht das gleiche Projekt wie ein Brownfield-Conversionspfad. Hier sollten Sie zunächst prüfen, ob die HANA-Migration in dieser Form überhaupt sinnvoll ist.

Priorisierung der Projekte

Bevor Sie mit der Umsetzung der Vorprojekte beginnen können, wird die Planung noch etwas kleinschrittiger. Hier ist es ratsam, nicht einfach „drauflos vorzuarbeiten“, sondern Ihre Vorprojekte noch einmal zu priorisieren. Dafür müssen Sie entscheiden, ob es sich bei dem jeweiligen Projekt um ein „Must-have“ oder ein „Nice-to-have“ handelt. Ersteres ist ein essenzieller Schritt, bei dessen Vernachlässigung nachfolgende Schritte verhindert werden. Ein „Nice-to-have“ dagegen wäre zwar nützlich, aber nicht zwingend erforderlich. So ist beispielsweise eine Unicode-Migration im Zuge des Brownfield-Vorgehens (sofern noch nicht erfolgt) zwingend erforderlich, wodurch es also ein „Must-have“ ist.

In diesem Webinar erfahren Sie, welche Projekte Sie vor der S/4HANA-Migration umsetzen können, welche Ansätze sinnvoll sind und wie diese Ihre Migration unterstützen.

Vorprojekt: SAP HCM for S/4HANA (H4S4)

H4S4 stellt eine Brückentechnologie für das SAP HCM (Human Capital Management) dar und erleichtert den vollständigen Übergang zu S/4HANA. Mit dieser Lösung nutzen Sie die Funktionen des alten SAP HCMs in der S/4HANA-Umgebung. Wenn Sie das SAP HCM nutzen, bildet H4S4 eine gute Übergangslösung dafür, Ihre HCM-Prozesse für die S/4HANA-Migration vorzubereiten.
Weitere S/4HANA-Vorprojekte

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung von Vorprojekten, die für viele Unternehmen sinnvoll sind. Die konkrete Relevanz hängt jedoch vom gewählten Transformationsansatz und der Systemlandschaft ab.

Aktuelle technische Updates

• HANA Roadmap
• Unicode-Migration
• EHP-Upgrade
• Datenarchivierung
• Einführung Solution Manager 7.2
• Output Management mit Adobe

Systemanalyse und Readiness (Bereitschaft) des Systems

• Aktivierung und Analyse des Usage and Procedure Loggings
• HANA-Datenbank-Code-Check und Readiness
• Die HANA-DB-Datenbankmigration
S/4HANA-Readiness-Check
• Custom Code Analyse (ATC mit S/4HANA-Checks)
• Business Partner Vorprojekt (CVI-Umstellung)
• Stammdatenqualität
• Fiori- und UX-Strategie

Fachlich

• Neues Hauptbuch
• Neue Anlagenbuchhaltung
• Zentraler Geschäftspartner
• Cash Management
• Konditionskontrakt-Management (Bonus)

SAP S/4HANA Readiness Check 2.0

Ihre klare S/4HANA-Standortbestimmung: Welche Hürden es gibt, was Sie priorisieren sollten und welche konkreten nächsten Schritte sich aus den Check-Ergebnissen ableiten.

SAP S/4HANA Migration: Eine Herausforderung, die sich lohnt

Es bleibt also festzuhalten, dass die Migration auf SAP S/4HANA ein durchaus anspruchsvolles und zeitaufwändiges Projekt ist, das umfassender, strukturierter, kleinschrittiger Planung bedarf. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Umstieg insgesamt länger als ein Jahr dauern kann und nur mit einer gut durchdachten Roadmap und einiger Vorarbeit reibungslos vonstattengeht. Positiv formuliert bedeutet das aber auch, dass Sie mit dem nötigen Knowhow und Planungsvermögen nicht vor einer Umstrukturierung zurückschrecken müssen. Schließlich gehen Sie mit der Implementierung des „SAP der Zukunft“ einen wichtigen Schritt nach vorn und mit der Zeit.

Ich beantworte Ihnen gerne Ihre Fragen zum Thema SAP S/4HANA Einführung und was Sie jetzt schon tun können.

Websession: S/4HANA Einführung

Ingo Biermann

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Dieser Artikel wurde bereits im August 2024 veröffentlicht und am 5. Mai 2026 mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

1) Warum ist die frühzeitige Planung für die SAP S/4HANA-Migration wichtig?

Die Migration auf SAP S/4HANA ist ein komplexes und zeitaufwändiges Projekt. Eine frühzeitige Planung hilft, Kapazitätsengpässe zu vermeiden, Risiken zu minimieren und die Migration durch Vorprojekte zu entzerren, um spätere Unterbrechungen zu verhindern.

2) Welche Vorprojekte sind sinnvoll, bevor die eigentliche Migration startet?

Sinnvolle Vorprojekte umfassen:
• Unicode-Migration
• Einführung des neuen Hauptbuchs
• HANA Roadmap und Datenbankmigration
• Datenarchivierung
• Einführung des Solution Managers 7.2
• Durchführung eines S/4HANA-Readiness-Checks

3) Was ist der Unterschied zwischen „Must-have“ und „Nice-to-have“-Projekten?

„Must-have“-Projekte sind essenzielle Schritte, die notwendig sind, um die Migration voranzutreiben, wie z. B. die Unicode-Migration. „Nice-to-have“-Projekte sind nützlich, aber nicht zwingend erforderlich, wie die Verbesserung der Stammdatenqualität oder kleinere technische Updates.

4) Wie kann H4S4 Unternehmen bei der Migration unterstützen?

H4S4 ist eine Brückentechnologie, die es ermöglicht, bestehende SAP HCM (Human Capital Management)-Funktionen in der S/4HANA-Umgebung weiter zu nutzen. Dies erleichtert den Übergang und reduziert den Anpassungsaufwand bei der Migration.

5) Welche technischen Voraussetzungen sollten vor der Migration geprüft werden?

Wichtige technische Voraussetzungen umfassen:
• Durchführung eines HANA-Datenbank-Code-Checks
• Prüfung der Stammdatenqualität
• Überprüfung der Systembereitschaft mit dem S/4HANA-Readiness-Check
• Sicherstellung, dass alle erforderlichen Updates und Upgrades durchgeführt wurden.

Ingo Biermann

Ingo Biermann

Als Management- und Technologieberater unterstütze ich seit mehr als 15 Jahren große und mittelständische Unternehmen in Fragen der IT-Strategie und bin unterwegs in unterschiedlichen SAP-Themen wie SAP S/4HANA, User Experience und SAP Entwicklung.

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